Türkei Wahl in Istanbul - Oppositionskandidat führt deutlich

Der Kandidat der Erdogan-Partei AKP hat seine Niederlage bereits eingestanden: Bei der Wahlwiederholung in Istanbul liegt Oppositionsmann Imamoglu laut Prognosen weit vorn.

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Bei der Wiederholung der Bürgermeisterwahl in Istanbul liegt der Oppositionskandidat Ekrem Imamoglu von der CHP-Partei vorn. Laut CNN Türk entfallen 53,6 Prozent der Stimmen auf Imamoglu und nur 45,4 Prozent auf den ehemaligen Regierungschef Binali Yildirim von der AKP. Fast identische Zahlen gab auch die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu bekannt.

AKP-Kandidat Yildirim hat seine Niederlage bereits eingestanden. "Ich gratuliere ihm und wünsche ihm viel Erfolg", sagte er bei einem Fernsehauftritt und bedankte sich bei den Istanbulern. "Ich hoffe, dass Ekrem Imamoglu Istanbul gut dienen wird. Wir werden versuchen, ihm auf jede Weise zu helfen." Die Abstimmung zeige, dass "die türkische Demokratie ohne Probleme funktioniert".

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Wahl in Istanbul: Jubel bei der Opposition

Imamoglu hat seinen Sieg als "neuen Beginn" für die Türkei bezeichnet. "Nicht eine einzelne Partei, sondern ganz Istanbul und die Türkei haben diese Wahl gewonnen", sagte er nach Bekanntgabe der vorläufigen Wahlergebnisse.

Der CHP-Politiker nannte die Wahl einen "Beitrag zum demokratischen Prozess in der Türkei". Er erklärte seine Bereitschaft, mit Präsident Recep Tayyip Erdogan "harmonisch zusammenzuarbeiten", um "Istanbuls dringendste Probleme zu lösen". Es sei ihm "die wertvollste, die ehrenvollste Pflicht", Istanbul als Bürgermeister zu dienen, sagte der 49-Jährige, der bisher als Bezirksbürgermeister den Istanbuler Stadtteil Beylikdüzü regiert hatte.

Imamoglu hatte die erste Bürgermeisterwahl am 31. März überraschend und knapp gewonnen und damit Yildirim geschlagen. Die Hohe Wahlkommission (YSK) annullierte das Ergebnis allerdings Anfang Mai wegen angeblicher Regelwidrigkeiten - und gab damit einem Antrag der AKP von Präsident Erdogan statt. Das stieß international auf Kritik.

Mehr als 730.000 Stimmen Vorsprung

Das Ergebnis ist ein Rückschlag für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoganund seine regierende AKP. Nach der ersten Wahl im März hatte Imamoglu einen hauchdünnen Vorsprung von etwa 14.000 Stimmen. Der Abstand zwischen den beiden Kandidaten betrug nun nach Auszählung von 97,4 Prozent der Stimmen mehr als 730.000 Stimmen.

Der Istanbuler Bürgermeisterposten ist der wichtigste im Land. In Istanbul leben mit rund 16 Millionen Menschen fast 20 Prozent aller Türken. Wahlberechtigt waren am Sonntag rund 10,5 Millionen Menschen. Bei der Wahl am 31. März hatten rund 8,8 Millionen Menschen ihre Stimme abgegeben, was auf eine Wahlbeteiligung von 84 Prozent hinauslief.

Die Wahlwiederholung fiel mitten in die Ferienzeit. Zehntausende Menschen hatten dafür ihren Urlaub unterbrochen. Beide Parteien organisierten Busse, um ihre Wähler aus den Urlaubsorten an der Küste zur Stimmabgabe zu bringen.

asc



insgesamt 87 Beiträge
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hileute 23.06.2019
1. Bleibt zu hoffen
das der Vorsprung diesmal groß genug ist sodass keine auch nur halbwegs glaubbaren Argumente für eine erneute Wiederholung gefunden werden
ddcoe 23.06.2019
2. Glückwunsch nach Istanbul
die Demokratie hat gesiegt - und der korrupte Sumpf von Erdogan krachend verloren. Bleibt zu hoffen, das es jetzt innerhalb der AKP Reaktionen in Richtung Demokratie gibt.
crunchy_frog 23.06.2019
3. Mal abwarten....
...ob Erdogan die Wahl nicht gleich wieder als ungültig erklären lässt.
h.hass 23.06.2019
4.
Das dürfte dann wohl der Anfang vom Ende des Sultans sein. Vermutlich erkennen immer mehr Türken, dass Erdogan ihr Land wirtschaftlich gegen die Wand fährt. Und das Image der Türkei hat durch diesen Autokraten erheblich Schaden genommen. In Deutschland haben wir seine Nazi-Beschimpungen nicht vergessen.
graf koks 23.06.2019
5. darf nicht sein
Sicher lässt Erdo die Wahl noch mal wiederholen. Imamoglu sollte sehr auf seine persönliche Sicherheit achten.
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