Pläne der Stadtverwaltung Istanbul plant offenbar weiterhin Bebauung im Gezi-Park

Leben die Proteste im Istanbuler Gezi-Park wieder auf? Trotz gerichtlichen Verbots plant die Stadtverwaltung offenbar weiterhin die umstrittene Bebauung - die ersten Auseinandersetzungen darum gab es schon.

Taksim-Platz am Gezi-Park in Istanbul: Kasernen-Neubau bleibt auf der Agenda
DPA

Taksim-Platz am Gezi-Park in Istanbul: Kasernen-Neubau bleibt auf der Agenda


Istanbul - Vor anderthalb Jahren hatte es bei schweren Krawallen rund um den Gezi-Park in Istanbul Tote gegeben, nun droht der Konflikt erneut aufzuflammen: Die Behörden erwägen in dem symbolträchtigen Park offenbar weiterhin den Bau eines umstrittenen Einkaufszentrums in der Optik einer osmanischen Kaserne. Die Wiedererrichtung eines osmanischen Kasernenkomplexes sei in der Planung der Stadtverwaltung für die Jahre 2015 bis 2019 enthalten, berichteten türkische Zeitungen.

Mitglieder der Protestbewegung, die bereits im Sommer vergangenen Jahres gegen die Baupläne auf die Straße gegangen waren, kündigten Widerstand gegen das Projekt an. Der Aktivist Ali Cerkezoglu von der Vereinigung "Taksim Solidarität" sagte der Zeitung "Cumhuriyet", die Entscheidung sei eine Kampfansage der Regierung, die nicht unbeantwortet bleiben werde.

Zu ersten Protesten kam es bereits in der Nacht zu Mittwoch, nachdem im Gezi-Park Arbeiter mit Baggern angerückt waren, um ein paar Quadratmeter einzuebnen. Um mögliche Demonstranten zu beruhigen und ihre Arbeit zu erklären, befestigten sie ein Plakat an einem Baum mit der Aufschrift "Bauarbeiten für eine Bushaltestelle".

Passanten ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken und stellten sich den Arbeitern in den Weg, die daraufhin ihre Tätigkeit einstellten. Augenzeugenberichten zufolge waren höchstens hundert Demonstranten beteiligt. Die Polizei, die seit den Protesten im vergangenen Jahr ständig auf dem benachbarten Taksim-Platz in Bereitschaft steht, griff nicht ein. Türkische Nachrichtensender berichteten, es sei lediglich zu Wortgefechten zwischen Demonstranten und Zivilpolizisten gekommen. Die Passanten hatten offenbar Angst, dass Bäume gefällt werden sollen.

Ein Gericht hatte das Bauprojekt verboten

Die geplante Beseitigung von Bäumen in dem Park hatte Ende Mai vergangenen Jahres landesweite Proteste ausgelöst, in deren Verlauf mindestens acht Menschen starben. Die Gezi-Park-Bewegung war am 31. Mai in landesweite Proteste gegen die islamisch-konservative Regierung umgeschlagen. Der damalige Ministerpräsident und heutige Präsident Recep Tayyip Erdogan wertete die Demonstrationen damals als Versuch, seine Regierung zu stürzen.

Mehrere Gerichte hatten das umstrittene Bauprojekt schließlich untersagt. Erdogan betonte stets, er werde sich den Entscheidungen der Justiz beugen. Der von Erdogans Partei AKP dominierte Istanbuler Stadtrat nahm nun offenbar dennoch eine bis 2019 reichende Bauplanung an, in der das Kasernenprojekt wieder auftaucht.

Nachdem die Massendemonstrationen im Spätsommer 2013 abgeebbt waren, kam es immer wieder zu kleineren Protesten, die die Polizei regelmäßig mit Wasserwerfern und Tränengas zerschlug. Zuletzt war es Ende Mai zu Krawallen rund um den Taksim-Platz gekommen, nachdem Aktivisten anlässlich des Jahrestages der Proteste zu einer Kundgebung aufgerufen hatten. Dabei nahm die Polizei 120 Demonstranten fest, vier Polizisten und 13 Demonstranten wurden verletzt.

Erdogan hatte die Demonstranten seinerzeit als Vandalen und Plünderer geschmäht und die Polizei für ihr hartes Vorgehen gelobt. Politische Kundgebungen im Gezi-Park und auf dem angrenzenden Taksim-Platz sind seitdem verboten.

kaz/mxw/AFP

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sinan- 19.11.2014
1. Diese Scheinheiligen
Menschen zeigen wiedermal auf welchem Niveau Sie sind. Hier gehts nicht um das Bauprojekt, hier gehts nur um Erdogan und seiner AKP. Und wer stachelt diese Menschen dazu an. Die Opposition CHP. Wozu das ganze. Ganz einfach, CHP verliert eine Wahl nach der anderen. Wieso, weil Erdogan die Infrastruktur jedes Jahr verbessert, die Wirschaft ankurbelt. Also was tun dagegen. Genau, Bauprojekte verhindern was das Zeug hält, Korruptionsvorwürfe und anstacheln des Volkes für solche Demos sollen bei dem Volk ein negatives Meinung über Erdogan erzeugen. Das ist deren Devise. Bäume interessiert den Leuten überhaupt nicht. Vor 12 Jahren war die Türkei kahlrassiert, wo waren diese Menschen da. Erdogan war es überhaupt, dass millionen neue Bäume gepflanzt wurden. Erdogan hat ein Referandum angeboten, damit das Volk entscheidet ob gebaut wird oder nicht. Nein das wollen Sie auch nicht. Sie tun so als habe Sie die Entscheidung darüber was dort gemacht wird, was ist das für ein Demokratieverständnis. Nur weil Ihre eigene Richter irgendwelche Gerichtsbeschlüsse treffen, heißt das nicht das dort nicht gebaut werden darf. Diese Menschen stellen sich über das Volk und wenn man nicht das tut was Sie wollen, dann wenden diese Chaoten nur Gewalt an, um Ihren Ziel zu erreichen. Das gleiche war auch das neue Palast des Präsidenten. Es wurden keine Bäume abgeholzt, es wurde ein altes bestehendes Gebäude entfernt und darauf das ganze gebaut. Wieso CHP es wieder schlecht macht ist klar, so ein Palast zeigt wie stark Erdogan ist und das sieht das Volk auch, also kleinreden, schlechtmachen statt zu arbeiten und was nützliches für die Türkei zu tun.
Senf-Dazugeberin 19.11.2014
2. Lupenreiner Demokrat
Zitat von sinan-Menschen zeigen wiedermal auf welchem Niveau Sie sind. Hier gehts nicht um das Bauprojekt, hier gehts nur um Erdogan und seiner AKP. Und wer stachelt diese Menschen dazu an. Die Opposition CHP. Wozu das ganze. Ganz einfach, CHP verliert eine Wahl nach der anderen. Wieso, weil Erdogan die Infrastruktur jedes Jahr verbessert, die Wirschaft ankurbelt. Also was tun dagegen. Genau, Bauprojekte verhindern was das Zeug hält, Korruptionsvorwürfe und anstacheln des Volkes für solche Demos sollen bei dem Volk ein negatives Meinung über Erdogan erzeugen. Das ist deren Devise. Bäume interessiert den Leuten überhaupt nicht. Vor 12 Jahren war die Türkei kahlrassiert, wo waren diese Menschen da. Erdogan war es überhaupt, dass millionen neue Bäume gepflanzt wurden. Erdogan hat ein Referandum angeboten, damit das Volk entscheidet ob gebaut wird oder nicht. Nein das wollen Sie auch nicht. Sie tun so als habe Sie die Entscheidung darüber was dort gemacht wird, was ist das für ein Demokratieverständnis. Nur weil Ihre eigene Richter irgendwelche Gerichtsbeschlüsse treffen, heißt das nicht das dort nicht gebaut werden darf. Diese Menschen stellen sich über das Volk und wenn man nicht das tut was Sie wollen, dann wenden diese Chaoten nur Gewalt an, um Ihren Ziel zu erreichen. Das gleiche war auch das neue Palast des Präsidenten. Es wurden keine Bäume abgeholzt, es wurde ein altes bestehendes Gebäude entfernt und darauf das ganze gebaut. Wieso CHP es wieder schlecht macht ist klar, so ein Palast zeigt wie stark Erdogan ist und das sieht das Volk auch, also kleinreden, schlechtmachen statt zu arbeiten und was nützliches für die Türkei zu tun.
Klar, der arme unverstandene Erdogan ist ein lupenreiner Demokrat wie Herr Putin auch. Was bedeutet eigentlich "Ihre eigene Richter"? Darf sich in der Türkei jeder Richter nennen, hat jede Partei eigene? In Deutschland sind Gerichtsbeschlüsse bindend - auch für eine Merkel, einen Gabriel, die Linken, die Grünen, die AfD oder den Hühnerzuchtverein in Hintertupfingen. Merkwürdiges Land, Ihre Türkei.
optional_muenchen 19.11.2014
3. Taksim
Nun hat sich RTE der I in Ankara seinen Ruhesitzt bauen lassen, auf einem Hügel in Istanbul lässt er sich eine Monster-Moschee bauen, an einem angemessenen Flughafen ist er dran, einen Durchbruch zw. Schwarzmeer und Marmara hat er geplant, EKZs gibt´s mehr als genug... Aber der Taksim, da hat sich das Volk gegen ihn gewendet. Deshalb MUSS dort noch was passieren, und wenn es das Letzte ist, was dieser "Mensch" noch baut.
fussball11 19.11.2014
4.
Wer den Gezi Park einmal gesehen hat fragt sich was daran ein Park sein soll. Daher werden wohl auch immer Bilder vom Taskin Platz gezeigt, der Park ist eine Brache.
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