Istanbul Türkische Polizei nimmt 700 Menschen fest - Tränengas eingesetzt

Aufruhr in der Türkei: Die Polizei ging mit Tränengas gegen Hunderte linke Demonstranten vor, die an den blutigen 1. Mai vor 30 Jahren erinnern wollten. Nun fürchten die Behörden, die Unruhen könnten in Proteste gegen Präsidentschaftskandidat Gül umschlagen.

Hamburg/Istanbul – Hubschrauber kreisen über der Stadt, über 17.000 Polizisten sind im Einsatz: In der türkischen Stadt Istanbul liefern sich Demonstranten und Polizisten seit dem Morgen Straßenschlachten. Im Zentrum der Unruhen: Der Taksim-Platz, der zentrale Verkehrsknotenpunkt der 14-Millionen-Stadt, auf dem vor 30 Jahren bei einer Maikundgebung eine Massenpanik ausgebrochen war. 34 Menschen starben damals, nachdem ein Unbekannter wahllos in die Menge der Zehntausenden Demonstranten gefeuert hatte. Die meisten starben dabei nicht an Schusswunden, sondern wurden totgetrampelt.

Zum ersten Mal seit dem Militärputsch 1980 hatten die Behörden in diesem Jahr Gewerkschaftsführern erlaubt, auf dem Platz Kränze niederzulegen. Doch für das Gros der Demonstranten wurde der Platz zum Sperrgebiet erklärt. Die Polizei riegelte den Taksim-Platz ab und trieb die Demonstranten in kleinen Gruppen zusammen.

Anarchie-Fahnen gegen Erdogan

Als einige Dutzend Protestler sich den Weg zum Platz bahnen wollten, setzte die Polizei Tränengas ein, auch Warnschüsse fielen. 700 Demonstranten, darunter 200 Frauen, wurden bisher festgenommen. Der Gouverneur der Stadt, Muammer Güler, erklärte, einige hätten Pistolen, Brandsätze und Messer bei sich gehabt. Hunderte Protestler, die von der Polizei eingekesselt worden waren, forderten zudem den Rücktritt des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan und skandierten "Gib auf!". Einige schwenkten dazu schwarze Anarchie-Fahnen.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte es in Istanbul heftige Proteste gegeben: Mehr als eine Million Menschen waren am Sonntag auf die Straße gegangen, um gegen die Präsidentschaftsambitionen des Außenministers Abdullah Gül und die Politik der Regierung von Premier Erdogan zu protestieren.

jkr/AP/Reuters