Nach Angriff auf Plattenladen Türkische Polizei beschießt Demonstranten mit Gummigeschossen

Radiohead-Fans wurden in einem Istanbuler Plattenladen angegriffen, weil sie während des Ramadans Bier tranken. Anschließende Proteste löste die Polizei gewaltsam auf.

Türkische Polizisten in Istanbul
AFP

Türkische Polizisten in Istanbul


Die türkische Polizei ist in Istanbul massiv mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Hunderte regierungskritische Demonstranten vorgegangen, die sich am Samstagabend im Istanbuler Stadtteil Cihangir versammelten. Während der Proteste gegen die regierende AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan riefen sie "Faschisten" und "Mörder". Und: "Alle gemeinsam gegen den Faschismus." Mehrere Menschen wurden festgenommen.

Auslöser der Proteste war einAngriff auf Fans der britischen Band Radiohead am Freitagabend. Dabei hatten mehrere Männer ein Musikgeschäft in der Nähe des Taksim-Platzes gestürmt, in dem junge Leute das neue Album der Band gehört hatten. Offenbar attackierten die Männer die Musikfans, weil sie sich daran störten, dass diese während des Fastenmonats Ramadan Alkohol tranken. Laut der Nachrichtenagentur Dogan wurden bei dem Angriff zwei Menschen verletzt, die Polizei leitete Ermittlungen ein.

Videoaufnahmen zeigen, wie mehrere Männer unter lauten Rufen den Plattenladen stürmen, Menschen auf die Straße treiben und vor dem Laden Möbel umschmeißen.

Periscope/Velvet IndieGround Records

Die Band Radiohead verurteilte den Angriff auf den Plattenladen. Es sei ein Akt "gewalttätiger Intoleranz", teilte die britische Rockband am Samstag im Magazin "Rolling Stone" mit. Die Musiker sprachen ihren Fans nach dem Vorfall ihr Mitgefühl aus: "Wir schicken unseren Fans in Istanbul unsere Liebe und Unterstützung", hieß es in der Mitteilung. Die Band hoffe, dass solche Angriffe bald der fernen Vergangenheit angehören würden.

anr/AFP/dpa



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