Italien Berlusconi sorgt mit Hitler-Witz für Wirbel

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi ist für seine Ausfälle berüchtigt - nun hat er wieder zugeschlagen: Auf einer Veranstaltung seiner Partei wollte der Ministerpräsident mit einem Hitler-Witz punkten. Dann brachte er sich auch noch als potenter Ehegatte für junge Frauen ins Spiel.

dpa

Berlin - Italien hat eigentlich ganz andere Sorgen: Die Regierungskoalition taumelt, Ministerpräsident Silvio Berlusconi verfügt im Abgeordnetenhaus nicht mehr über die absolute Mehrheit. Doch statt konstruktive Lösungen zu suchen, ist der Regierungschef nun zum wiederholten Mal mit allzu saloppen Äußerungen aufgefallen. Wie nun bekannt geworden ist, versuchte Berlusconi in einer Rede am Sonntag, unter anderem mit einem Hitler-Witz zu punkten.

Nachdem er zunächst versichert hatte, seine Amtszeit erfüllen zu wollen, verrannte sich Berlusconi laut einem Bericht des "Guardian" mit einem Witz, in dem Hitlers Anhänger entdecken, dass der Führer noch lebt. Sie bitten ihn, wieder die Macht zu ergreifen. Hitler antwortet: "Ich werde zurückkommen, unter einer Bedingung: Nächstes Mal werde ich böse sein."

Die Opposition fand das überhaupt nicht komisch. Berlusconi müsse sich bei Israel und der jüdischen Gemeinde Italiens entschuldigen, forderte Fabio Evangelisti von der Partei Italia dei Valori. "An diesem Punkt ist das kein politisches oder rechtliches Problem mehr", sagte Parteichef Antonio Di Pietro, "sondern ein psychiatrisches".

Berlusconi protzte bei seinem Auftritt zudem mit seinem Potential als Ehegatte. Der 73-Jährige gab jungen Frauen den Rat, sich reiche Männer wie ihn zu angeln. Der Regierungschef spielte damit auf ein Fernsehinterview an, das er vor einiger Zeit gegeben hatte. Der darin erteilte Ratschlag an ein Mädchen, sich einen reichen Freund zu suchen, sei nicht unrealistisch, so Berlusconi. Frauen würden Schlange stehen bei ihm: "Ich bin freundlich, ich habe Geld, ich weiß, wie man Frauen behandelt." Zudem würden sie denken: "Er ist alt. Er stirbt und ich erbe."

Alte Verbündete kämpfen um die Macht

Der italienische Regierungschef war im vergangenen Jahr in einen Sexskandal verwickelt. Unter anderem hatten mehrere junge Frauen von Partys bei Berlusconi berichtet. Eine Edel-Prostituierte verbrachte nach eigenen Angaben die Nacht bei ihm. Berlusconis Ehefrau Veronica Lario kündigte an, sich scheiden zu lassen. Derzeit lebt das Paar getrennt.

Junge Italiener sollten reich heiraten, witzelte der Regierungschef in seiner Rede auf einer Jugendveranstaltung seiner Partei Volk und Freiheit. "Meine Tochter ist noch zu haben." Es waren nicht die ersten Eigenarten Berlusconis. Kürzlich bezeichnete er US-Präsident Barack Obama als "jung, hübsch und gebräunt". Zuletzt verteidigte er Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi, als dieser in Rom vor Hunderten Models eine öffentliche Koran-Lehrstunde gab.

Der Machtkampf in Italiens Regierung ist Ende Juli entbrannt. Berlusconis einstiger Verbündeter Gianfranco Fini hat sich gegen ihn gewendet, nachdem er aus der gemeinsamen Regierungspartei Volk der Freiheit (PdL) geworfen worden war. Anschließend hatte er 34 Anhänger in einer neuen Fraktion Futuro e Libertà (Freiheit und Zukunft) um sich geschart und Berlusconi scharf attackiert.

Der Ministerpräsident verfügt seitdem nicht mehr über die absolute Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Seit dem Zerwürfnis schmiedet er an neuen Allianzen, noch im September will er die Vertrauensfrage stellen. Fini soll nach Berlusconis Willen als Parlamentspräsident abgelöst werden.

hut/ap



insgesamt 114 Beiträge
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Seite 1
sic tacuisses 14.09.2010
1. Es gibt halt Menschen, die sind so.
Zitat von sysopItaliens Regierungschef Silvio Berlusconi ist für seine Ausfälle berüchtigt, nun hat er wieder zugeschlagen: Auf einer Veranstaltung seiner Partei wollte der Ministerpräsident mit einem Hitler-Witz punkten. Dann brachte er sich als potenter Ehegatte für junge Frauen ins Spiel. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,717330,00.html
Dämlichkeit ist nicht das Vorrecht irgendeiner Schicht, sondern, wie wir eben erstaunt feststellen dürfen, offenbar in den oberen Schichten unserer zivilisierten Völker weit verbreitet.
erbseneintopf, 14.09.2010
2. ja ja
Zitat von sysopItaliens Regierungschef Silvio Berlusconi ist für seine Ausfälle berüchtigt, nun hat er wieder zugeschlagen: Auf einer Veranstaltung seiner Partei wollte der Ministerpräsident mit einem Hitler-Witz punkten. Dann brachte er sich als potenter Ehegatte für junge Frauen ins Spiel. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,717330,00.html
na da hat er aber Glück , dass er Italiener ist..hierzulande hätte er 10 Minuten später von seinem Amt zurücktreten müssen...;-)
own_brain_user 14.09.2010
3. Ich ...
Zitat von sic tacuissesDämlichkeit ist nicht das Vorrecht irgendeiner Schicht, sondern, wie wir eben erstaunt feststellen dürfen, offenbar in den oberen Schichten unserer zivilisierten Völker weit verbreitet.
... bin ueberhaupt nicht erstaunt. Zumal bei den oberen Schichten. Und wenn die Voelker zivilisiert sind, heisst das noch lange nicht, dass die oberen Schichten es auch sind.
mardas 14.09.2010
4. Dieses Gesicht...
Berlusconi sollte Comedian werden, aber bitte, bitte lass die Kirche im Dorf und hör auf mit dem Regieren! Ich muss jedes Mal über diesen Typen lachen, wenn wieder mal eine seiner Geschichten läuft, aber mal ehrlich: Vom Regieren kriegt man bei dem nie was mit. Der Mann ist wie jemand, der seine Machtposition für seine Liebesgeschichten und seine Comedy ausnutzen möchte...
besim 14.09.2010
5. Ein Trauerspiel
Zu Silvio Berlusconi nichts dämliches sagen zu wollen, weil er nun mal ein Regierungschef einer Nation ist, fällt schwer. Sein eh schon bescheidener Intellekt paart sich inzwischen äußerst ungut mit seiner übermäßig dahergejubelten, männlichen Potenz und seiner offensichtlich beginnenden Altersdemenz. Wir sollten froh sein, dass Italien keine Atomwaffen besitzt und seine immer häufiger auftretenden Ausfälle diplomatisch übersehen. Es hat durchaus Gründe, dass sich inzwischen kein ernstzunehmender Spitzenpolitiker mehr mit Berlusconi zeigen will, wenn es sich nicht wirklich vermeiden lässt.
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