Italien Berlusconi spricht von Wahlbetrug

Das Hickhack um die Parlamentswahl in Italien nimmt kein Ende: Silvio Berlusconi sieht sich um den Sieg betrogen und verheißt zu dieser Behauptung "viele Neuigkeiten". Einzelheiten nennt er jedoch nicht.


Rom - Die italienische Wahlkommission hat alle Vorwürfe über Unregelmäßigkeiten bei der Zählung von Stimmen aus dem Ausland zurückgewiesen. Es seien ebenso viele Stimmen angekommen, wie von den italienischen Botschaften im Ausland abgeschickt worden seien, sagte Claudio Fancelli, Chef der Abteilung für die Auszählung der Auslandsstimmen bei der Wahlkommission. Alle Sicherheitsmaßnahmen seien befolgt worden.

Wahlverlierer Berlusconi: "Das Ergebnis muss sich ändern"
AP

Wahlverlierer Berlusconi: "Das Ergebnis muss sich ändern"

Ein Vertreter von Berlusconis Partei Forza Italia hatte behauptet, die italienische Botschaft in der Schweiz habe nach eigenen Angaben 188.500 Stimmzettel nach Rom geschickt. Dort seien aber nur 150.000 Stimmen angekommen.

Nach einem Gespräch mit Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi sagte Berlusconi, dass Ergebnis der Parlamentswahl sei durch Wahlbetrug zustande gekommen. Damit bekräftigte er seinen Vorwurf über Unregelmäßigkeiten bei der Wahl.

"Es gibt so viele Neuigkeiten, so viele Machenschaften, ich bin zuversichtlich, dass sich das Ergebnis ändern muss", sagte der Geschlagene geheimnisvoll. Einzelheiten dazu, wie betrogen worden sei, nannte er allerdings nicht.

In Rom wurde heute die Überprüfung von 82.000 ungültigen Stimmzetteln angeordnet. Experten sollen entscheiden, ob diese tatsächlich ungültig sind oder einem der beiden politischen Lager zuerkannt werden müssen. Vor allem die Nachzählung der 43.000 ungültigen Stimmzettel  für das Abgeordnetenhaus könnte entscheidend sein: Prodis Allianz hat dort lediglich einen Vorsprung von 25.000 Voten.

Wahlgewinner Romano Prodi gibt sich unterdessen weiter siegesgewiss. Vor einer Überprüfung der ungültigen Stimmen habe er keine Angst. Berlusconi solle seine Niederlage endlich einsehen und abtreten. "Wir haben gewonnen, Berlusconi muss gehen", sagte der Anführer des Mitte-links-Bündnisses "Unione".

agö/AFP/reuters



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