Matteo Salvini Italiens gefährlichster Populist

Matteo Salvini mag Marine Le Pen, Wladimir Putin und Donald Trump. Er ist gegen den Euro, gegen Flüchtlinge und importierte Äpfel. Und er könnte Italiens nächster Regierung angehören.
Matteo Salvini

Matteo Salvini

Foto: © Alessandro Garofalo / Reuters/ REUTERS

Matteo Salvini, 44 Jahre alt, ist ein Mann der rüden Töne. Der Euro ist für den Italiener "ein Verbrechen gegen die Menschheit", die EU gehört "abgerissen" und manchen Journalisten gönnt er "Tritte in den Arsch". Doch bei Marine Le Pen, der Frontfrau des französischen Front National, wird er geradezu elegisch. "Ihr Charisma und die Eleganz ihrer Gesten", heißt es in seiner Autobiografie, "haben es mir angetan."

Die Zuneigung beruht offenbar auf Gegenseitigkeit. Bilder zeigen beide beim Tanzen, und die Anführerin der französischen Rechtspopulisten bekennt: "Matteo versetzt mich in Ekstase." Weil er so mutig sei und über eine "unglaubliche Energie" verfüge.

Mit dieser Energie hat er in den vergangenen Jahren seine Partei, die Lega Nord, von Grund auf verändert. Unter ihrem Gründer Umberto Bossi träumten die "Leghisti" von der Unabhängigkeit des fleißigen Nordens vom faulen Rest des Landes, tauften ihr mystisch-skurriles "freies Padanien" mit Wasser aus dem Fluss Po und zogen in bunten Kostümen und allerlei Klimbim an der Hand übers Land.

Kaum hatte er 2013 Bossi abgeräumt und beerbt, verpasste Salvini der Lega einen neuen Stil - und vor allem neue Feindbilder: Statt gegen "Roma Ladrona" - die "diebische" Hauptstadt Italiens - ging es fortan gegen Brüssel, Frankfurt und Berlin. Und vor allem gegen Flüchtlinge, die sich "illegal" ins Land schmuggeln und die armen Italiener "beklauen". Als jetzt der Wirt einer Osteria in einem norditalienischen Städtchen einen rumänischen Einbrecher erschoss, reiste Salvini schnurstracks an den Tatort, umarmte den Wirt und versicherte ganz Italien, er sei "immer bei denen, die sich verteidigen". Der Stammtisch jubelte.

Salvini kopiert einfach das Erfolgsmodell seiner französischen Freundin Le Pen. Zwar steht er, anders als das verehrte Vorbild, im Polit-Ranking noch nicht ganz oben. Aber er liegt doch schon gefährlich weit vorne - gefährlich für Europa.

Rechts hat Platz, links wird es eng

Drei von vier "Wenn heute Wahltag wäre"-Umfragen der vergangenen Tage und Wochen zeigen die 5-Sterne-Protestbewegung an der Spitze. Dahinter, durch die Abspaltung linker Gruppen etwas abgerutscht, kommen die Sozialdemokraten. Dann aber liegen mit zwölf bis 13 Prozent die Reste-Truppe von Silvio Berlusconis Forza Italia und die Lega von Salvini schon ziemlich gleichauf.

Für die regierenden Sozialdemokraten (PD) ist das eine missliche Lage. Auch wenn sie wieder zulegen, werden sie kaum mehr 40 Prozent holen. Die müssten sie aber haben, um nach dem derzeitigen Wahlrecht die Mehrheit der Mandate im Parlament zu bekommen. Sonst werden die Sitze proportional verteilt, und die nächste Regierung muss durch eine Koalition verschiedener Parteien gebildet werden. Da kämen auf der linken Seite für die PD eigentlich nur drei kleine Drei-Prozent-Parteien als Partner infrage. Auf der Gegenseite könnten sich die Populisten, Nationalisten und sonstigen Rechten leichter zur Regierung zusammenfinden: 5 Sterne, Lega, Forza und dazu die Postfaschisten kommen zusammen locker über 50 Prozent. Die Frage ist dann nur noch, ob sie sich einig werden.

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Zwischen dem 15. April und dem 15. Juni finden in über tausend italienischen Kommunen, darunter auch in großen Städten wie Genua, Parma oder Palermo, Wahlen statt. Das Ergebnis wird trotz aller lokalen Besonderheiten als Popularitätstest der Parteien gewertet. Wer mit wem auf nationaler Ebene zusammengehen will, wird sich dabei zwar noch nicht zeigen.

Führende Grillini (wie die Anhänger der Partei Fünf Sterne von Ex-Kabarettist Beppe Grillo in Italien heißen) haben intern längst über mögliche Koalitionen gesprochen. Ergebnis: nicht mit den Sozialdemokraten, gern mit der Lega von Salvini. Denn beider Gemeinsamkeiten sind groß. Und Berlusconi koaliert am Ende ohnehin mit jedem, der ihn und seine abgehalfterte Partei zur Mehrheitsfindung gebrauchen kann.

Der nackte männliche Oberkörper

Seit Berlusconi immer stiller und - trotz aller ärztlicher Kunst - erkennbar altert und schwächelt, wird Salvini mehr und mehr zur zentralen Figur im rechten Polit-Spektrum Italiens. Er kann gleichzeitig in Talkshows pöbeln und twittern, ihm liegen die Auftritte auf großen Plätzen ebenso wie die kleinen Menschentrauben, denen er sich zum Selfie andient.

Geschickt bedient Salvini die Ängste vieler Menschen, offeriert sich als starker Mann, der die "Invasion" der Fremden stoppt und wieder Ordnung ins Land bringt. Das Programm hat er von Marine Le Pen, die Attitüden übernimmt er von seinem erklärten Freund in Moskau, Wladimir Putin. Etwa die Präsentation des nackten männlichen Oberkörpers: Sich im Bett räkelnd zeigte er seine behaarte Brust in einer Boulevard-Illustrierten - mal mit, mal ohne Krawatte um den Hals. Der Binder ist natürlich grün, das ist die Farbe der Lega.

Neuerdings hat er noch einen Seelenverwandten: Donald Trump. Dessen Wahl zum US-Präsidenten bejubelte Salvini als "Hiebe gegen die Globalisierung", als Zeichen "der Rache des Volkes, des Mutes, des Stolzes" und als Schlag "in die Gesichter der Bänker, Spekulanten, Sänger, Journalisten und Meinungsforscher".

Auch das verbindet den Lega-Vormann mit dem Sterne-Guru. Wie Salvini befiel Grillo eine geradezu biblische Freude über die "Apokalypse" für "das Fernsehen, die großen Zeitungen, die Intellektuellen, die Journalisten", die der Trump-Sieg für all diese Feinde des Volkes bedeute. Ähnlich wie in den USA, prophezeit er, werde auch in Italien mit den nächsten Wahlen "eine neue Zeit anbrechen".

Es darf sich schon einmal gefürchtet werden - nicht nur unter uns Journalisten.

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