Italien Gericht stellt Haftbefehl gegen 13 CIA-Agenten aus

Ihnen wird vorgeworfen, einen islamischen Terrorverdächtigen aus Italien nach Ägypten verschleppt zu haben. Ein italienisches Gericht hat nun Haftbefehl gegen 13 mutmaßliche US-Geheimdienstagenten erlassen.


Rom - Die 13 für CIA-Agenten gehaltene Personen hatten den islamischen Geistlichen Osama Moustafa Hassan Nasr vor anderthalb Jahren nach Ägypten entführt. Am 17. Februar 2003 war er in Mailand auf dem Weg zum Mittagsgebet in einer Moschee, als zwei Kidnapper ihn auf offener Straße angriffen. Sie sprühten Chemikalien in sein Gesicht und verfrachteten ihn in einen weißen Transporter.

Der Mailänder Staatsanwaltschaft zufolge wurde Nasr vom US-Luftwaffenstützpunkt in Aviano zunächst nach Ramstein und dann nach Ägypten gebracht. Dort sei er offenbar während seiner Haft misshandelt worden. Aus medizinischen Gründen sei er 2004 kurz freigelassen worden. In einem den Gerichtsakten beiliegenden Abhörprotokoll eines Telefonates sagte Nasr während dieser Zeit: "Ich kann immer noch nicht mehr als 200 Meter laufen. Ich muss immer sitzen. Ich habe Kontinenz-Probleme, Nieren(-Probleme), hohen Blutdruck."

Im Mai 2004 wurde er den der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Unterlagen zufolge wieder festgenommen. Es war nicht klar, ob er Nasr sich noch in ägyptischer Haft befindet.

Nach einem Bericht des "Wall Street Journals" vom März diesen Jahres vermuteten die italienischen Ermittler, dass der Ägypter Ziel einer von der CIA gelenkten Aktion war mit dem Ziel, den Terror-Verdächtigen in ein Land zu bringen, in dem Folter praktiziert wird. Die US-Botschaft in Rom und die CIA in Washington lehnten eine Stellungnahme bisher ab.

Der Fall des Ägypters ist einer von offiziell drei Fällen in Westeuropa, in denen Verdächtige gegen ihren Willen in andere Länder gebracht werden, um dort unter Bedingungen verhört zu werden, die im Aufenthaltsland nicht erlaubt sind. Neben Italien wird in Schweden und Deutschland untersucht, ob US-Geheimdienstagenten örtliches Recht gebrochen haben, indem sie Terrorverdächtige festsetzten.

In Deutschland ist der Fall von Khaled al-Masri bekannt, der während eines Urlaubs auf dem Balkan aufgegriffen und im Januar 2004 nach Kabul gebracht wurde. Dort wurde er als mutmaßlicher Terrorist vier Monate lang gefangen gehalten. Als seine Wächter bemerkten, dass er kein al-Qaida-Sympathisant war, flog man ihn nach eigenen Angaben wieder zurück auf den Balkan und ließ ihn an der albanischen Grenze frei.

Deutsche Ermittler verifizierten die Aussagen Masris und ermitteln in Sachen Entführung.



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