Italien Hausarrest für Ex-Bürgermeister von Riace aufgehoben

Domenico Lucano galt als Vorreiter für Integration, dann wurde er festgenommen wegen "Begünstigung illegaler Einwanderung". Sein Hausarrest wird nun ausgesetzt - aber das Dorf, in dem er gewirkt hat, muss er verlassen.

Domenico Lucano
MARCO COSTANTINO/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Domenico Lucano


Der mittlerweile suspendierte Bürgermeister des italienischen Dorfs Riace, Domenico "Mimmo" Lucano, soll nicht länger unter Hausarrest stehen. Er müsse aber seinen Wohn- und Wirkungsort in Süditalien verlassen, entschied ein italienisches Berufungsgericht laut der Nachrichtenagentur Ansa.

Lucano hatte in seinem Dorf Hunderte Migranten aufgenommen. Riace war, wie fast alle Dörfer in der strukturschwachen Region, dem Untergang geweiht. Von einst 3000 Einwohnern waren lediglich 800 verblieben. Die Flüchtlinge bekamen eine Wohnung in den leerstehenden Häusern, Ausbildung und Betreuung. Im Gegenzug renovierten sie die verfallenen Häuser, brachten die verwilderten Weinberge und Olivenhaine wieder in Schuss. Riace galt deshalb international als Symbol für Toleranz.

Anfang Oktober wurde Lucano allerdings festgenommen: Ihm wird Begünstigung illegaler Einwanderung vorgeworfen. Die Ermittler verdächtigen ihn unter anderem, zusammen mit seiner Partnerin Scheinehen von Migranten mit Einwohnern organisiert zu haben. Die Ermittlungen dauern an. Zuvor hatte Lucano gesagt, er habe vor, ungeachtet der Entscheidungen von Regierung oder Gerichten weiter Migranten in seinem Ort aufzunehmen.

Nicht nur wegen der Festnahme Lucanos sorgte der Fall für Empörung. Kritisiert wurde auch, dass der rechtspopulistische Innenminister Matteo Salvini alle Migranten aus dem Dorf umsiedeln will. Sogar in Dresden gingen deshalb am Dienstag Menschen auf die Straße. Die Migranten sollen nach Angaben des Innenministeriums in andere Flüchtlingsunterkünfte im Land gebracht werden. Laut italienischen Medien wohnen rund 200 Einwanderer in dem kleinen Ort in Kalabrien.

sth/dpa



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