Ermittlungen gegen Lebensgefährten Italiens Industrieministerin Guidi tritt zurück

Abgehörte Telefonate brachten sie in Bedrängnis - jetzt gibt Federica Guidi ihr Amt ab. Die italienische Ministerin soll ihren Partner vorab über Regierungsentscheidungen informiert haben.

Politikerin Guidi
Bloomberg via Getty Images

Politikerin Guidi


Italiens Premier Matteo Renzi verliert ein weiteres Mitglied seines Kabinetts. Die Ministerin für wirtschaftliche Entwicklung, Federica Guidi, ist wegen Ermittlungen gegen ihren Lebensgefährten zurückgetreten. Sie gebe ihr Amt auf, um weiteren Schaden von der Regierung abzuwenden, erklärte sie. Zugleich versicherte sie aber, nichts Unrechtes getan zu haben.

Guidis Lebensgefährte Gianluca Gemelli wird verdächtigt, seine Beziehung zu der Politikerin missbraucht zu haben, um Aufträge für seine Firma zu erhalten. Laut Berichten italienischer Medien schnitten die Ermittler ein Gespräch zwischen der Ministerin und ihrem Lebensgefährten mit. Darin versicherte sie ihm, das Kabinett werde das Haushaltsgesetz für 2015 so ändern, wie er dies angeregt hatte.

Die Ermittler verdächtigen Gemelli, im Auftrag des französischen Energiekonzerns Total gehandelt zu haben. Das Unternehmen soll im Gegenzug versprochen haben, Gemellis Firma bei der Vergabe von Aufträgen bei einer Ölanlage in Süditalien zu berücksichtigen.

Der Rücktritt der Ministerin ist ein Rückschlag für Renzi, der seine Regierung als unbefleckt von der notorischen Korruption und Vetternwirtschaft in Italien darzustellen versucht. Vor einem Jahr war bereits Verkehrsminister Maurizio Lupi zurückgetreten. Auch ihm wurden Interessenkonflikte vorgehalten, und zwar im Zusammenhang mit der Verteilung öffentlicher Aufträge.

Die Vorwürfe gegen Guidis Partner gelangten im Zuge von Ermittlungen zu einem Skandal um die illegale Entsorgung von Abfällen einer Ölanlage in Süditalien ans Licht. Der Energiekonzern ENI betreibt die Anlage in Val d'Agri in der Region Basilicata. Das Unternehmen setzte am Donnerstag die Produktion in der Fabrik nach der Festnahme von sechs Angestellten aus. Sie werden verdächtigt, gefährliche Abfälle als harmlos deklariert zu haben, um sie einfacher entsorgen zu können.

kev/AFP/Reuters



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