Italien Kampfansage an Berlusconi

Italien droht ein heißer Herbst. Während Staatsanwälte und Untersuchungskommissionen noch den blutigen G-8-Gipfel in Genua aufarbeiten, rüsten Antiglobalisierungsgruppen und Polizei für die nächsten Zusammentreffen.


Silvio Berlusconi bei seiner Vereidigung im Juni in Rom
AP

Silvio Berlusconi bei seiner Vereidigung im Juni in Rom

Schon wenn sich Ende September die Verteidigungsminister der 19 Nato-Länder zum Jahrestreffen in Neapel einfinden, könnte es gewalttätigen Protest geben. "Wir werden präsent sein", kündigten Sprecher der Globalisierungsgegner an, "im September beginnt unsere neue Kampfphase." Gar zu einem "neuen Genua", fürchtet Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, könnte insbesondere der für Anfang November angesetzte Welternährungsgipfel der Uno in Rom werden, weshalb der Premier die Veranstaltung am liebsten "nach Afrika" verlegen möchte.

Zusätzlich aufgeheizt wird das Herbstklima durch forsche Gesetzesvorhaben der regierenden Rechtsallianz. Die beinharte Ausländer- und Drogenpolitik bringt Schüler und Studenten, aber auch Kirchengruppen auf. Gegen die Schulreform wollen die Lehrer auf die Straße gehen, dem Gesundheitsministerium drohen 230.000 Krankenschwestern mit Widerstand. Und die mächtige linke Gewerkschaft CGIL bereitet im Kampf um neue Tarifverträge für mehr als drei Millionen Beschäftigte Streiks und Massenproteste vor. Schon denken Sprecher der Anti-Global-Front an gemeinsame Aktionen mit ihnen.

Dass sich noch andere Kräfte anschließen wollen, behaupten italienische Geheimdienste: Reste der "Roten Brigaden", die vor allem in den siebziger Jahren das Land mit Polit-Attentaten in Atem hielten, planen mit Nachfolger-Zirkeln ein spektakuläres Coming-out, um Berlusconi einzuheizen.



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