Unklare Nachfolge Italiens Präsident Napolitano tritt zurück

Italiens Präsident Napolitano hat sein Amt aufgegeben. Als Grund nannte der 89-Jährige sein hohes Alter, die Pflichten seien zu "komplex und anspruchsvoll". Nun muss Premier Renzi sich um eine geeignete Nachfolge kümmern.

Italiens Präsident Napolitano: Fühlt sich körperlich angeschlagen
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Italiens Präsident Napolitano: Fühlt sich körperlich angeschlagen


Rom - Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano ist zurückgetreten. Das teilte der Präsidentenpalast am Mittwoch in Rom mit. Bereits am Dienstag hatte Premierminister Matteo Renzi erklärt, Napolitano werde seinen bereits vor dem Jahreswechsel angekündigten Rücktritt in den "kommenden Stunden" vollziehen. Mit 89 Jahren fühle sich Italiens Präsident körperlich nicht mehr in der Lage, das höchste Amt im Staat auszuüben. Bis ein neues Staatsoberhaupt gefunden ist, übernimmt Senatspräsident Pietro Grasso die Funktion

In seiner Neujahrsansprache hatte Napolitano erklärt, er suche noch nach einem passenden Termin. Bereits seit Monaten gab es Gerüchte und Andeutungen, dass der Staatschef sein Amt räumen werde. "Ich habe ein Alter erreicht, das mir zunehmend Grenzen auferlegt und Schwierigkeiten bereitet, meinen institutionellen Verpflichtungen nachzukommen, die sehr komplex und anspruchsvoll sind", sagte Napolitano damals.

Nun muss Renzi einen geeigneten Kandidaten finden und diesen durch den schwierigen Nominierungsprozess leiten. Bislang gibt es keinen Favoriten für die Nachfolge. Sollte Renzi daran scheitern, einen Kandidaten ins höchste Amt zu heben, könnte das Zweifel an seiner Fähigkeit aufkommen lassen, anstehende Wirtschaftsreformen und Änderungen des Wahlrechts umzusetzen.

Bundespräsident Joachim Gauck hat Napolitano unterdessen in einem Telegramm als großen Europäer gewürdigt. Gauck schrieb an Napolitano: "Sie haben das politische Leben Italiens und Europas mit Weisheit und Weitsicht geprägt." Napolitano habe den Reformprozess Italiens stets mit Nachdruck unterstützt. Zudem habe er sich für die Vergangenheitsbewältigung eingesetzt: ""Wirkliche Aussöhnung zwischen Italienern und Deutschen durch gemeinsames Erinnern und Aufarbeitung auch der schwierigen Kapitel unserer langen gemeinsamen Geschichte ist Ihnen erkennbar ein tiefes persönliches Anliegen", schrieb Gauck, den ein herzliches Verhältnis mit Napolitano verbindet.

vek/dpa/Reuters



insgesamt 3 Beiträge
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monolithos 14.01.2015
1. Hauptsache nicht Berlusconi
Herrn Napolitano wünsche ich einen angenehmen Ruhestand. Es gibt über 60 Millionen Italiener, da wird doch ein passender Nachfolger zu finden sein, zumal - von der Mafia abgesehen - fast jeder Italiener besser ist als Berlusconi.
tiger56 14.01.2015
2. Lieber Kollege Nr 1
dem stimme ich zu...nur wenn die Italiener diese narzisstische Person solange hat regieren lassen...ist sie ggf. auf Entzug. Man bedenke zudem das die in Rom lebenden Päpste meist auch bis zum Umfallen arbeiten. Ein Modell das auch etwas charmantes hat. Es erlaubt bis zum Ende von dem selbsterwirtschaften Geld zu leben, das entlastet die jüngere Generation..während wir was zum Lachen haben.. ; 0)))))
dr.schmockbach 14.01.2015
3. bis zum umfallen hat dieser Mann seine Pflicht getan
komisch ist nur : Herr Napolitano ist Kommunist ? Das zeigt, wie bei Peppone ( Gegenpart von Camillo ), Volksnähe und die Sprache des Volkes ist wie das persönliche Gespräch immer noch die beste Software, unabhängig von jeder Parteizugehörigkeit.
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