Italien Prodi will raschen Truppenabzug aus dem Irak

Der neue italienische Ministerpräsident Prodi will die rund 3000 Soldaten seines Landes möglichst schnell aus dem Irak abziehen. Der Irakkrieg sei ein "schwerer Fehler" gewesen, sagte Prodi in seiner Regierungserklärung.


Rom - Er werde dem Parlament vorschlagen, in Konsultation mit den Alliierten die Soldaten zurückzuholen, sagte Romano Prodi heute vor dem Senat. Einen konkreten Termin nannte er nicht. Mit allen Seiten müsse ein "technischer Zeitplan" vereinbart werden. Der Krieg im Irak sei ein "schwerer Irrtum" gewesen, weil er das Problem der Sicherheit nicht gelöst, sondern noch verschärft habe. In seiner ersten Rede als Regierungschef sagte Prodi, durch den Krieg habe der Terrorismus eine neue Basis und neue Ausreden für Terror-Akte nach innen und außen gefunden.

Italienischer Soldat im Irak: In Kürze erfolgt der Rückzugsbefehl aus Rom
REUTERS

Italienischer Soldat im Irak: In Kürze erfolgt der Rückzugsbefehl aus Rom

Prodi erklärte, Italien werde dennoch weiterhin "an der Frontlinie" gegen den Terror kämpfen. Das Land werde sich unter seiner Regierung an Anti-Terror-Operationen beteiligen, wenn es für diese ein internationales Mandat, etwa der Vereinten Nationen, gebe. "Wir sind überzeugte Teilnehmer im Kampf gegen den Terror, auch militärisch, wenn dieser von einer internationalen Organisation legitimiert ist, zu der wir gehören", sagte Prodi.

Als Oppositionsführer war Prodi stets ein überzeugter Gegner des Irak-Kriegs. Im Wahlkampf hatte er immer wieder betont, Italiens Truppen "so bald wie möglich" aus dem Irak abziehen zu wollen. Die Regierung des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hatte angekündigt, die rund 3000 italienischen Soldaten bis Jahresende abzuziehen. Jetzt wurde Prodi bei seiner Ankündigung im Senat von den Abgeordneten der Mitte-rechts-Opposition niedergeschrien.

Prodi und seine Regierung waren gestern vereidigt worden. Am Freitag steht im Senat eine Vertrauensabstimmung an. Die neue Regierung verfügt in dieser Parlamentskammer lediglich über eine knappe Mehrheit.

ler/phw/Reuters/dpa/AP



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