Italien und Griechenland Alle Macht für die Technokraten

Erst Griechenland, jetzt Italien: Bei den Sorgenkindern der Euro-Zone sollen so genannte Experten-Regierungen übernehmen. In Rom und Athen wird ihnen eher zugetraut, notwendige Reformen durchzusetzen als den Berufspolitikern. Doch die Macht der Technokraten ist zeitlich begrenzt.

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Hamburg - Kurz nachdem er den Auftrag zur Kabinettsbildung entgegen nahm, sagte Griechenlands neuer Regierungschef: "Ich bin kein Politiker." Er habe sich zwar Finanzthemen gekümmert, sei jedoch kein Berufspolitiker, lautete die Botschaft von Loukas Papademos.

In Italien hatten kurz zuvor Unternehmer per Zeitungsanzeigen ("Politiker, die Zeit ist abgelaufen!") und in offenen Briefen eine ähnliche Lösung wie in Griechenland gefordert: Experten statt Politiker sollen die Geschicke des Landes bestimmen. Offenbar mit Erfolg: Nun muss auch in Rom, ähnlich wie in Athen, ein Kabinett von Technokraten das schaffen, was die Mehrheitsregierungen nicht bewerkstelligten: Die Finanzmärkte beruhigen, echte Reformen durchsetzen, die Wirtschaft ankurbeln und vor allem: sparen.

In Griechenland wird von einer "Expertenregierung" gesprochen, in Italien vom "governo tecnico", der Regierung der Technokraten. Das wirft Fragen auf: Wenn jetzt Experten übernehmen, wer war dann zuvor am Ruder? Können Finanzexperten ein Volk wirklich mitnehmen, wenn es sich so wie in Griechenland beharrlich gegen Einsparungen auflehnt?

Und was ist ein Technokrat? Man kann es so beschreiben: Ein parteiloser Experte, der die beiden Euro-Krisen-Länder vor dem Bankrott retten soll, nachdem es die Berufspolitiker nicht hinbekommen haben. Technokratie ist eine "Herrschaft der Sachverständigen" (téchne altgriechisch Fertigkeit und kratos 'Herrschaft'), eine Chance abseits von Parteiengezänk und Machtstreitereien, die für die Staaten dringend benötigten Schritte endlich einzuleiten.



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localpatriot 12.11.2011
1. Failed democracies?
Zitat von sysopErst Griechenland, jetzt Italien: Bei den Sorgenkindern der Euro-Zone sollen so genannte*Experten-Regierungen übernehmen.*In*Rom und Athen wird ihnen eher zugetraut, notwendige Reformen*durchzusetzen als den Berufspolitikern. Doch die Macht der Technokraten ist zeitlich begrenzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,797304,00.html
Finanziell haben die griechischen und italienischen Demokratien zweifelsohne versagt. Technokraten sind auf jeden Fall Loesungen wie seinerzeit der Duce oder griechischen Militaers vorzuziehen. Man muss hoffen dass die 'Berufspolitiker' diese Regierungen nicht hinterlistig sabotieren. Denn die naechste Loesung waere dann die Obige.
artusdanielhoerfeld 12.11.2011
2. Desinformation
Technokraten? Reichsverweser trifft es wohl eher, wenn ein Gesandter der postdemokratischen Plutokratie die Bevölkerung der EU-Protektorate knechtet. Erst werden die Länder für unsere Exportindustrie in die Schuldenfalle gelockt, und wenn sie Pleite sind, wird die staatliche Souveränität ausgehöhlt. Wer als Deutscher glaubt, hierbei auf der sicheren Seite zu sein, täuscht sich schwer, denn wir sind bereits mit Hartz-IV und ständig sinkendem Lohnniveau zur Raison gebracht worden.
widder58 12.11.2011
3. Der Vollwitz
Zitat von sysopErst Griechenland, jetzt Italien: Bei den Sorgenkindern der Euro-Zone sollen so genannte*Experten-Regierungen übernehmen.*In*Rom und Athen wird ihnen eher zugetraut, notwendige Reformen*durchzusetzen als den Berufspolitikern. Doch die Macht der Technokraten ist zeitlich begrenzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,797304,00.html
... und das ist auch gut so. Die Banker haben den Karren doch in den Dreck gefahren. Ein Vollwitz, das ausgerechnet diese Rechenkünstler den Laden flott machen sollen. Aber denen werden schon ein paar Tricks einfallen - einfach alles hebeln, strecken, Zertifikate, Derivate, leerverkaufen, ausverkaufen und ein paar neue Finanzprodukte der Weltplünderungsmafia - dann klappts auch mit dem Nachbarn.
Plumplori 12.11.2011
4. Wessen Interessen werden vertreten?
Die Politik muss sich entscheiden wessen Interessen sie vertritt: Die des Staates und damit der Bürger und des Fortbestandes des Staates oder die des derzeitigen Wirtschaftssystems. Das Wirtschaftssystem ist ruinös und in seiner jetzigen Form zum Scheitern verurteilt. Der Fortbestand des Staates kann nur funktionieren, wenn wir unser Handeln ändern; Handeln sowohl im Sinne von Kaufen und Verkaufen als auch im Sinne von leben respektive unserer Lebensweise. Politik oder Politiker, die das nicht wahrhaben wollen, gehören entmachtet. Denn sie verstoßen gegen ihren vefassungsmäßigen Auftrag als Volksvertreter und Staatsverwalter. peace ps.: Wie können Technokraten die Interessen des Griechischen Volkes vertreten. Sie können Griechenland höchstens im Sinne von Brüssel verwalten wie eine Besatzungsmacht. Das kann nicht gut gehen.
kat7 12.11.2011
5. Ja...
alle macht den Globalisten der Trilateralen Comission, welches Land ist als nächstes dran?
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