"Alan Kurdi" Italien wälzt Verantwortung für deutsches Rettungsschiff auf Berlin ab

Das Rettungsschiff "Alan Kurdi" hat im Mittelmeer 64 Menschen gerettet - einen italienischen Hafen darf es nicht anlaufen. Innenminister Salvini forderte Deutschland auf, "die Angelegenheit zu klären".

Retter von Sea-Eye nehmen im Mittelmeer libysche Flüchtlinge auf
AP

Retter von Sea-Eye nehmen im Mittelmeer libysche Flüchtlinge auf


"Der Alan Kurdi steht eine Odyssee unbekannter Dauer hervor": Mit diesem Hilferuf wandte sich die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye an die Öffentlichkeit, nachdem das von ihr betriebene Rettungsschiff "Alan Kurdi" im Mittelmeer 64 Menschen aus einem Schlauchboot gerettet hatte. Wie erwartet lehnt Italien die Aufnahme der libyschen Flüchtlinge ab und warnte die "Alan Kurdi" davor, in italienische Hoheitsgewässer zu fahren.

Die italienische Regierung hat Deutschland aufgefordert, die Verantwortung für das unter deutscher Flagge fahrende Schiff zu übernehmen. In einem Brief an den deutschen Botschafter schrieb der italienische Außenminister Enzo Moavero Milanesi, eine Zuwiderhandlung der "Alan Kurdi" gefährde die nationale Sicherheit.

Innenminister Matteo Salvini sagte am Rande des Innenministertreffens der G7-Staaten in Paris: "Ich habe dem deutschen Innenminister gesagt, wenn es sich um ein deutsches Schiff handelt, solle er eingreifen und die Angelegenheit klären."

Das Schiff hatte zunächst Kurs auf die italienische Insel Lampedusa genommen. Die Einsatzleitung stehe in engem Kontakt zum Auswärtigen Amt in Berlin, teilte Sea-Eye mit. An Bord des Schiffes seien unter anderem zwölf Frauen, ein Kind und ein Baby. Neben Italien hat auch Malta das Anlegen des Schiffes abgelehnt.

Immer wieder müssen Rettungsschiffe mit Flüchtlingen im Mittelmeer warten, bevor sie einen Hafen ansteuern können. Im vergangenen Sommer sorgte unter anderem die von Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée betriebene "Aquarius" für Schlagzeilen, als sie mit mehr als 600 Menschen an Bord auf See bleiben musste. Mittlerweile hat das Schiff seinen Einsatz im Mittelmeer beendet.

Die "Alan Kurdi" ist nach dem Jungen benannt, dessen Leiche im September 2015 an einem türkischen Strand angespült worden war. Das Foto ging um die Welt. Das Schiff ist seit Ende 2018 für Sea-Eye im Einsatz. Die Organisation hat nach eigenen Angaben seit 2016 in rund 60 Einsätzen mehr als 14.000 Flüchtlinge vor dem Ertrinken gerettet.

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mmm/dpa

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