Todesschüsse in Indien Italiens Außenminister tritt wegen Piraten-Affäre zurück

Giulio Terzi gibt sein Amt als Italiens Außenminister auf. Der Politiker reagierte auf die Entscheidung seiner Regierung, zwei italienische Soldaten für einen Prozess nach Indien zu schicken. Die Männer hatten dort 2012 zwei Fischer erschossen, die sie für Piraten hielten.
Italienischer Politiker Terzi: "Ich kann dieser Regierung nicht länger angehören"

Italienischer Politiker Terzi: "Ich kann dieser Regierung nicht länger angehören"

Foto: ? Darrin Zammit Lupi / Reuters/ REUTERS

Rom - Der Vorfall liegt schon mehr als ein Jahr zurück - entfaltet aber erst jetzt seine volle diplomatische Wucht. Wegen des Prozesses gegen zwei italienische Soldaten, denen in Indien der Mord an zwei Fischern zur Last gelegt wird, hat Italiens Außenminister Giulio Terzi seinen Rücktritt angekündigt.

Er sei gegen die Entscheidung der Regierung unter Mario Monti gewesen, die beiden Soldaten nach Indien zurückkehren zu lassen, sagte Terzi am Dienstag in Rom zur Begründung. "Ich kann dieser Regierung nicht länger angehören", erklärte er im Parlament. Seine Bedenken hätten keinerlei Beachtung gefunden, so Terzi weiter.

Noch-Premier Monti erklärte, er sei von der Entscheidung seines Kollegen "völlig überrascht" gewesen. Über einen Rücktritt sei vorher nicht gesprochen worden.

Die beiden Soldaten waren am vergangenen Freitag nach langem diplomatischen Streit mit einer Militärmaschine in Neu-Delhi eingetroffen. Begleitet wurden sie nach Angaben der italienischen Botschaft vom italienischen Vize-Außenminister Staffan de Mistura.

Einen Tag zuvor hatte die italienische Regierung erklärt, dass die Marinesoldaten für den Prozess gegen sie nach Indien zurückkehren würden. Ihre Ausreise wurde nach italienischen Angaben möglich, nachdem Indien zugesichert hatte, dass den Soldaten nicht die Todesstrafe drohe.

Den Männern wird vorgeworfen, im Februar vergangenen Jahres zwei Fischer vor der Küste von Kerala im Südwesten Indiens getötet zu haben, als sie einen italienischen Öltanker bewachten. Nach eigener Aussage hielten sie die Fischer für Piraten.

Heimaturlaub zur Parlamentswahl

Den Soldaten war im Februar erlaubt worden, zur Teilnahme an den Parlamentswahlen für einen Monat in ihre Heimat zurückzukehren. Italiens Botschafter Daniele Mancini garantierte dafür, dass sie bis zum 22. März nach Indien zurückkehren. Später teilte die italienische Regierung mit, dass die Soldaten nicht nach Indien zurückkommen würden. Aus ihrer Sicht ist die indische Justiz nicht zuständig, weil der Vorfall sich in internationalen Gewässern ereignet habe.

Der Fall hatte in den vergangenen Wochen zu schweren diplomatischen Auseinandersetzungen zwischen Italien und Indien geführt. Der Oberste Gerichtshof Indiens forderte den italienischen Botschafter auf, das Land nicht zu verlassen. Außerdem stellte das Gericht fest, Mancini genieße in Indien keine diplomatische Immunität mehr. Die indische Regierung drohte mit "Konsequenzen", falls die Soldaten nicht bis zum 22. März wieder im Land seien.

jok/dpa/Reuters/AP
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