Italiens neues Kabinett Napolitano vereidigt Renzis Ministerriege

Sehr weiblich, sehr jung: Staatspräsident Napolitano vereidigte in Rom die Ministerriege von Matteo Renzi - in der es so viele Frauen wie in keiner italienischen Regierung zuvor gibt. Renzi ist der jüngste Regierungschef der italienischen Republik.

AFP

Rom - Gleich mehrere Rekorde wurden bei der Vereidigung der italienischen Regierung aufgestellt: Zum einen hat der 39-jährige Matteo Renzi sein Amt als jüngster Regierungschef der italienischen Republik angetreten, zum anderen besteht seine 16-köpfige Ministerriege aus acht Frauen. So weiblich war die italienische Regierung noch nie.

Die Vereidigung wurde am Samstagvormittag in einer feierlichen Zeremonie durch Staatsoberhaupt Giorgio Napolitano vollzogen. Den wichtigen Posten des Wirtschaftsministers übernimmt der linke Technokrat und OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan, der konservative Angelino Alfano bleibt Minister des Inneren.

Die vielleicht spannendste Personalie: Außenministerin wird Federica Mogherini - mit 40 Jahren die ebenfalls jüngste Person auf diesem Posten seit Beginn der italienischen Republik. Laut Medienberichten wollte Napolitano den diplomatischen Spitzenposten auch künftig am liebsten mit Amtsinhaberin Emma Bonino besetzt sehen, doch letztlich setzte sich Renzi durch.

Vor seiner Amtseinführung hatte Renzi bekanntgegeben, das EU-Krisenland grundlegend zu reformieren. Der Chef der größten Regierungspartei PD (Partito Democratico) gilt als rascher und unideologischer Vollstrecker.

Ungewöhnlich schnell vereinbarte der Jurist und bisherige Bürgermeister von Florenz ein Regierungsprogramm und Personalfragen mit den Koalitionspartnern. Schon bis Ende Februar stehen Reformen des Wahlrechts und der Institutionen auf seiner Agenda, im März die Reform des Arbeitsmarkts, im April die Umstrukturierung der Verwaltung und im Mai eine Steuerreform.

Ein besonderes Augenmerk galt Renzis Wahl des Wirtschaftsministers. Denn dieser dürfte als wesentliches Anliegen des Regierungschefs die Lockerung der EU-Sparpolitik verfolgen.

Die Frauen in Renzis Kabinett:

  • Außenpolitik: Federica Mogherini
  • Verteidigung: Roberta Pinotti
  • Wirtschaft: Federica Guidi
  • Bildung: Stefania Giannini
  • Gesundheit: Beatrice Lorenzin
  • Ministerium für Beziehungen zum Parlament: Maria Elena Boschi
  • Öffentliche Verwaltung: Marianna Madia
  • Regionale Angelegenheiten: Maria Carmela Lanzetta

Die Männer in Renzis Kabinett:

  • Justiz: Andrea Orlando
  • Landwirtschaft: Maurizio Martina
  • Umwelt: Gianluca Galletti
  • Verkehr: Maurizio Lupi
  • Arbeit und Soziales: Giuliano Poletti
  • Kultur: Dario Franceschini
  • Finanzen: Pier Carlo Padoan
  • Inneres: Angelino Alfano

cbu/dpa



insgesamt 16 Beiträge
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willi2007 22.02.2014
1. Frauenquote
Es ist gut, dass der neue italienische Ministerpräsident sein Kabinett zur Hälfte mit Frauen besetzt. Schade finde ich, dass dies überhaupt noch eine Schlagzeile wert ist. Dies sollte in Staaten, in denen die Gleichberechtigung gilt, eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Vielleicht wird ja auch bald in Italien oder Deutschland der Posten des Staatspräsidenten bzw. Bundespräsidenten von einer Frau besetzt. Ob Matteo Renzo mit seinen Reformplänen Erfolg haben wird, bleibt angesichts der verkrusteten Strukturen Italiens insbesondere auch in der Verwaltung fraglich. Wenn es ihm aber gelingt, mehr soziale Gerechtigkeit herzustellen, könnte er Erfolg haben. Das A und O wird die Gesundung der Wirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen sein. Da hier vielleich nur neue und eher unkonventionelle Wege weiterhelfen, könnte Renzi der richtige Mann zur richtigen Zeit.
snafu-d 22.02.2014
2. optional
Das Konzept "Kinder an die Macht" ist ja in D mit der FDP krachend gescheitert. Bleibt zu hoffen, dass die Italiener das besser hinbekommen.
retronoerd 22.02.2014
3. Das sieht schon ganz gut aus.
Ich sehe da auf dem Bild viele Leute, die sich durch den Bruch mit der alten elitären Polit-Kastenkultur auch im Volk Respekt erworben haben. Ebenso sehr intelligent, das Innenministerium mit dem Oppositionellen (Mitterechts) zu besetzen, der Berlusconi die Stirn bot und den Stiefel konsequent durchgezogen hat. Das sind zumindest gute Voraussetzungen für Kompetenz und Stabilität. Hoffentlich straft mich die Zukunft nicht Lügen.
al-rashida 22.02.2014
4. welchen
welchen parteien gehören denn diese ministerinnen und minister an, und wer von denen ist parteilos? diese wichtige info sollte spon bitte noch bringen!
ichbinschlau 22.02.2014
5. Die schlaflosen Nächte
von Mutti beginnen. Nicht sparen, sonder investieren lautet ab heute die Devise in Italien.
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