Künftige First Lady Lieber Ivanka als Melania

Ivanka Trump wird wohl nicht nur die mächtigste Präsidententochter der US-Geschichte - sie könnte auch ihrer Stiefmutter Melania die Rolle als First Lady abnehmen. Die Indizien häufen sich.


Im Weißen Haus sind Räume und Rollen eigentlich klar verteilt. Im West Wing sitzen der Präsident und seine engsten Mitarbeiter, hier liegen das sagenumwobene Oval Office und der Situation Room. Am anderen Ende des Gebäudes, im deutlich kleineren East Wing, bezieht die First Lady mit ihren Mitarbeitern Quartier.

Mit einem Präsidenten namens Donald Trump, der sich bekanntlich um Konventionen nicht schert, dürfte auch diese Tradition kippen. Gattin Melania zieht vorerst nicht ins Weiße Haus, und statt des üblichen "Office of the First Lady" soll im Ostflügel jetzt ein "Office of the First Family" entstehen, berichtet CNN. Tochter Ivanka soll gar überlegen, ob sie nicht doch gleich ein Büro im Westflügel bezieht - ganz nah an der Macht.

Wie nah und in welcher Position Donald Trumps Tochter nach Amtsantritt an den Präsidenten heranrückt, darüber wird viel spekuliert in diesen Tagen. Dass Ivanka und ihr Ehemann Jared Kushner wichtige Berater des Präsidenten werden, scheint sicher. Jetzt deutet sich darüber hinaus an, dass Ivanka womöglich auch noch die gesellschaftlichen Funktionen der First Lady übernimmt.

Die 35-jährige Tochter könne "die mächtigste First Lady aller Zeiten" werden, befand die Autorin Kate Andersen Brower am Freitag in der "Washington Post". Brower studiert die Geschichte von Amerikas Präsidentenfamilien. Zumindest in den Monaten, in denen Trumps Ehefrau Melania mit Sohn Barron in New York bleibt, könnte Ivanka Staatsgäste empfangen, Reden halten, den Präsidenten vertreten. Und womöglich noch viel länger.

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White House Style: Die Geschäftsmacht von Ivanka Trump

Die Rollen im Trump-Clan sortieren sich

Denn die Rollen im Trump-Clan sortieren sich: Melania bleibt Mutter in New York, mindestens bis das Schuljahr beendet ist. Die Söhne Donald Jr. und Eric werden das Geschäft übernehmen, so kündigte es der Vater diese Woche an. Ivanka und ihr Ehemann Jared Kushner bleiben Berater - nur ihre offiziellen Positionen sind nicht geklärt.

Schließlich gibt es auch rechtliche Hürden wie das Anti-Vetternwirtschaftsgesetz, das es dem Präsidenten verbietet, einem Familienmitglied einen Posten in einer Behörde zu verleihen, die ihm direkt unterstellt ist. Trump sagte diese Woche, man müsse abwarten, was genau dieses Gesetz für seine Situation bedeutet - er lässt seit Langem keinen Zweifel daran, dass er Ivanka so nah wie möglich am Oval Office platzieren möchte.

Diese hat den gesamten Wahlkampf über eine größere Rolle gespielt als ihre Stiefmutter Melania, die das Rampenlicht der Kampagne gescheut hat und deren einzige große Rede, auf dem Parteitag im Juli, in den Augen viele Beobachter zum Desaster geriet: Mehrere Stellen der Ansprache waren bei Michelle Obama abgekupfert.

Kein Wort von Melania

Danach verschwand Melania bis auf wenige Interviews und Kurzauftritte von der Bildfläche. Wenn es um ein mögliches Thema ging, das sie als First Lady voranbringen wolle, sagte sie, sie wolle über Cybermobbing aufklären. Doch die 46-Jährige hat auch stets betont, dass sie ihre Rolle vor allem als Mutter sieht.

In der Übergangsphase seit dem Wahlsieg ist Melania so gut wie unsichtbar. Die Nachricht, dass sie und ihr Sohn zunächst nicht ins Weiße Haus ziehen werden, stand zunächst in einer Boulevardzeitung und wurde dann von ihrem Ehemann bestätigt. Kein Wort von Melania.

Ivanka hingegen bleibt auch im Übergangszirkus präsent: In dieser Woche posierte sie etwa mit dem Überraschungsgast im Trump Tower, Rapstar Kanye West. Sie war ebenso anwesend (wie ihr Ehemann und die zwei Brüder), als Trump die Silicon-Valley-Bosse im Trump Tower versammelte. Auch beim ersten Treffen des Wahlsiegers mit einem ausländischen Staatsmann, Japans Premier Shinzo Abe, saß Ivanka mit am Tisch. Was den komplizierten Interessenkonflikt verdeutlicht, der sich bei den Trumps stellt. Ivanka ist immerhin Vize-Chefin der Trump Organization (und betreibt nebenbei ihre eigene Schmuck- und Modefirma).

Wenn sie nun auch als de-facto First Lady auftritt, wäre das ungewöhnlich, aber nicht völlig ohne Beispiel. In den Jahren 1857 bis 1861 residierte mit James Buchanan ein ewiger Junggeselle im Weißen Haus, die Rolle der Gastgeberin übernahm seine Nichte Harriet Lane. Und wenn Harry Trumans Ehefrau Bess Washington satt hatte und nach Missouri verschwand, übernahm Tochter Margaret die Rolle als Gastgeberin. Doch erst Hillary Clinton kam als First Lady auf die Idee, auf ein Büro im West Wing zu pochen, wie es nun auch Ivanka bekommen könnte.

Ivanka als Botschafterin ins andere Amerika?

Präsidentengattinen-Expertin Brower findet eine mächtige Ivanka nicht schlecht. Es sei besser, wenn jemand die Rolle der First Lady ausfülle, der auch gestalten wolle, als jemand, der keinerlei Interesse daran habe.

Ivankas Rolle als Beraterin und de-facto First Lady hätte für viele ihren Reiz. Da sich die 35-Jährige wiederholt interessiert an Frauen- und Umweltthemen zeigte, könnte sie als Botschafterin in das andere Amerika wirken, das ihr Vater nicht erreicht. Leonardo di Caprio traf sich bereits mit ihr und überreichte einen Film zum Klimawandel (den ihr Vater wiederholt als Erfindung der Chinesen bezeichnete). Auch Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg suchte den Kontakt, um ein Verhältnis aufzubauen.

Schon im Wahlkampf hatte Ivanka ihre eigenen Veranstaltungen abgehalten und dabei vor allem über Themen wie Kinderbetreuung, gleiche Bezahlung und Mutterschutz gesprochen. Über die Rolle von arbeitenden Frauen will sie ein Buch schreiben. Sie nimmt sich Themen an, für die ihr Vater keinerlei Interesse zeigt.

Als kurz nach dem Wahlsieg Nancy Pelosi, die Fraktionschefin der Demokraten, bei Trump anrief, sprach der mit ihr über Innenpolitik und seine Infrastrukturpläne. Als sie dann das Gespräch auf die Belange der Frauen lenkte, reichte Trump zum Erstaunen Pelosis den Hörer weiter: an Ivanka.



insgesamt 118 Beiträge
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Spiegelleserin57 17.12.2016
1. gute Vorbilder...
nun sehen alle Armen, Randgruppen und Schwarzen wen sie wirklich gewählt haben. Diese rieche Familie wird ihnen nun zeigen wer die Welt regieren will.
Alias_aka_InCognito 17.12.2016
2. Traurig mit anzusehen!
Trump wurde nur gewählt, weil die Abgehängten in den USA einen Unzurechnungsfähigen in das politische System installieren WOLLTEN als eine Art Protest. Trump ist die Präsident gewordene Nemesis, die die Abgehängten nach Washington geschickt haben, um totale Verwüstung anzurichten. Nun wird dieser nicht rational erreichbare Mann in dieser sehr hohen Machtposition eine abartige Politik umzusetzen, für die er sich durch seine unnahbare Art nicht mal zu rechtfertigen braucht, weil ihn ohnehin niemand für zurechnungsfähig hält. Zum Thema: So ein Mann in dieser Machtposition ist der ideale Rammbock für die Kamarilla um ihn, die die eigentliche, aber sehr unpopuläre und mitunter auch kriminelle Politik machen kann, wobei zwischen der Bevölkerung und ihnen mit Trump ein ideale Isolationsschicht dazwischen steht. Die Kamarilla bestehet aus seiner engsten Familie, Weggefährten, die ihn hoch gebracht haben und denen, die seinen abartigen Wahlkampf gemanagt haben. Das erinnert einen fast schon an die Zeiten eines George W. Bushs.
xxgreenkeeperxx 17.12.2016
3. wie der Vater so die Tochter
Na ja vielleicht will der Vater seine Tochter ja auf ihren nächsten Job vorbereiten, also auf den des ersten weiblichen Präsidenten der USA. Hätte Herr Obama mit seiner Frau ja auch machen können. Aber wahrscheinlich hatte die bis jetzt kein Interesse daran, weil sie dachte gegen Frau Clinton hätte sie sowieso keine Chance. Wir haben aber gelernt gegen Frau Clinton hat jeder eine Chance. Vielleicht haben wir dann in vier Jahren das Duell Michelle vs. Ivanka. Und die Wahlkampfberichterstattung für Deutschland übernimmt in diesem Fall Frau Klum. Ich kann es kaum erwarten.
hardeenetwork 17.12.2016
4. Egal wer!
Es wird ein Desaster werden. Egal ob Tochter, Sohn, Ehefrau oder Trump selber. Vier Jahre Worst Case (...)
clochard185 17.12.2016
5. Über Indizien spricht man...
eigentlich nur in Verbindung mit einer kriminellen Tat. Die erkenne ich hier nicht. Diese Lakonie und er Zynismus mit der der Spiegel in Verbindung mit einem seriös gewählten amerikanischen Presidenten umgeht, deutet auf einen neidvollen Umgang mit einer nicht verkrafteten Niederlage hin, weil einem der Wahlausgang nicht in die eigene linke Doktrin passt. Eigentlich sollte der Spiegel sich an den Pressecodex halten, der unter anderem Neutralität in der Berichterstattung verlangt. Da der Spiegel mit seinen hohen Umsatzverlusten nun in einer Art ohnmächtiger und latenter Wut verharrt, macht er eigentlich nichts Konstruktives mehr, sondern giftet anbetracht seiner miesen Lage nur noch rum. Wenn er das Kritisieren in einer Richtung, die jetzt allmählich angebracht wäre, hinsichtlich echter Verbrechen im Namen des Islam genauso akribisch angehen würde, wäre die Menscheit einen Schritt weiter. Ansonsten verprellt er nur noch den letzten Rest seiner Leser.
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