Serbien Sozialist Dacic wird neuer Premier

Der Parteichef der Sozialisten wird überraschend Serbiens neuer Premierminister. Ivica Dacic hat mit der Fortschrittspartei eine Mehrheit versammelt - nun sind wieder die Kräfte an der Macht, die das Land in den neunziger Jahren in den Bürgerkrieg geführt hatten.

Designierter serbischer Regierungschef Dacic: Koalition mit den Nationalisten
AFP

Designierter serbischer Regierungschef Dacic: Koalition mit den Nationalisten


Belgrad - Der sozialistische Parteichef Ivica Dacic wird überraschend neuer serbischer Regierungschef. Das kündigte Staatspräsident Tomislav Nikolic am Donnerstag in Belgrad an. Er habe dem 46 Jahre alten bisherigen Vizeregierungschef und Innenminister das Mandat zur Regierungsbildung erteilt.

Dacic habe ihn davon überzeugt, eine mehrheitsfähige Regierung zustande zu bringen, sagte Nikolic am Donnerstag. Die sozialistische SPS wird demnach mit der nationalistischen Serbischen Fortschrittspartei (SNS) von Nikolic eine Koalition bilden.

Das Nachsehen haben die Demokraten (DS) des einstigen Staatsoberhaupts Boris Tadic, die seit vielen Jahren die stärkste Kraft im Lande waren und jetzt in die Opposition müssen. Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt vom 20. Mai hatte Nikolic überraschend den prowestlichen Favoriten Tadic geschlagen.

Damit bilden jene politischen Kräfte wieder eine Regierung, die das Land in den neunziger Jahren in die Bürgerkriege und die soziale und wirtschaftliche Katastrophe geführt hatten. Allerdings haben sich diese Parteien nach eigener Darstellung vom extremen Nationalismus verabschiedet und sind heute europäisch und demokratisch ausgerichtet.

Nationalist Nikolic, der früher der Serbischen Radikalen Partei angehörte, war kurz nach seinem Amtsantritt mit Äußerungen in die Kritik geraten, dass es sich bei dem Massaker von Srebrenica während des Bosnien-Kriegs (1992-1995) nicht um Völkermord gehandelt habe.

fab/dpa/AFP

insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
PeaceNow 28.06.2012
1. Oh Srbien
4 Kriege angezettelt und alle 4 verloren (Slovenien, Kroatien, Bosnien, Kosovo), sowie dabei die schlimmsten Massaker verübt seit dem WK2, siehe Srebrenica, Sarajevo, Vukovar uva. und trotz alle dem nichts dazugelernt. So ein Land darf niemals in die EU und NATO.
wpfaff 28.06.2012
2. Oh Gott
es ist unglaublich was sich nicht nur momentan in Serbien abspielt. Weite Teile der Bevölkerung leugnen die Kriegsverbrechen welche unter Milosovic begangen wurden und ein Großteil der serbischen Presse heizt die Athmosphere des Hasses täglich weiter an. Jetzt wird auch noch einer der Jünger des Schlächteres vom Balkan neuer serbischer Ministerpresident. Serbien darf auf keinen Fall Mitglied der EU werden bevor eine Einsehen in der Bevölkerung über die serbischen Kreultaten stattfindet. Eine Reflektion, so wie bei uns in Deutschland nach dem Krieg hat bisher in keinster Weise stattgefunden.
rohanseat 28.06.2012
3. Da sind
Zitat von wpfaffes ist unglaublich was sich nicht nur momentan in Serbien abspielt. Weite Teile der Bevölkerung leugnen die Kriegsverbrechen welche unter Milosovic begangen wurden und ein Großteil der serbischen Presse heizt die Athmosphere des Hasses täglich weiter an. Jetzt wird auch noch einer der Jünger des Schlächteres vom Balkan neuer serbischer Ministerpresident. Serbien darf auf keinen Fall Mitglied der EU werden bevor eine Einsehen in der Bevölkerung über die serbischen Kreultaten stattfindet. Eine Reflektion, so wie bei uns in Deutschland nach dem Krieg hat bisher in keinster Weise stattgefunden.
noch einige jahrhunderte notwendig um da etwas zu ändern.-so wie Irland noch nicht in der gegenwart angekommen ist werden es auch die balkan ländern nicht.- Ich lebe als deutscher auf dem balkan und erlebe täglich das rückständige denken der menschen.-für mittel europäer nicht verständlich ohne ständig mit dem "mittelalter" konfrontiert zu sein.-Keines dieser länder hat etwas in der EU zu suchen.-Von den ländern Moldavien und Ukraine zu schweigen.-Aber politiker kommen zumeist nur bis zur hauptstadt.-Das andere wird geheim gegehalten.
dragic 02.07.2012
4. Chance
Durch die ständige Verzögerung des Beitritts von Serbien in die EU welche anscheinend systematisch in den letzten Jahren von einigen EU-Ländern betrieben wurde, ist es weiter nicht verwunderlich, dass die demokratischen und EU-orientierten Parteien die Wahlen verloren haben. Die serbischen Wähler haben damit ihrer Enttäuschung ausdruck gegeben, ständig hingehalten zu werden. Ich lebe als Oesterreicher schon einige Jahre in Serbien und bin ebenfalls sehr enttäuscht, dass die Sozialisten wieder am Ruder sind. Europa hätte bei zeiten den demokratischen Kräften in Serbien besser den Rücken stären müssen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.