Moskau Putin entlässt ranghohe Polizeivertreter wegen des Falls Golunow

Nach der Freilassung eines russischen Journalisten führt der öffentliche Druck nun auch zu personellen Konsequenzen: Zwei hohe Polizeibeamte sind aus dem Dienst entlassen worden.

Wladimir Putin
Alexei Nikolsky / DPA

Wladimir Putin


Nach der vorübergehenden Festnahme des russischen Journalisten Iwan Golunow haben zwei ranghohe Vertreter der Moskauer Polizei ihre Posten verloren. Der Leiter der Abteilung gegen Drogenhandel, Juri Dewiatkin, und der Polizeichef im westlichen Bezirk Moskaus, Andrej Putschkow, wurden per Dekret des Präsidenten Wladimir Putin von ihren Funktionen entbunden. Sie waren beide in die Festnahme Golunows involviert.

Der regierungskritische Journalist war in der vergangenen Woche wegen angeblichen Drogenhandels festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden, ehe das Verfahren überraschend eingestellt wurde. Innenminister Wladimir Kolokolzew hatte jüngst angekündigt, Putin um die Entlassung der beiden Beamten zu bitten. Kolokolzew zufolge wurden die Polizisten, die Golunow festgenommen hatten, für die Dauer der Untersuchung des Falls suspendiert.

Teilweise wurde die Ankündigung des Innenministers als Versuch gesehen, Bauernopfer zu suchen, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Denn Kolokolzew ist als oberster Polizeichef des Landes für die Vorgänge in seiner Behörde verantwortlich.

Iwan Golunow nach seiner Freilassung
Pavel Golovkin / AP / dpa

Iwan Golunow nach seiner Freilassung

Golunow recherchierte zuletzt über Korruption in der Moskauer Stadtverwaltung, zum Beispiel darüber etwa, wer an öffentlichen Aufträgen bei der Stadtrenovierung verdient. Nach Angaben der Polizei waren in seinem Rucksack und in seiner Wohnung "große Mengen" Drogen gefunden worden.

Golunow gab an, die Drogen seien ihm untergeschoben worden. Er behauptete, in Gewahrsam gefoltert worden zu sein. Notärzte diagnostizierten bei ihm unter anderem eine Gehirnerschütterung. Auch Golunows Arbeitgeber "Meduza" und sein Anwalt wiesen die Anschuldigungen zurück. Sie warfen den Behörden vor, Golunow für seine Recherchen bestrafen zu wollen.

asa/AFP

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protagon 13.06.2019
1. Bestimmt...
... ziehen jetzt die USA, Schweden und GB gleich, lassen Herren Assange frei und ermitteln gegen die Verantwortlichen hinter seiner jahrelangen Tortur.
demiurg666 13.06.2019
2.
Ein toller Rechtsstaat, da sollten sich andere ein Beispiel nehmen. Erst eine fungierte Festnahme, scheinbar vom Kunde Innenminister befohlen. Danach die Freilassung per Dekret. Richter braucht man in Russland scheinbar nicht, außer als Erfüllungsgehilfen. Ein tolles und rechtssicheres Land....
rar.rar 13.06.2019
3. Russland ist eben Russland
Russland ist immer noch deutlich korrupter, als es sein sollte, es hat sich die letzten Jahre deutlich verbessert. Ich wohne seit gut 5 Jahren in Moskau und am Anfang wollten die Beamten der Polizei nur Geld. Mittlerweile ist es deutlich besser geworden, immer noch bestechlich aber nicht mehr so schlimm wie früher. In kleineren Städten ist es aber noch deutlich schlimmer, besser als vor 5 Jahren aber immernoch schlimm. Die Proteste und starken Journalisten sind sehr wichtig, damit entwickelt sich Russland weiter, nur so kommt das Land voran.
taglöhner 13.06.2019
4. Petersburger Knallchargen
Zitat von protagon... ziehen jetzt die USA, Schweden und GB gleich, lassen Herren Assange frei und ermitteln gegen die Verantwortlichen hinter seiner jahrelangen Tortur.
Welche Tortur, die er nicht selbst gewählt hätte? Freilassungen werden in Rechtsstaaten von unabhängigen Richtern angeordnet. Außerdem wurde Assange ja nichts untergeschoben...
taglöhner 13.06.2019
5.
Zitat von demiurg666Ein toller Rechtsstaat, da sollten sich andere ein Beispiel nehmen. Erst eine fungierte Festnahme, scheinbar vom Kunde Innenminister befohlen. Danach die Freilassung per Dekret. Richter braucht man in Russland scheinbar nicht, außer als Erfüllungsgehilfen. Ein tolles und rechtssicheres Land....
Das ehemals europäische Mutterland des kurzen Prozesses und des standrechtlichen Dienstweges.
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