IWF-Chef in U-Haft Strauss-Kahn auf Gefängnisinsel verlegt

Von der Luxussuite in die Einzelzelle. IWF-Chef Strauss-Kahn ist auf die Gefängnisinsel Rikers Island gebracht worden. Der wegen des Verdachts auf versuchte Vergewaltigung festgenommene Franzose soll dort mindestens bis Freitag bleiben. Über seinen Nachfolger beim Währungsfonds wird bereits spekuliert.
IWF-Chef in U-Haft: Strauss-Kahn auf Gefängnisinsel verlegt

IWF-Chef in U-Haft: Strauss-Kahn auf Gefängnisinsel verlegt

Foto: Emmanuel Dunand/ AP

New York - Dreieinhalb mal vier Meter misst die Gefängniszelle, in der Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds ( IWF), bis mindestens Freitag bleiben wird. Nach der richterlichen Entscheidung, dass er in Untersuchungshaft bleiben muss, sollte er auf die New Yorker Gefängnisinsel Rikers Island im East River gebracht werden.

Er werde eine Einzelzelle bekommen, sagte ein Justizsprecher am Montagabend, und keinen Kontakt zu seinen Mitgefangenen haben, weil er als berühmte Persönlichkeit eingestuft wurde. Dies bedeute aber nicht, dass er immer in seiner Zelle bleiben müsse. Vielmehr werde er bei jedem Freigang von einem Gefängniswärter begleitet.

Rikers Island ist eines der wichtigsten Gefängnisse der Metropole New York. In Anlehnung an die berühmte Knastinsel in der Bucht von San Francisco wird der Komplex auch "Das neue Alcatraz" genannt. Die Insel, auf der der Bau steht, ist rund 1,7 Quadratkilometer groß und liegt zwischen den Stadtteilen Queens und Bronx im Hafengebiet der Stadt. Einziger Zugang ist eine Brückenstraße. In der Haftanstalt sitzen mehr als 10.000 Häftlinge ein, bewacht von rund 1000 Polizisten. Das Jahresbudget beläuft sich auf rund 860 Millionen Dollar.

"Ich bedauere die Situation sehr"

Auf Rikers Island dürfte Strauss-Kahn jetzt der prominenteste Insasse sein. Der 62-jährige Franzose soll am Samstag versucht haben, in einem New Yorker Luxushotel ein Zimmermädchen zum Sex zu zwingen. Eine Haftrichterin lehnte es am Montag ab, den Banker gegen eine Kaution aus der Untersuchungshaft freizulassen und begründete dies mit Fluchtgefahr. Strauss-Kahns Anwälte hatten zuvor eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar (rund 700.000 Euro) angeboten. Anwalt Benjamin Brafman betonte nach der Verhandlung erneut, Strauss-Kahn weise die Vorwürfe zurück und wolle seinen Namen und seinen Ruf wiederherstellen.

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IWF-Chef Strauss-Kahn: Ein Boss in Handschellen

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In der Anklageschrift hieß es: "Er griff dem Opfer ohne Einwilligung an die Brust, versuchte, die Strumpfhose herunterzuziehen, und griff ihm in den Schritt. Sein Penis hatte gewaltsam zweimal Kontakt mit dem Mund des Opfers." Erste medizinische Ergebnisse hätten die Darstellung des Zimmermädchens, die schließlich geflohen sei, bestätigt. Der Franzose soll während des Angriffs in der 3000-Dollar-Suite völlig nackt gewesen sein.

Die Richterin hatte im Gerichtssaal Fotografen und Kameraleute zugelassen - anders als am Sonntag trug Strauss-Kahn allerdings keine Handschellen. Der IWF-Chef war am Wochenende in Handschellen aus einem New Yorker Polizeirevier abgeführt worden. Die Bilder waren um die Welt gegangen und hatten eine Schockwelle ausgelöst.

Beim Treffen der Finanzminister der Euro-Länder am Montagabend in Brüssel, an dem Strauss-Kahn ursprünglich teilnehmen sollte, zeigten sich zahlreiche Politiker schockiert. "Ich bedauere die Situation sehr, er ist ein guter Freund von mir", sagte der luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker. "Die Bilder, die ich heute morgen im Fernsehen gesehen habe, haben mir nicht gefallen." Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde sagte, die Lage ihres Landsmanns sei "niederschmetternd und schmerzhaft".

Mirow und Ackermann als Nachfolger genannt

Die Suche nach einem Strauss-Kahn-Nachfolger läuft offenbar bereits an. In Berlin werden nach Informationen der "Bild"-Zeitung bereits Namen genannt: der derzeitige Chef der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London, Thomas Mirow, sowie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Auch über eine Nachfolge des Franzosen durch Lagarde wurde bereits spekuliert.

Der IWF-Verwaltungsrat erklärte am Montagabend, vorerst die weiteren Entwicklungen im Verfahren gegen Strauss-Kahn abwarten zu wollen und noch keine Entscheidung hinsichtlich dessen Zukunft beim IWF getroffen zu haben. Der Verwaltungsrat war zuvor zu einer Sondersitzung wegen der Vorwürfe gegen den Vorsitzenden zusammengekommen. Vize-Chef John Lipsky und Rechtsberater Sean Hagan hätten das Direktorium über die Sachlage in dem Fall informiert, sagte eine IWF-Sprecherin. Entscheidungen seien nicht gefallen. Aus Kreisen des Führungsgremiums verlautete, einige der 24 in dem Direktorium vertretenen Länder würden auf eine rasche Entscheidung über die Zukunft Strauss-Kahns beim IWF drängen.

ler/AFP/dpa/dapd
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