Jacinda Ardern kritisiert laxes Waffenrecht "Um ehrlich zu sein, verstehe ich die USA nicht"

Schon kurz nach dem Anschlag von Christchurch verschärfte Jacinda Ardern die Waffengesetze in ihrem Land. Die neuseeländische Regierungschefin fragt sich, warum das nicht auch in den USA funktioniert.

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern
Mark Tantrum/ Getty Images

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern


Weshalb gelingt es den USA nicht, halbautomatische Waffen zu verbieten? Diese Frage stellt sich Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern. "Australien hat ein Massaker erlebt und seine Gesetze geändert. Neuseeland hat seine Erfahrungen gemacht und die Gesetze geändert. Um ehrlich zu sein, verstehe ich die USA nicht", sagte die Premierministerin in einem Interview mit dem US-Sender CNN.

Seitdem ein Rassist am 15. März in der neuseeländischen Stadt Christchurch Moscheen angegriffen und dabei insgesamt 51 Menschen getötet hat, setzt sich Ardern gegen Waffen und Terrorpropaganda im Netz ein.

Zurzeit ist Ardern in Paris, wo sie gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron versucht, andere Staaten und global agierende Tech-Konzerne davon zu überzeugen, den "Christchurch Call" zu unterzeichnen. Damit will sie erreichen, dass die Staaten und Konzerne daran arbeiten, terroristische und Gewaltinhalte aus dem Netz zu verbannen.

USA werden Arderns Aufruf nicht unterzeichnen

Das Treffen findet am Rande des "Tech for Humanity"-Treffens der Digitalminister der G7-Staaten statt. Mehrere Staats- und Regierungschefs sind dazu eingeladen - unter ihnen die britische Premierministerin Theresa May, Jordaniens König Abdullah II. und Kanadas Premier Justin Trudeau. Auch der scheidende EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker wird erwartet. Er hatte unlängst den besseren Schutz vor Online-Terrorpropaganda zu den unerledigten Aufgaben seiner Kommission gezählt. Auch Twitter-Chef Jack Dorsey wird dabei sein.

Die USA nehmen hingegen nicht an dem Treffen teil und haben signalisiert, dass sie Arderns Aufruf nicht unterzeichnen werden.

Im Gespräch mit CNN sagte Ardern weiter, dass auch ihr Land lockere Waffengesetze gehabt hatte, bevor es zu dem Anschlag von Christchurch kam. Doch obwohl Neuseeland vor allem Fleisch produziere, von dem vieles aus der Jagd stamme, sollte auch dort niemand Zugang zu schweren halbautomatischen Waffen und Sturmgewehren haben. Ihre Regierung habe deshalb innerhalb von Wochen reagiert und den Zugang dazu gänzlich verboten.

mfh/dpa



insgesamt 73 Beiträge
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Manamana 15.05.2019
1. Ganz einfach
Die Antwort darauf nennt sich Lobbyismus. Hätte Neuseeland eine nennenswerte Industrie, hätte sie sich die Frage vermutlich selbst beantworten können.
ktomy69 15.05.2019
2. Auf dem Auge blind
Die USA ist auf diesem Auge blind. Scheinbar wurde es herausgeschossen. Soviel zu überalterte Traditionen. Auch das demokratische System gehört in den USA auf den Prüfstand und an den neuen gesellschaftlichen und geographischen Gegebenheiten angepasst die sich nach über 200 Jahren verändert haben.
bernteone 15.05.2019
3. Neuseeland hat auch keine
mächtige Waffenlobby . Normalerweise braucht keine Privatperson vollautomatische Waffen , aber wenn es um Milliarden von Dollars geht setzt jede Logik aus . Das wird den Amerikanern schon mit der Muttermilch eingeimpft , das nur Waffen Sicherheit bringen . Da ist es egal das Amerika eines der Länder mit den meisten Toten durch Schusswaffen ist . Im Gegenteil , das muß als Verkaufsargument hinhalten . Von der Pistole bis zur Zimmer - Flak .
Lexington67 15.05.2019
4. Ganz einfach
Vor dem "gelingen" kommt das "wollen" Und genau da stockt der Prozess... Die USA (als Nation) wollen im Augenblick nichts daran ändern. Alles andere sind Nebelkerzen..
schnabelnase 15.05.2019
5. Wieso versteht sie das nicht?
Ist doch ganz einfach. Die milliardenschwere Waffenlobby in den USA verhindert mit viel Geld auch nur die kleinste Änderung. So eine mächtige Lobby gibt es in Neuseeland nicht. In Norwegen ist das auch ganz einfach.
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