Ex-Berater Monty "Ich kann Trump nicht mehr unterstützen"

Jacob Monty war Donald Trumps Berater in Einwanderungsfragen. Inzwischen hält er den Milliardär für einen gefährlichen Hetzer. Im Interview erklärt der Anwalt, warum er mit dem Kandidaten nichts mehr zu tun haben will. Von Veit Medick
US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump

US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump

Foto: Evan Vucci/ AP
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Jacob Monty, 48, ist Anwalt für Einwanderungsrecht in Houston. Monatelang war Monty einer der größten lateinamerikanischen Unterstützer des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, er trat im Fernsehen auf und verteidigte den Milliardär im Radio. Im August wurde der Texaner von Trump in dessen Beraterkreis berufen. Nach Trumps jüngster Rede zur Einwanderungspolitik gab Monty dieses Amt enttäuscht zurück.

SPIEGEL ONLINE: Herr Monty, im August berief Sie Donald Trump in seinen Beraterkreis für Einwanderungsfragen. Jetzt haben Sie das Amt niedergelegt. Warum?

Monty: Weil ich nicht weiß, wer Donald Trump wirklich ist. Um ehrlich zu sein: Wir hatten eigentlich sehr wenige Meinungsverschiedenheiten und ich teile seine Forderung, die Grenze zu sichern, Flüchtlinge besser zu kontrollieren und kriminelle Einwanderer auszuweisen. Aber wir haben versucht, ihn von seinem extremsten Plan abzubringen, nämlich auch Einwanderer ohne Papiere auszuweisen, die nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind. Mir gegenüber hat Trump mehrfach betont, sich an diesem Punkt korrigieren zu wollen. Und dann tritt er plötzlich wieder auf wie ein klassischer Ausländerfeind.

SPIEGEL ONLINE: Sie spielen auf seine jüngste Rede zur Einwanderungspolitik in Phoenix an.

Monty: Ja. Das war ein schrecklicher Moment, eine echte Hetzrede. Ich konnte nicht glauben, was ich da hörte. Noch einmal: Ich bin Republikaner. Ich bin ziemlich strikt, was Einwanderungsfragen angeht und glaube, dass Obama schlimm für unser Land ist. Ich habe Trump vor meinen Freunden verteidigt, im Fernsehen, im Radio, auf Englisch und auf Spanisch. Aber das ist jetzt vorbei.

SPIEGEL ONLINE: Welcher Punkt in Trumps Einwanderungsplan beunruhigt Sie am meisten?

Monty: Trump will sogar die "Dreamer" ausweisen, also die, die als Kleinkinder mit ihren Eltern illegal in die USA eingereist sind. Das ist nichts anderes als populistische Propaganda. Ich habe ihm immer gesagt: Donald, das kannst du nicht machen. Lass sie doch einfach hier arbeiten, viele von ihnen sind längst in die Wirtschaft integriert. Und ich hatte lange Zeit Hoffnung, dass er das einsieht. Aber jetzt fühle ich mich benutzt. Offenbar hat Donald Trump unseren Latino-Beraterkreis nur als Feigenblatt eingesetzt. Er ist kein Republikaner. Er versucht, das xenophobe Amerika zu mobilisieren. Ich kann Trump nicht mehr unterstützen.

SPIEGEL ONLINE: Wie erklären Sie sich diese radikale Haltung?

Monty: Keine Ahnung. Vielleicht möchte er einfach nur irgendwie die weißen, "waschechten" Amerikaner an die Urnen treiben. Aber das wird nicht funktionieren. Hillary Clinton ist unter weißen, "waschechten" Amerikanern schlicht nicht unpopulär genug.

Latino-Wählerin mit Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton: "Trump hat sich mit Beratern umgeben, die ihn davon überzeugt haben, Einwanderer beschimpfen zu müssen, um zu gewinnen."

Latino-Wählerin mit Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton: "Trump hat sich mit Beratern umgeben, die ihn davon überzeugt haben, Einwanderer beschimpfen zu müssen, um zu gewinnen."

Foto: BRIAN SNYDER/ REUTERS

SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich mehrfach mit Trump getroffen. Welche Person haben Sie da kennengelernt?

Monty: Er war sehr sympathisch. Trump klang wie ein Businessman und hat immer betont, dass er mit uns zusammen sitzt, um zu lernen. Er hat mich nach einem Plan gefragt, ich habe ihm einen geschrieben, er hat sich bedankt. Fast bescheiden trat er auf. Nichts war in unseren Treffen zu spüren von seiner Bösartigkeit. Ein Mensch, kein Cartoon. Und nach außen? Ist er ein völlig anderer. Offenbar fehlt ihm das Rückgrat dafür, das zu machen, was er wirklich will. Er hat sich mit Beratern umgeben, die ihn davon überzeugt haben, Einwanderer beschimpfen zu müssen, um zu gewinnen.

SPIEGEL ONLINE: Wirklich überrascht können Sie davon aber doch eigentlich nicht sein. Letztlich redet er so seit mehr als einem Jahr.

Monty: Intern hat er oft anders geredet. Und auch jetzt scheint immer wieder ein anderer Trump durch. Kürzlich war er in einer Kirche in einem Schwarzenviertel in Chicago. Ich habe mir das angeschaut und dachte: Siehst du, da ist er wieder, der nette, vernünftige Donald. Er hat sich offen gezeigt, den Dialog gesucht, betont, dass er lernen will. Aber ich kann das nicht mehr ernst nehmen. Trump ist ein Mann, der innerhalb weniger Stunden vom einen zum anderen Menschen wird.

SPIEGEL ONLINE: Sie sagen, Sie teilen Trumps Ruf nach einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Es gibt viele Republikaner, die das für absolut albern halten.

Monty: Schauen Sie: Eine durchgängige 2000-Meilen-Mauer ist vielleicht nicht realistisch. Das wäre zu teuer und würde viel zu lange dauern, um kurzfristig etwas zu bewegen. Aber es geht darum, unsere Grenze zu sichern. Das ist dringend nötig, und sei es nur an manchen Stellen. Es gibt viele schlechte Menschen, die mit bösen Absichten zu uns kommen und es ist aus meiner Sicht nicht ausländerfeindlich, für stärkere Kontrollen zu sorgen. Ich komme aus El Paso in Texas - es gibt dort in der Gegend bereits Mauern, und sie funktionieren. Warum sollen wir sie nicht ausbauen?

Auf vielen Kilometern besteht zwischen Mexiko und den USA bereits heute eine Mauer

Auf vielen Kilometern besteht zwischen Mexiko und den USA bereits heute eine Mauer

Foto: Matt York/ AP

SPIEGEL ONLINE: Das Problem mit der Mauer ist doch die Symbolik. Viele Amerikaner haben den Eindruck, die Republikaner wollten die USA abschotten und alles Fremde fernhalten. Braucht Ihre Partei eine andere Tonlage in der Einwanderungspolitik?

Monty: Ja, das sehe ich so. Wir stehen vor der dritten Niederlage in Folge. Es ist eine Tragödie. Wir klingen ausländerfeindlich und machen Stimmung gegen Menschen, die hier vielleicht nicht geboren sind, aber in ihrem Leben nichts anderes kennengelernt haben als die USA. Mit einer solchen Strategie gewinnt man sicher nicht.

SPIEGEL ONLINE: Hat jemand aus Trump Kampagne Sie nach Ihrem Rückzug noch einmal kontaktiert?

Monty: Ja, da hat mich jemand gebeten, meine Entscheidung zu überdenken. Und erst vor ein paar Tagen klang Trump bei einem Auftritt auch schon wieder nicht ganz so scharf wie in der vergangenen Woche. Aber ich habe auch meine Prinzipien, die ich nicht verraten kann.

SPIEGEL ONLINE: Trump wählen Sie also nicht. Werden Sie für Clinton stimmen?

Monty: Nein, Clinton kann ich nicht unterstützen - sie ist ein Desaster. Ich werde mich stattdessen auf die Senats- und Abgeordnetenhauswahlen konzentrieren. Die sind wichtig. Über den Kongress müssen wir Clintons linksextremer Agenda ein paar Steine in den Weg legen.

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