Trauerfeier in Paris "Adieu et merci, Monsieur Chirac"

Macron und Putin, Steinmeier und Clinton - in Paris nahmen aktive und ehemalige Staatsoberhäupter Abschied vom verstorbenen französischen Ex-Präsidenten Chirac. Gerhard Schröders Stuhl blieb hingegen leer. Bilder der Trauerfeier.

Ian Langsdon/ EPA-EFE/ REX

Mit einer eindrucksvollen Trauerfeier hat Frankreich von seinem ehemaligen Präsidenten Jacques Chirac Abschied genommen. Politprominenz aus aller Welt erwies dem Franzosen in der Pariser Kathedrale Saint-Sulpice die letzte Ehre.

Mit den Worten "Adieu et merci, Monsieur Chirac" verabschiedete sich Erzbischof Michel Aupetit während seiner Predigt von dem im Alter von 86 Jahren gestorbenen Chirac. Zum ersten Mal seit der schrecklichen Brandkatastrophe im April wurde die Glocke von Notre-Dame wieder geläutet. Den ganzen Montag herrschte in Frankreich Staatstrauer.

Zu der großen Trauerfeier kamen zahlreiche internationale Gäste, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bill Clinton, Kremlchef Wladimir Putin, Monacos Fürst Albert II., Afghanistans Ex-Präsident Hamid Karzai, Libanons Regierungschef Saad Hariri, der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani und Luxemburgs Großherzog Henri. Chirac war vergangenen Donnerstag gestorben. (Lesen Sie hier einen Nachruf.)

Schröders Stuhl blieb leer

Verwirrung gab es hingegen um die Teilnahme von Altkanzler Gerhard Schröder. Entgegen erster Erwartungen kam er doch nicht zur Trauerfeier. Sein Büro ließ mitteilen, dass er gern an den Trauerfeierlichkeiten teilgenommen hätte. Allerdings sei übermittelt worden, dass der Élysée-Palast seinen Wunsch nach einer Einladung aus Platzgründen abgelehnt habe.

Aus Élysée-Kreisen hieß es, dass auch Schröder zu den Feierlichkeiten erwartet wurde. Er stand auf der Gästeliste des Präsidentenpalasts, ein Stuhl in der Kirche sei am Montagmorgen für ihn reserviert gewesen. Zu der Zeremonie sei keine formelle Einladung verschickt worden. Vielmehr habe man die Kontakte aus dem Ausland gebeten, mitzuteilen, wer kommen möchte. Es handle sich möglicherweise um ein Missverständnis.

An der Seite von Schröder hatte Chirac sich 2003 gegen die Irak-Angriffspläne des damaligen US-Präsidenten George W. Bush gestemmt. Für diesen Protest gegen den amerikanischen Irakkrieg blieb er international in Erinnerung. "Europa hat einen ganz Großen verloren", schrieb Schröder am Montag in einem Gastkommentar in der Zeitung "Die Welt". Chirac habe die deutsch-französische Freundschaft gelebt.

Fotostrecke

10  Bilder
Trauerfeier in Paris: Abschied von Chirac

Auch die französischen Ex-Präsidenten François Hollande, Nicolas Sarkozy und Valéry Giscard d'Estaing erwiesen Chirac die letzte Ehre. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte waren ebenfalls in der Kirche, so wie auch zahlreiche Persönlichkeiten aus der französischen Politik und Gesellschaft.

Auffällig war das Fehlen von Chiracs Witwe Bernadette. Medien berichteten, dass sie dem Gottesdienst aus gesundheitlichen Gründen fernblieb. Ebenfalls nicht in Paris war EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker - er war laut Élysée erwartet worden. Die Europäische Kommission gab auf Nachfrage keinen Grund für die Abwesenheit an und bestätigte mögliche gesundheitliche Gründe nicht.

Erzbischof Aupetit würdigte Chirac in seiner Predigt als einen "warmherzigen Mann", der eine wahre Liebe für die Menschen gehabt habe. Er habe sich in den Räumen des Élysée genauso wohlgefühlt wie auf Landwirtschaftsmessen. Der Sarg Chiracs wurde Berichten zufolge von Chiracs früheren Leibwächtern in die Kirche und wieder hinaus getragen. Saint-Sulpice ist nach Notre-Dame die zweitgrößte Kirche von Paris, Chirac wohnte unweit des Gotteshauses.

Am Morgen hatte sich Macron in der Pariser Kathedrale Saint-Louis-des-Invalides bei einer militärischen Zeremonie von Chirac verabschiedet. In der Kirche am Invalidendom konnten die Franzosen am Sonntag persönlich am Sarg von ihrem ehemaligen Präsidenten Abschied nehmen. Bis in die Nacht bildeten sich Hunderte Meter lange Schlangen, Tausende Menschen kamen.

asa/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.