Frankreichs Ex-Präsident Jacques Chirac ist tot

Er führte das Land zwischen 1995 und 2007: Nun ist Frankreichs früherer Präsident Jacques Chirac gestorben. Er wurde 86 Jahre alt.

Starb im Alter von 86 Jahren: Frankreichs Ex-Präsident Jacques Chirac
Philippe Wojazer/ REUTERS

Starb im Alter von 86 Jahren: Frankreichs Ex-Präsident Jacques Chirac


Der frühere französische Präsident Jacques Chirac ist tot. Er starb im Alter von 86 Jahren. Das berichten die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters unter Berufung auf seinen Schwiegersohn Frédéric Salat-Baroux. Chirac sei demnach am Morgen im Kreis seiner Angehörigen gestorben.

In der französischen Nationalversammlung - sie ist das Unterhaus des Parlaments - berichtete Präsident Richard Ferrand vom Tod Chiracs. Danach gab es eine Schweigeminute.

Chirac prägte die französische Politik mehr als vier Jahrzehnte mit. Im Alter von nur 34 Jahren trat der Abgeordnete der zentralfranzösischen Region Corrèze erstmals in die Regierung in Paris als Staatssekretär ein, damals noch unter de Gaulle.

Von 1995 bis 2007 zieht er die Fäden im Élysée-Palast

Mit 41 Jahren wurde er zum Premierminister unter Präsident Valéry Giscard d'Estaing ernannt. Doch der liberale Staatschef ließ ihm wenig Spielraum. Chirac trat 1976 zurück.

1995 gelang Chirac dann der Einzug in den Élysée-Palast. Bis 2007 zog er daraufhin als Staatschef die Fäden.

Fotostrecke

12  Bilder
Jacques Chirac: Frankreichs "Bulldozer" ist tot

Der konservative Politiker litt seit längerer Zeit unter schweren Gedächtnisproblemen und trat kaum noch in der Öffentlichkeit auf. Noch während seiner Amtszeit hatte er 2005 einen Schlaganfall erlitten.

Protest gegen Irakkrieg

Chirac galt als volksnah und populär, zugleich aber als harter Machtpolitiker. International in Erinnerung blieb er mit seinem Protest gegen den amerikanischen Irakkrieg in Erinnerung. An der Seite von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) stemmte er sich gegen die Angriffspläne von US-Präsident George W. Bush.

Als erster französischer Staatschef erkannte Chirac die Mitschuld seines Landes an der Verfolgung der Juden während der deutschen Besatzungszeit an.

Zu den Tiefpunkten seiner Karriere gehörte das Nein der Franzosen im Referendum über die geplante EU-Verfassung 2005 während seiner zweiten und letzten Amtszeit.

Verurteilung wegen Scheinarbeitsstellen als Pariser Bürgermeister

Der 1932 in Paris geborene Chirac absolvierte die Elite-Hochschule ENA und kämpfte im Algerienkrieg. Seine innenpolitische Karriere begann er an der Seite des früheren Staatspräsidenten Georges Pompidou. Später wurde er zweimal Premierminister, zudem lenkte er als Bürgermeister von Paris 18 Jahre lang die Geschicke der Hauptstadt.

Diese Zeit holte ihn nach seinen Jahren im Élysée-Palast ein: Als erster französischer Ex-Präsident nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er strafrechtlich verurteilt. Im hohen Alter von 79 Jahren verurteilte ihn ein Gericht in Paris zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen Untreue und Unterschlagung öffentlicher Gelder. In seiner Zeit als Pariser Bürgermeister hatte er in den Neunzigerjahren ein System von Scheinarbeitsstellen aufgebaut. Chirac hatte knapp 30 Mitarbeiter aus der Stadtkasse bezahlt, obwohl sie gar nicht für die Verwaltung arbeiteten, sondern teils für seine Partei.

mho/mst/AFP/Reuters/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.