Fotostrecke

Spionage-Krimi: Doppelte Agenten, explosive Unterwäsche

Foto: AP

Britische Verbindung des Doppelagenten Unterhosenbomber im Auftrag Ihrer Majestät

Es ist die nächste Wendung im Thriller um den vereitelten Anschlag auf ein US-Flugzeug: Der bei al-Qaida eingeschleuste Doppelagent besaß offenbar einen britischen Pass - und war vom Geheimdienst MI5 gebrieft. Für die englischen Spione könnte die Enthüllung ernste Folgen haben.

London/Washington - Es klingt wie das Drehbuch für einen Agentenkrimi. Ein Doppelagent der CIA lässt sich von Qaida-Terroristen anheuern und verhindert einen Sprengstoffanschlag auf ein US-Flugzeug. Es ist ein filmreifer Coup für die Geheimdienste der USA und Saudi-Arabiens. Doch der Fall ist ganz real - und hat offenbar einen weiteren Hauptdarsteller: den britischen Geheimdienst.

Wie verschiedene britische und amerikanische Medien am Freitag berichten, besaß der Agent, der mehr als ein Jahr lang al-Qaida infiltrierte, die britische Staatsbürgerschaft. Laut dem Sender MSNBC war der Dienst MI5 bei der Rekrutierung und Einschleusung des Mannes in das Terrornetzwerk "massiv beteiligt".

Auch die britische "Times" meldet, dass britische Agenten den zukünftigen Spion angeworben hätten. Das Blatt bezieht sich auf ein Mitglied der Sicherheitsbehörden im Jemen. Weder von britischer noch von US-Seite wurden die Berichte bisher kommentiert.

Der Agent habe lange Zeit in Großbritannien gelebt und sich dort einer Gruppe von Dschihad-Sympathisanten angeschlossen, berichtet CNN. Wenig später habe er erste Kontakte mit den Leuten der Qaida-Filiale auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) geknüpft. Für al-Qaida sei der Mann wegen seines britischen Passes enorm attraktiv gewesen. Schließlich habe er damit ohne Visum in die USA fliegen können.

Auf einem der Flüge, so der Plan, sollte er dann einen Sprengsatz zünden, der in seiner Unterwäsche versteckt war. Doch bevor es so weit kommen konnte, übergab der Mann die Bombe an seinen Kontakt beim US-Geheimdienst. Der Agent soll inzwischen mit seiner Familie aus dem Nahen Osten ausgeflogen worden sein. Aus Angst vor Racheaktionen der Qaida werden seine Identität und sein Aufenthaltsort streng geheim gehalten.

In Großbritannien ist die Aufregung über die immer neuen öffentlichen Enthüllungen offenbar groß. Nach Angaben des US-Senders National Public Radio soll die britische Regierung die USA ausdrücklich gebeten haben, alle Details über eine Beteiligung von MI5 und MI6 unbedingt unter Verschluss zu halten.

Laut der britischen "Times" hat in dieser Woche bereits ein Krisentreffen der britischen Geheimdienste stattgefunden. Das Blatt beruft sich dabei auf einen namentlich nicht genannten Verantwortlichen der Behörden. Dabei ging es vor allem um die mangelhafte Geheimhaltung in dem internationalen Spionagecoup. Die Briten seien "sprachlos" angesichts der Fülle von Details, die in den USA an die Öffentlichkeit gelangt sind, hieß es.

Rechtliche Probleme für Agenten möglich

Die Entrüstung in London hat gute Gründe. Schließlich kommt die Enthüllung für die britischen Agenten höchst ungelegen, sowohl politisch als auch rechtlich. Es ist den Diensten MI5 und MI6 nämlich offiziell verboten, an Aktionen teilzunehmen, die auf die gezielte Tötung von Verdächtigen ausgerichtet sind. Genau dies ist jedoch geschehen.

Als direkte Konsequenz auf die Enthüllungen um den sogenannten Unterhosenbomber starteten die USA in der vergangenen Woche einen tödlichen Drohnenangriff im Jemen. Dabei starb Fahd al-Kuso, einer der führenden Köpfe des Terrornetzwerks, der unter anderem im Jahr 2000 am Anschlag auf das US-Kriegsschiff USS "Cole" beteiligt war, bei dem 17 US-Marinesoldaten starben.

US-Behörden suchen nach dem Info-Leck

Auch in US-Agentenkreisen wächst der Unmut über mangelnde Diskretion in dem brisanten Fall. Geheimdienstchef James Clapper hat eine Untersuchung angekündigt, wie und von wem immer wieder Informationen an die Medien weitergegeben wurden. Auch US-Verteidigungsminister Leon Panetta hat verlangt, mögliche undichte Stellen rasch ausfindig zu machen.

Die internen Nachforschungen in 16 Geheimdienstbehörden sollen aufdecken, ob es eine "unbefugte Weitergabe von geheimen Informationen" gegeben habe, sagte ein ranghoher Geheimdienstvertreter am Mittwoch. Vertreter des Weißen Hauses oder des Nationalen Sicherheitsrats allerdings sind nicht betroffen, da sie dem Geheimdienstchef nicht unterstehen.

jok
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.