Jagd auf Anführer von Beslan Russland übernimmt amerikanische Anti-Terror-Strategie

Nach dem Massaker von Beslan nimmt der Kampf Russlands gegen den Terror neue Dimensionen an: Die Regierung Putins übernimmt die US-Strategie des Präventiv-Angriffs und kündigt an, Terroristen künftig weltweit zu jagen. Auf die mutmaßlichen Anführer setzte sie Kopfgelder in Millionenhöhe aus.

Moskau - "Was präventive Schläge gegen Terrorlager angeht, werden wir alle Maßnahmen ergreifen, um die Lager zu zerstören, egal in welcher Region der Erde", sagte der hochrangige General Juri Baluevsky russischen Nachrichtenagenturen zufolge. Dies bedeute jedoch nicht, dass man einen atomaren Angriff starte.

Mit dieser Strategie lehnt sich die russische Regierung an das amerikanische Konzepts des präventiven Erstschlags an, wie es nach dem 11. September 2001 in Afghanistan und später im Irak umgesetzt wurde.

Gleichzeitig setzte Russland ein Kopfgeld in Millionenhöhe auf die tschetschenischen Anführer Schamil Bassajew und Aslan Maschadow aus. Sie werden als Drahtzieher hinter dem Blutbad von Beslan vermutet. Für Hinweise zur "Neutralisierung" der Tschetschenen-Führer ist der russische Geheimdienst FSB bereit, 300 Millionen Rubel (8,5 Millionen Euro) auszugeben.

Die Regierung von Präsident Wladimir Putin will sich zudem verstärkt um die Auslieferung im Exil lebender Tschetschenen bemühen. In einer Erklärung hieß es, der Überfall auf die Schule in Beslan, in der mehr als 1200 Geiseln gehalten wurden, werde "vielen im Westen helfen, das wahre Gesicht des Terrors zu erkennen und das Ausmaß ihres Irrtums zu begreifen". Besonders im Blick haben die russischen Behörden Mitarbeiter Maschadows wie Achmed Sakajew oder Iljas Achmadow, die in Großbritannien und den USA politisches Asyl genießen.

Das US-Außenministerium teilte jedoch mit, die Haltung Washingtons zum Tschetschenien-Konflikt habe sich nicht geändert und forderte eine politische Lösung.

Der russische Geheimdienst ging bereits vor der jetzt angekündigten Strategie des präventiven Erstschlags gegen im Ausland lebende Tschetschenen vor. Im Juni verurteilte ein Gericht im arabischen Emirat Katar zwei Russen zu lebenslanger Haft, weil sie im Februar dieses Jahres den tschetschenischen Ex-Präsidenten Selimchan Jandarbijew getötet haben sollen. Das Gericht vermutet den russischen Geheimdienst hinter dem Attentat - was Moskau bestreitet.

"Die russische Führung hat den Befehl erteilt, Jandarbijew zu töten", sagte der katarische Richter Ibrahim al-Nisf bei der Urteilsverkündigung. Er warf dem Kreml vor, den Mord staatlicherseits in Auftrag gegeben zu haben.

Jandarbijew hatte nach Erkenntnissen der russischen wie der amerikanischen Regierung und der Vereinten Nationen Verbindungen zum internationalen und tschetschenischen Terrorismus. So soll er den Anschlag tschetschenischer Rebellen auf das Ost-West-Theater in Moskau mitfinanziert haben, in dem im Oktober 2002 140 Menschen getötet wurden.

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