Jagd auf Bin Laden Amerikaner landen bei Dschalalabad

Als "teilweise dreckig und unangenehm" bezeichnet US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die anstehenden Aufgaben seiner Soldaten in Afghanistan. Neben der Offensive gegen Kandahar steht dabei die Jagd auf Osama Bin Laden ganz oben auf der Prioritätenliste. Den vermuten die USA in der Nähe von Dschalalabad.


US-Marines im Süden Afghanistans
REUTERS

US-Marines im Süden Afghanistans

Chaman/Washington - Nach Angaben der afghanischen Nachrichtenagentur AIP setzten US-Hubschrauber etwa 25 Elite-Soldaten in der Region um die nordafghanischen Stadt ab. US-Kampfflugzeuge hatten bereits in den vergangenen Tagen Höhlen und Tunnelanlagen in der Gegend massiv bombardiert.

In ihrer letzten Hochburg Kandahar leisten die Taliban derweil noch erbitterten Widerstand. Den Angreifern zufolge beteiligten sich an den Gefechten um den Flughafen Kandahar Hunderte Araber, die auf Seiten der Taliban im Sold des Terroristenführers Bin Laden stehen. "Die Araber kämpfen eisern. Sie wissen, dass sie nichts zu verlieren haben. Sie kämpfen bis zum Tod", sagte am Sonntag ein Sprecher der Taliban-Gegner.

Nach Angaben Colin Powells ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die USA ihre Kriegsziele in Afghanistan erreichen. Bin Laden werde gefasst, seine Gruppe al-Qaida zerschlagen und die Taliban völlig entmachtet, versicherte der US-Außenminister im Fernsehsender CBS.

Die USA setzten ihre Bombenangriffe auf Ziele um Kandahar nach Angaben von Augenzeugen am Sonntag fort. Die Taliban-Gegner rückten eigenen Angaben zufolge bis auf 25 Kilometer auf das Zentrum Kandahars vor. Die Schlacht um Kandahar steht nach Einschätzung der US-Armee nunmehr vor einem Wendepunkt. "Wohin die Taliban sich auch wenden, stoßen sie auf erheblichen Druck", sagte US-Major James B. Higgins auf dem Stützpunkt, den die US-Armee im Umland Kandahars errichtet hat.

"Im Norden und Südosten rücken die Taliban-Gegner vor und wir bedrohen sie von unserer Basis aus". Die Taliban würden mehr und mehr in die Zange genommen und "wir werden sie hoffentlich in naher Zukunft da herauskriegen", fügte der Major hinzu. Die US-Verbände bauten das Flugfeld am Sonntag weiter aus, ohne sich am Vormarsch auf die Stadt zu beteiligen. Higgins schloss jedoch nicht aus, dass sich auch die Marines an der Erstürmung der Stadt beteiligen könnten. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Die US-Luftwaffe setzte zudem ihre Angriffe auf den Flughafen von Kandahar und Ziele in der Umgebung der Stadt sowie auf die Grenzstadt Spin Boldak unvermindert fort. Dabei wurden nach Taliban-Angaben auch 13 Zivilisten getötet, wie die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP meldete. Aus dem Kampfgebiet gibt es keine unabhängige Bestätigung dieser Angaben.

Das US-Oberkommando in Tampa im US-Bundesstaat Florida teilte mit, Berichte über angebliche zivile Opfer bei den Angriffen am Samstag würden überprüft. Ein örtlicher Vertreter aus der Stadt Dschalalabad sagte, bei Bombenangriffen auf das Gebiet Tora Bora seien mindestens 20 Zivilisten getötet worden. Die USA vermuten in der Region Bin Laden in einer unterirdischen Höhlenfestung. Allerdings räumte Powell ein, Bin Laden könne auch irgendwo in einem Dorf untergetaucht sein. Die USA blieben ihm auf der Spur. Man gehe davon aus, dass er sich noch immer in Afghanistan aufhalte, und es gebe Gründe für die Annahme, dass er im südlichen oder östlichen Teil des Landes sei.

Massenflucht aus Kandahar

Tausende Menschen flohen vor den pausenlosen Luftangriffen der USA aus Kandahar. Wie der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge, Peter Kessler, sagte, sind seit der Intensivierung der Kämpfe in der vergangenen Woche rund 8000 Menschen in das benachbarte Pakistan geflohen. Demnach hätten rund 2.000 Menschen täglich die Stadt verlassen, sagte Kessler. Die Flüchtlinge berichteten, in Kandahar und auf den Straßen in Richtung Pakistan herrschten Chaos und Angst.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.