Jagd nach Bin Laden Bombenhagel auf Tora Bora

Immer wieder werfen amerikanische B-52-Flieger Bomben auf die afghanische Bergfestung Tora Bora, in der Terrorchef Osama Bin Laden vermutet wird. In der Taliban-Hochburg Kandahar kämpfen Clans offenbar nach wie vor um die Vorherrschaft.


Tora Bora: Anti-Taliban-Kämpfer beziehen Stellung
AFP

Tora Bora: Anti-Taliban-Kämpfer beziehen Stellung

Kabul/Islamabad - An den Einsätzen gegen mutmaßliche Aufenthaltsorte von Bin Laden beteiligten sich auch afghanische Anti-Taliban-Einheiten. Der britische Rundfunksender BBC zitierte einen Kommandeur der Nordallianz, es sei völlig sicher, dass sich Bin Laden in der Region verstecke.

Die Lage in der gefallenen Taliban-Hochburg Kandahar, wo sich Clanmilizen um die Kontrolle streiten, scheint dagegen unübersichtlich. Es sei unklar, ob die jüngste Vereinbarung des künftigen Chefs der Übergangsregierung Hamid Karzai mit den Milizen noch Bestand habe. Einwohner berichteten am Morgen von Maschinengewehrfeuer.

Auch US-Soldaten sind unterdessen in die Stadt vorgedrungen. Die afghanische Nachrichtenagentur AIP berichtete, sie hätten ein Haus des geflüchteten Taliban-Führers Mullah Mohammed Omar inspiziert.

Anti-Taliban-Kämpfer bei Tora Bora
AP

Anti-Taliban-Kämpfer bei Tora Bora

Washington beharrt darauf, Bin Laden und die Talibanführung vor ein Kriegsgericht zu stellen, falls sie lebend gefangen werden. Neuen Beweis für seine Schuld an den Anschlägen vom 11. September sehen sie in einem angeblich in Dschalalabad gefundenen Video des Terroristenführers.

Neuer Beweis für Verstrickung Bin Ladens

Das Video wurde Regierungskreisen zufolge im November aufgenommen und zeigt Bin Laden davon erzählend, wie er die Berichterstattung über die Anschläge am 11. September mit Gefolgsleuten verfolgt habe. Als das erste Flugzeug in einen der beiden Türme des World Trade Center in New York geflogen sei, hätten sich demnach Bin Ladens Gefährten überrascht gezeigt. Er jedoch habe sie aufgefordert, weiter zuzuhören, sagte ein Regierungsvertreter. Dann sei das zweite Flugzeug in den anderen Turm geflogen, "Es ist ganz klar, dass er davon wusste, bevor es passiert ist", sagte er. Möglicherweise werde das Band veröffentlicht, fügte er hinzu. Bei den Anschlägen sind bis zu 4000 Menschen ums Leben gekommen.

Das Videoband zeige, dass es keinen Zweifel an der Verantwortung Bin Ladens für die Anschläge gebe, sagte US-Vizepräsident Dick Cheney dem US-Fernsehsender NBC. Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz nannte das Verhalten Bin Ladens abscheulich. "Ich meine, da ist ein Mann stolz und vergnügt darüber, dass er Tausende von unschuldigen Menschen getötet hat. Es bestätigt alles, was wir schon von ihm wissen", sagte er dem US-Fernsehsender ABC.

Nach ihrer Gefangennahme werden Bin Laden und Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar Cheney zufolge vor ein Militärgericht in den USA gestellt. Eine Verhandlung vor einem internationalen Gericht schloss er aus. Wolfowitz sagte, möglicherweise könne auch ein afghanisches Gericht gegen Mullah Omar verhandeln. Die USA wollten aber sicher gehen, dass das in Afghanistan zu erwartende Urteil dem eines US-Gerichts entspreche. Auf die Frage, ob er damit ein Todesurteil meine, sagte er, "es kann etwas sehr Ähnliches heißen. Die Afghanen sind nicht für Großzügigkeit gegenüber denjenigen bekannt, die sie missbraucht haben."

Myers sagte im US-Fernsehen, nach jüngsten Informationen halte sich Bin Laden im Gebiet der Festung Tora Bora auf. Zuvor hatte die mit den USA verbündete Nordallianz berichtet, Bin Laden führe seine Leute persönlich in den heftigen Kämpfen um die Festung an.



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