Jagd nach Bin Laden Tora Bora unter Dauerfeuer

Ausräuchern werde man Bin Laden und seine Männer, hatte US-Präsident Bush angekündigt. Seine Militärs nehmen das wörtlich. In der Nacht setzten sie die Luftangriffe auf Tora Bora fort. Das neu aufgetauchte Bin-Laden-Video belegt in den Augen der Amerikaner eindeutig die Schuld des Terroristenführers an den Anschlägen vom 11. September.


Tora Bora: Anti-Taliban-Kämpfer beziehen Stellung
AFP

Tora Bora: Anti-Taliban-Kämpfer beziehen Stellung

Kabul/Washington - US-B-52-Flugzeuge werfen weiterhin Bomben auf die Bergfestung Tora Bora in Ostafghanistan. Die afghanischen Oppositions-Einheiten stießen aber weiter auf harten Widerstand von al-Qaida-Kämpfern, berichtete der amerikanische Fernsehsender CNN. Sie hätten so gut wie keine Geländegewinne gemacht.

Die über 4700 Meter hohe Bergregion nahe der pakistanischen Grenze gilt als letztes Rückzugsgebiet des Taliban-Regimes. Die USA gehen nach den Worten von Generalstabschef Richard Myers zudem davon aus, dass Osama Bin Laden sich mit etwa tausend Getreuen in der Umgebung der bei Dschalalabad gelegenen Bergfestung Tora Bora aufhält. Nach dem Fall der Provinz Sulman meldete die afghanische Nachrichtenagentur AIP: "Die Herrschaft der Taliban in Afghanistan ist vollständig zu Ende."

Anti-Taliban-Kämpfer bei Tora Bora
AP

Anti-Taliban-Kämpfer bei Tora Bora

Rund 30 US-Panzer bewegten sich am Montag Agenturmeldung zufolge auf die südafghanische Stadt Kandahar zu. Die Nachrichtenagentur AIP meldete unter Berufung auf Augenzeugen, die Panzer würden von Hubschraubern begleitet. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Ein Augenzeuge in Khaman an der Grenze zu Pakistan berichtete, auf dem Dach des früheren Wohnsitzes des Taliban-Chefs Mullah Mohammad Omar in Kandahar sei ein US-Soldat gesehen worden. Am Freitag hatten die Taliban in Kandahar, ihrer letzten Bastion, kapituliert. Die Stadt wurde von Kämpfern verschiedener afghanischer Taliban-Gegner eingenommen. Der Kapitulation waren heftige US-Luftangriffe vorausgegangen.

Washington beharrt darauf, Bin Laden und die Talibanführung vor ein Kriegsgericht zu stellen, falls sie lebend gefangen werden. Neuen Beweis für seine Schuld an den Anschlägen vom 11. September sehen sie in dem angeblich in Dschalalabad gefundenen Video des Terroristenführers.

Neuer Beweis für Verstrickung Bin Ladens

Das Video wurde Regierungskreisen zufolge im November aufgenommen und zeigt Bin Laden davon erzählend, wie er die Berichterstattung über die Anschläge am 11. September mit Gefolgsleuten verfolgt habe. Als das erste Flugzeug in einen der beiden Türme des World Trade Center in New York geflogen sei, hätten sich demnach Bin Ladens Gefährten überrascht gezeigt. Er jedoch habe sie aufgefordert, weiter zuzuhören, sagte ein Regierungsvertreter. Dann sei das zweite Flugzeug in den anderen Turm geflogen, "Es ist ganz klar, dass er davon wusste, bevor es passiert ist", sagte er. Möglicherweise werde das Band veröffentlicht, fügte er hinzu. Bei den Anschlägen sind bis zu 4000 Menschen ums Leben gekommen.

Das Videoband zeige, dass es keinen Zweifel an der Verantwortung Bin Ladens für die Anschläge gebe, sagte US-Vizepräsident Dick Cheney dem US-Fernsehsender NBC. Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz nannte das Verhalten Bin Ladens abscheulich. "Ich meine, da ist ein Mann stolz und vergnügt darüber, dass er Tausende von unschuldigen Menschen getötet hat. Es bestätigt alles, was wir schon von ihm wissen", sagte er dem US-Fernsehsender ABC.

Nach ihrer Gefangennahme werden Bin Laden und Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar Cheney zufolge vor ein Militärgericht in den USA gestellt. Eine Verhandlung vor einem internationalen Gericht schloss er aus. Wolfowitz sagte, möglicherweise könne auch ein afghanisches Gericht gegen Mullah Omar verhandeln. Die USA wollten aber sicher gehen, dass das in Afghanistan zu erwartende Urteil dem eines US-Gerichts entspreche. Auf die Frage, ob er damit ein Todesurteil meine, sagte er, "es kann etwas sehr Ähnliches heißen. Die Afghanen sind nicht für Großzügigkeit gegenüber denjenigen bekannt, die sie missbraucht haben."

Myers sagte im US-Fernsehen, nach jüngsten Informationen halte sich Bin Laden im Gebiet der Festung Tora Bora auf. Zuvor hatte die mit den USA verbündete Nordallianz berichtet, Bin Laden führe seine Leute persönlich in den heftigen Kämpfen um die Festung an.



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