Jagd nach den Terroristen Special Forces sollen Bin Laden aufspüren

Der muslimische Extremist Osama Bin Laden hat der britischen Regierung zufolge in einer bislang unveröffentlichten Video-Aufzeichnung seine Beteiligung an den Anschlägen in den USA eingeräumt. Die amerikanischen Spezialkräfte sollen sich in den Bergen Afghanistans jetzt auf seine Fersen heften.


Spezialeinheiten wollen sich jetzt an die Fersen von Osama Bin Laden heften
AP

Spezialeinheiten wollen sich jetzt an die Fersen von Osama Bin Laden heften

Kabul/Washington/London - Wenn es nach der Regierung in Washington geht, hat Osama Bin Laden nur noch wenig Zeit. Sie würde den mutmaßlichen Terroristenführer lieber heute als morgen dingfest machen. Doch die Suche nach Bin Laden gestaltet sich schwierig, auch wenn die Taliban militärisch in den letzten 24 Stunden empfindliche Schlappen hinnehmen mussten.

Für US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ist es die sprichwörtliche "Suche nach der Nadel im Heuhaufen". "Unsere Aufgabe ist es, die Führungsriege von al-Qaida und den Taliban zu finden. Das liegt noch vor uns", sagte Rumsfeld. "Es bleibt eine schwierige Aufgabe. Aber jeden Tag verbessern sich die Chancen, dass wir unsere Ziele erreichen."

Eine Aufgabe für die auf Extremsituationen vorbereiteten Special Forces. Sie sollen jetzt die Schlinge enger zuziehen und Bin Laden sowie die Führer der al-Qaida aufspüren.

Rumsfeld bestätigte, dass sich amerikanische Spezialeinheiten im Süden Afghanistans befinden - in einer Gegend, die bislang als Hochburg der Taliban galt. Anders als im Norden sollen die Kommandogruppen bei ihrer schwierigen Mission diesmal aber nicht mit einheimischen Taliban-Gegnern zusammenarbeiten.

Höhlen als Verstecke

Die USA vermuten, dass die Taliban-Führung und Bin Laden sich in Höhlen, unterirdischen Bunkern oder auf unwegsamem Gelände verstecken könnten.

Nach Einschätzung Rumsfelds gibt es drei Möglichkeiten, die die Taliban und die Führer von Bin Ladens Terrornetzwerk al-Qaida noch hätten. Möglichkeit eins: Sie versuchen sich im Süden neu zu organisieren. Möglichkeit zwei: Sie fliehen oder tauchen unter. Als dritte Option zieht der US-Minister auch ein Überlaufen der Gotteskämpfer in Betracht. Doch egal, was das Taliban-Regime auch plant, droht Rumsfeld, jede dieser Möglichkeiten führe schließlich zur Zerschlagung der Taliban.

Nach Erkenntnissen des pakistanischen Geheimdienstes haben inzwischen viele Anführer ihre Familien über die Grenze nach Pakistan geschickt. Der oberste Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar versucht danach offenbar, seine verbliebenen Anhänger um sich zu sammeln. Omar sei entweder zusammen mit Bin Laden unterwegs oder halte engen Kontakt zu ihm, vermuten die Geheimdienste.

"Wir sind Terroristen"

In London legte Premierminister Tony Blair unterdessen weitere Beweise vor, die zeigen sollen, dass Bin Laden Drahtzieher der Anschläge am 11. September war. Ein Sprecher zitierte Bin Laden am Mittwoch aus einem Videoband, auf dem Bin Laden die Terrorakte rechtfertigt: "Die Geschichte ist unser Zeuge, wir sind Terroristen."

Das Dokument beweise, dass der Großteil der 19 Luftpiraten, die am 11. September vier US-Passagierflugzeuge entführt hatten, in Verbindung zu Bin Laden standen.

Am Wochenende hatte die Zeitung "Sunday Telegraph" berichtet, das Video sei unter den Anhängern Bin Ladens kursiert, aber nicht veröffentlicht worden - auch nicht von dem arabischen Fernsehsender al-Dschasira, der zuletzt mehrere Erklärungen Bin Ladens und dessen Organisation al-Qaida veröffentlicht hatte.

In der Aufzeichnung habe Bin Laden den Anschlag auf das World Trade Center als gerechtfertigt bezeichnet. Die getöteten Menschen in den Zwillingstürmen seien keine Zivilisten gewesen und die Luftpiraten seien von Gott gesegnet, wird Bin Laden zitiert.

Die britische Polizei nahm am Mittwoch einen 30-Jährigen fest, der möglicherweise in Verbindung zu den Terroranschlägen vom 11. September in den USA steht. Eine Anti-Terror-Einheit von Scotland Yard fasste den Mann in einer Wohnung im Südwesten Londons. Sie folgte damit einer Bitte der amerikanischen Bundespolizei FBI, wie ein Polizeisprecher erklärte. Welche Rolle der Verdächtige bei den Anschlägen gespielt haben soll, wollte der Sprecher nicht sagen.

Keine Verbindungen zum Staatsterrorismus

Nach Erkenntnissen der amerikanischen Bundespolizei FBI gibt es weiterhin keine Hinweise darauf, dass Staaten zu den Anschlägen vom 11. September beigetragen haben. "Wir haben bisher keine Verbindungen zum Staatsterrorismus festgestellt", sagte der FBI-Abteilungsleiter für Internationale Terrorismusbekämpfung, Michael Rolince, am Mittwoch bei der Herbsttagung des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden.

Die Frage, ob weitere ähnliche Attentate verübt werden könnten, könne er nicht beantworten. Derzeit fahnde das FBI nach einem Mann, der ursprünglich vermutlich als fünfter Attentäter in dem über Pennsylvania abgestürzten Flugzeug hätte mitfliegen sollen. Einzelheiten nannte Rolince nicht. Für eine Beteiligung des Islamisten Osama Bin Laden an den Milzbrand-Anschlägen in den USA gebe es bislang keine Anhaltspunkte, sagte Rolince weiter. Das vom FBI erarbeitete Täterprofil deute eher auf einen einheimischen Täter hin. Mehr als 22.000 Labors in den USA dürften aus wissenschaftlichen Gründen mit dem Milzbrand-Erreger arbeiten.



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