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01. Januar 2019, 19:57 Uhr

Brasiliens Präsident vereidigt

Mit Peng-Peng durch die Straßen

Er will die "Gender-Ideologie" bekämpfen und den Zugang zu Waffen erleichtern: In Brasilien hat der Ultrarechte Jair Bolsonaro seinen Amtseid als Präsident abgelegt - und gleich gezeigt, was auf die Welt zukommt.

In einem offenen Rolls-Royce fuhr er gemeinsam mit seiner Ehefrau Michelle durch die Straßen, winkte seinen Fans zu - und formte mit Daumen und Zeigefinger eine Pistole und schoss in die Luft. In Brasilien ist der ultrarechte Ex-Militär Jair Bolsonaro als neuer Präsident vereidigt worden.

Der 63-Jährige legte am Dienstag im Kongress seinen Amtseid ab. Damit steuert die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas auf einen radikalen Richtungswechsel zu. "Wir haben jetzt die einzigartige Möglichkeit, unser Land neu aufzubauen", sagte Bolsonaro in seiner Rede vor den Parlamentariern.

Beobachter erwarten nach Bolsonaros Amtsantritt einen scharfen Rechtsruck im fünftgrößten Land der Welt. Manche sehen in ihm gar eine Gefahr für die noch junge Demokratie Brasiliens. US-Präsident Donald Trump gratulierte Bolsonaro via Twitter.

Bolsonaro, ein Hauptmann der Reserve, hatte sich immer wieder abfällig über Schwarze, Indigene und Homosexuelle geäußert und die Militärdiktatur in Brasilien gelobt. Er hat angekündigt, keine weiteren Schutzgebiete für indigene Gemeinschaften auszuweisen und den Zugang zu Waffen zu erleichtern.

Die Ideologie des neuen Staatschefs wird als "Bala, Boi e Bíblia" (Kugel, Vieh, Bibel) beschrieben. Evangelikale Christen, nationalistische Militärs und die neoliberale Wirtschaftselite unterstützten seinen Wahlkampf. Welche der Gruppen mit zum Teil sehr unterschiedlichen Interessen während Bolsonaros Amtszeit den Ton angeben wird, ist allerdings noch unklar.

"Ich werde unsere Werte verteidigen und die Gender-Ideologie bekämpfen", kündigte Bolsonaro in seiner Rede an. Der langjährige Abgeordnete verunglimpft immer wieder Schwule. Er ziehe es vor, seinen Sohn bei einem Verkehrsunfall zu verlieren, als einen homosexuellen Sohn zu haben, sagte er einmal.

In seiner Rede kündigte Bolsonaro einen "nationalen Pakt" an, um Brasilien voranzubringen. In den kommenden vier Jahren will der Rechtspopulist die weit verbreitete Korruption in dem größten Land Lateinamerikas bekämpfen, die Kriminalität eindämmen und die Wirtschaft ankurbeln. Zu seinem Kabinett zählen der prominente Anti-Korruptionsermittler Sergio Moro und der ultraliberale Wirtschaftswissenschaftler Paulo Guedes.

Kritiker befürchten, dass ein einfacherer Zugang zu Waffen die Gewalt nicht eindämmen, sondern verschärfen dürfte. Die Mordrate in Brasilien ist gewaltig: Im vergangenen Jahr wurden mehr als 63.000 Menschen getötet. Zum Vergleich: In Deutschland gab es im vergangenen Jahr etwa 730 Tötungsdelikte.

kha/dpa

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