Tod im Konsulat Der Fall Khashoggi - Daten und Fakten

Wo wurde der saudi-arabische Journalist Jamal Khashoggi zuletzt lebend gesehen? Was geschah dann? Was behauptet die Regierung in Riad? Eine Chronologie.
Konsulat von Saudi-Arabien in Istanbul

Konsulat von Saudi-Arabien in Istanbul

Foto: Lefteris Pitarakis/ picture alliance/dpa

Nach wochenlangem Lavieren hat Saudi-Arabien am Samstag die Tötung des prominenten Dissidenten und Journalisten Jamal Khashoggi zugegeben. Angeblich starb der 59-Jährige nach einem "Faustkampf" im Konsulat des Königreichs in Istanbul. Damit widerspricht die Regierung in Riad türkischen Berichten, wonach Khashoggi im Konsulat von einem Mordkommando getötet und zerstückelt worden sein soll.

Welche Version stimmt, muss geklärt werden. Dennoch gibt es Fakten, die unzweifelhaft feststehen. Hier sind sie in einer Zeitleiste:

2. Oktober: Jamal Khashoggi, Kritiker des mächtigen Kronprinzen Mohammed bin Salman, betritt das saudi-arabische Konsulat in Istanbul, um Dokumente für die geplante Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abzuholen. Diese wartet vergeblich auf seine Rückkehr.

3. Oktober: Die Verlobte und die "Washington Post", für die Kashoggi als Kolumnist schrieb, melden ihn als vermisst.

Jamal Khashoggi telefoniert während des Weltwirtschaftsforums in Davos im Jahr 2011

Jamal Khashoggi telefoniert während des Weltwirtschaftsforums in Davos im Jahr 2011

Foto: Virginia Mayo/ picture alliance/dpa

4. Oktober: Saudi-arabische Behörden behaupten, Khashoggi sei verschwunden, nachdem er das Konsulatsgebäude verlassen habe. Das türkische Außenministerium beruft den saudi-arabischen Botschafter wegen des Verschwindens ein.

5. Oktober: Die "Washington Post" druckt aus Solidarität eine leere Kolumne auf der Meinungsseite, mit der Überschrift "Eine Stimme, die fehlt".

6. Oktober: Die Türkei leitet formelle Ermittlungen zum Verschwinden Khashoggis ein. Der saudische Prinz Mohammed bin Salman gibt an, Khashoggi sei nicht im Konsulat, und bietet den türkischen Behörden an, das Gebäude zu durchsuchen. "Wir haben nichts zu verbergen."

7. Oktober: Ein enger Freund Khashoggis berichtet der Deutschen Presse-Agentur unter Berufung auf vertrauliche Informationen der türkischen Polizei, der Journalist sei im Konsulat getötet und zerstückelt worden.

Saudischer Kronprinz Mohammed bin Salman

Saudischer Kronprinz Mohammed bin Salman

Foto: Victoria Jones/ picture alliance/dpa

9. Oktober: US-Präsident Donald Trump sagt, er sei "besorgt". US-Außenminister Mike Pompeo ruft Saudi-Arabien auf, eine "gründliche Untersuchung" durchzuführen.

10. Oktober: Türkische Medien veröffentlichen Material über ein angebliches saudi-arabisches Mordkommando, das nach Istanbul gereist sei, um Khashoggi umzubringen.

12. Oktober: Ein Team aus Saudi-Arabien kommt in Ankara an, um zusammen mit türkischen Ermittlern das Verschwinden Khashoggis zu untersuchen. Das Königreich gerät immer stärker unter internationalen Druck, sich zu erklären.

14. Oktober: Trump kündigt eine "harte Bestrafung" an, sollte sich herausstellen, dass die Führung in Riad hinter Khashoggis Verschwinden steckt.

15. Oktober: Türkische Ermittler beginnen, das Konsulat in Istanbul nach Beweisen für das Verschwinden des Journalisten zu durchsuchen.

16. Oktober: US-Außenminister Pompeo trifft König Salman in Riad. Der US-Diplomat fliegt danach in die Türkei und trifft Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdogan

Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdogan

Foto: Umit Bektas/ REUTERS

17. Oktober: Türkische Ermittler durchsuchen die Residenz des saudi-arabischen Botschafters in Istanbul.

18. Oktober: US-Finanzminister Steven Mnuchin sagt seine Teilnahme an einer großen Investorenkonferenz in Riad ab. Er reiht sich damit in eine große Zahl von Politikern und Wirtschaftsvertretern ein, die die Veranstaltung boykottieren.

20. Oktober: Saudi-Arabien gibt den Tod Khashoggis im saudi-arabischen Konsulat zu. Er sei bei einem "Faustkampf" im Konsulat ums Leben gekommen, heißt es offiziell. Kronprinz Salman entlässt mehrere Mitarbeiter des Geheimdiensts und einen Hofberater (lesen Sie dazu die Geschichte: Der General und der Troll). International wird diese Version als absolut nicht glaubhaft gesehen.

yes/dpa
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