Fall Khashoggi CIA-Erkenntnisse setzen Trump unter Druck

Für die CIA ist die Sache laut Medienberichten klar: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hat die Tötung des Journalisten Khashoggi befohlen. Die Trump-Regierung äußert sich zurückhaltender.

Donald Trump vor dem Weißen Haus
AP

Donald Trump vor dem Weißen Haus


Die Hinweise auf die Beteiligung des saudischen Kronprinzen an der Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi sind vielfältig. Nun ist auch die CIA laut Medienberichten zu dem Schluss gekommen, dass Mohammed bin Salman den Auftrag erteilt habe. Das bringt US-Präsident Donald Trump in Zugzwang.

Die "Washington Post" hatte geschrieben, die CIA habe mehrere Quellen zum Fall Khashoggi ausgewertet - und sei zu einem klaren Ergebnis gekommen. Auch andere US-Medien berichteten über die Erkenntnisse der CIA.

Das US-Außenministerium allerdings äußert sich wesentlich zurückhaltender. Die Regierung habe in dem Fall noch keine abschließende Bewertung getroffen, teilte das Ministerium mit. "Die jüngsten Berichte, wonach die US-Regierung eine finale Schlussfolgerung gezogen hat, sind falsch", erklärte Ministeriumssprecherin Heather Nauert. Es gebe in Bezug auf die Ermordung des Journalisten noch "zahlreiche unbeantwortete Fragen".

"Ein spektakulärer Verbündeter"

Die Affäre hatte vor allem Saudi-Arabiens mächtigen Thronfolger Mohammed bin Salman - auch "MbS" genannt - in den vergangenen Wochen international in die Defensive gedrängt. Trump hingegen hatte sich bislang zögerlich gezeigt, gegen den Thronfolger vorzugehen. Die USA - und auch die Trump-Familie persönlich - unterhalten engste Beziehungen zu Saudi-Arabien.

An dieser Linie scheint der US-Präsident festzuhalten. Trump sagte am Samstagabend vor seinem Abflug nach Kalifornien, er sei noch nicht von der CIA über die Einschätzung zur Ermordung Khashoggis unterrichtet worden. Bislang sei ihm gesagt worden, dass der saudische Kronprinz keine Rolle bei der Tötung gespielt habe.

Seine Sprecherin Sarah Sanders sagte später, Trump habe während des Flugs mit CIA-Chefin Gina Haspel und Außenminister Mike Pompeo telefoniert.

Auf die Frage, ob es Konsequenzen haben werde, sollte "MbS" verantwortlich sein, hatte Trump am Morgen gesagt, er werde sich das anschauen.

Der Republikaner bezeichnete Saudi-Arabien aber erneut als "großartigen Verbündeten" und pries die wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Königreich. "Sie sind ein wirklich spektakulärer Verbündeter, was Jobs und die wirtschaftliche Entwicklung angeht." Als Präsident müsse er "viele Dinge" berücksichtigen, fügte Trump hinzu.

mal/dpa



insgesamt 30 Beiträge
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lattenkracher11 17.11.2018
1. Kann jemand ein Verbrecher sein
Wenn er Trump so ein schönes Schwert geschenkt hat? Viele Fragen sind noch nicht geklärt, zum Beispiel die Schuhgrößen der Attentäter. Irgendwie wird das verlogene Weiße Haus seine Geldgeber schon in Schutz nehmen.
cirus27 17.11.2018
2. ja, als präsident muß man viele dinge berücksichtigen...
...vor allem das familiengeschäft. vito corleone hätte es nicht besser sagen können. und, in der tat, ein spektakulärer verbündeter - die tarantino-nummer im konsulat, quasi im hausflur von erdogan, ist doch viel spektakulärer als das vergiften russischer ex-agenten in england. wahrscheinlich bemüht sich real@donald schon, natürlich über strohmännder, um die filmrechte...
Sensør 17.11.2018
3. Trump unter Druck?
Den Druck merkt Tump doch gar nicht. Und dem amerikanischen Volk interessiert es auch nicht. Es wird Zeit, dass die Berichtserstattungen mal an die neuen poltischen Weltbedingungen angepasst werden, sonst liest bald gar keiner mehr Zeitung.
CancunMM 17.11.2018
4.
Und dieser POTUS soll nicht korrupt sein? Korruption fängt nicht erst da an, dass man Vorteile erhält für eine Gegenleistung, sondern schon wenn es auch nur den Anschein hat mein Urteil ist durch eine Vorleistung beeinflusst.
dasfred 17.11.2018
5. Gott sei Dank, Trump bleibt sich treu
Ich hatte beinahe die Befürchtung, wenn man MbS direkt in Verbindung bringen kann, müsste man die schönen Rüstungsgeschäfte platzen lassen. Zum Glück ist der orangeste Präsident aller Zeiten in der Lage, Geschäft und Moral vollkommen getrennt zu bewerten. Wenn plötzlich westliche Wertvorstellungen Einfluss auf den Waffenhandel nehmen, dann berauben sich die USA selbst vieler Möglichkeiten. Ein Präsident, der im Wahlkampf faselte, er könnte mitten in New York jemanden erschießen und niemand kümmert es, der kann auch einem MbS nicht übel nehmen, wenn dieser einen Mord anordnet. Achtung, enthält Satire.
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