Fall Khashoggi CIA soll Tonband besitzen, das saudischen Kronprinzen schwer belastet

"So schnell wie möglich zum Schweigen bringen": Hat der saudische Kronprinz den Auftrag zum Mord an Jamal Khashoggi erteilt? Ein türkischer Journalist meldet, die CIA besitze ein Tonband, das genau das nahelege.

Mohammed bin Salman
BANDAR ALGALOUD HANDOUT/EPA-EFE/REX

Mohammed bin Salman


Die CIA soll ein Telefonat mitgeschnitten haben, in dem Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman - MBS genannt - seinem Bruder Khaled bin Salman den Auftrag gab, "Jamal Khashoggi so schnell wie möglich zum Schweigen zu bringen". Das behauptet der türkische Journalist Abdulkadir Selvi in seiner Kolumne für die Zeitung "Hürriyet".

Die CIA-Direktorin Gina Haspel habe während ihres Besuchs in Ankara im vergangenen Monat "signalisiert", dass eine Aufnahme dieses Telefonats zwischen den Brüdern Mohammed und Khaled existiere. Khaled bin Salman ist der Botschafter Saudi-Arabiens in Washington. Khashoggi hatte seit 2017 in den USA gelebt.

Selvi berichtet unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen, dass sich der Kronprinz und sein Bruder über die "Unannehmlichkeiten" unterhielten, die durch Khashoggis Kritik am saudischen Königshaus entstanden seien.

Was den Bericht so brisant macht: Der Autor der "Hürriyet"-Kolumne ist ein enger Vertrauter des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan. Der Zeitpunkt des Artikels ist deshalb kaum zufällig gewählt, sondern kann als Reaktion der türkischen Regierung auf die jüngsten Erklärungen von Donald Trump gewertet werden. Der US-Präsident hatte erklärt, dass Saudi-Arabien trotz der Ermordung Khashoggis am 2. Oktober im Istanbuler Konsulat, ein "unverbrüchlicher Partner" der Vereinigten Staaten bleiben werde.

Er halte eine Mitwisserschaft von Kronprinz Mohammed bin Salman in dem Fall zwar für möglich, aber nicht für bewiesen, teilte Trump mit. "Es könnte sehr gut sein, dass der Kronprinz Kenntnis von diesem tragischen Vorfall hatte - vielleicht hatte er das und vielleicht hatte er das nicht." Später dankte Trump dem Königreich für die gefallenen Ölpreise.

syd/pop/Reuters



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