Fall Khashoggi Trump nennt Saudi-Arabiens Erklärung glaubhaft

Der seit Wochen verschwundene Journalist Kashoggi ist angeblich bei einem Faustkampf gestorben, sagt Saudi-Arabien. US-Präsident Trump spricht von einem "guten ersten Schritt", Kongressabgeordnete äußern Zweifel.

Donald Trump
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Donald Trump hat die Festnahmen in Saudi-Arabien im Zusammenhang mit dem Tod des Journalisten Jamal Khashoggi begrüßt. Der US-Präsident hält den Fall nach eigenen Angaben aber noch nicht für restlos aufgeklärt. "Es ist nur ein erster Schritt, aber es ist ein großer erster Schritt", sagte Trump am Freitagabend in Arizona.

Trump wollte keine öffentlichen Zweifel an der offiziellen Darstellung Saudi-Arabiens zum Tod Khashoggis äußern, betonte aber auch: "Wir haben einige Fragen." Er wolle deshalb mit Kronprinz Mohammed bin Salman sprechen. Er glaube nicht, dass ihn die saudische Führung angelogen habe, sagte Trump weiter.

Die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA hatte berichtet, Khashoggi sei in Folge eines Streits und eines Faustkampfes im saudischen Konsulat in Istanbul gestorben. Im US-Kongress gab es parteiübergreifend erhebliche Zweifel an der Darstellung. Zuvor hatte die saudische Führung wiederholt dementiert, dass der Journalist und Regimekritiker im Konsulat getötet wurde.

"Ein erster guter Schritt"

Auf die Frage, ob er die Erklärung Saudi-Arabiens für glaubhaft halte, sagte Trump: "Das tue ich. Aber nochmals, ich meine, es ist früh, wir haben unsere Überprüfung noch nicht abgeschlossen." Der Präsident fügte hinzu: "Ich denke, wir kommen der Lösung eines sehr großen Problems nahe." Die saudische Führung habe einen "vollständigen Bericht" angekündigt. "Sie haben eine große Anzahl an Menschen festgenommen, das ist ein guter erster Schritt." Der Tod Khashoggis sei "inakzeptabel".

US-Kongressmitglieder äußerten sich kritisch zu der Darstellung Saudi-Arabiens. "Es wäre eine Untertreibung zu sagen, dass ich der neuen saudischen Schilderung zum Tod von Herrn Khashoggi skeptisch gegenüberstehe", teilte der republikanische US-Senator Lindsay Graham auf Twitter mit.

"Erst haben wir erzählt bekommen, dass Herr Khashoggi das Konsulat angeblich verlassen hat, und es gab ein pauschales Dementi jeglicher saudischer Verstrickung", schrieb Graham. "Jetzt bricht ein Streit aus, und er wird im Konsulat getötet, alles ohne Wissen des Kronprinzen."

"Einfach nicht glaubwürdig"

Der Abgeordnete Eliot Engel, der ranghöchste Vertreter der Demokraten im Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses, teilte mit: "Die Erklärung der saudischen Behörden von heute Nacht ist einfach nicht glaubwürdig, besonders, weil sich die Geschichte in den vergangenen Tagen so stark geändert hat." Er forderte die US-Regierung auf, Druck für eine "gründliche und transparente Untersuchung" auszuüben.

Das Weiße Haus äußerte sich in einer ersten Stellungnahme zum Tod Khashoggis nicht zu möglichen Konsequenzen für Saudi-Arabien. Darin hieß es: "Die Vereinigten Staaten nehmen die Mitteilung des Königreichs Saudi-Arabien zur Kenntnis, dass seine Ermittlungen zum Schicksal von Jamal Kashoggi voranschreiten und dass es gegen die bislang identifizierten Verdächtigen vorgeht." Man werde die internationalen Untersuchungen weiterhin genau verfolgen.

Trump wandte sich jedoch erneut klar dagegen, Waffen- und andere Geschäfte mit Saudi-Arabien mit einem Umfang von nach seinen Worten insgesamt 450 Milliarden Dollar aufzukündigen, sollte es zu Sanktionen kommen. Davon könnten "mehr als eine Million Jobs" betroffen sein. Er werde in der Frage möglicher Sanktionen mit dem Kongress zusammenarbeiten. Trump betonte erneut die bislang enge Kooperation mit dem Verbündeten Saudi-Arabien. "Wir brauchen sie als Gegengewicht zu Iran", sagte er. Das sei "nicht die leichteste Situation".

yes/dpa/Reuters

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susuki 20.10.2018
1.
Klar. Khashoggi wurde eine body slamming 2.0 unterzogen. Warum wundert mich Trumps Reaktion nicht?
jomai 20.10.2018
2. Ja klar...
..und Babys bringt der Storch.
nathan13 20.10.2018
3. Das ist ein sehr guter erster Schritt...
....das ist eine sehr, sehr gute Geschichte, die sie uns da präsentieren, das ist sehr, sehr hilfreich, es zu glauben, leider haben sie etwas lange gebraucht, not good, ich werde noch ein paar Fragen stellen, um mein sehr, sehr dummes Gefolge noch eine Weile zu beschäftigen, brauche Zeit, bis Gras über die Sache gewachsen ist, schwierig, muss irgendwie weiterhin die besten Waffen der Welt aus der besten Produktionsstätte der Welt an die bösen Männer verkaufen, damit unsere sehr, sehr gute Wirtschaft, die beste Wirtschaft der Welt, nicht leidet, sehr, sehr schwierig.....verstehe die ganze Aufregung auch gar nicht, Prügeln ist doch für Männer eine sehr, sehr gute Sache, very good....
die-metapha 20.10.2018
4.
Selbst wenn diese Version "glaubhaft" wäre würde dies nichts daran ändern, dass von Seiten SA bisher gelogen wurde und man obendrein J. Khasgoggis sterblichen Überreste heimlich aus dem Konsulat verbracht hat. So etwas geschieht nicht, ohne zuvor Rücksprache genommen zu haben. Das war eine geheimdienstliche Operation - sehr stümperhaft ausgeführt - aber letztlich in der Summe ein nicht zufälligen Dynamiken unterliegendes Geschehen, wie es da von Seiten SA suggeriert werden soll. Es handelte sich da um einen Journalisten, welcher aus dem Exil kritisch über das SA Königshaus berichtete. Die Zusammenhänge und Hintergründe sind ganz offensichtlich. Das sollte von sämtlichen westlichen und freien Regierungen - aber auch den USA - so an das saudische Königshaus in Form einer Protestnote gehen und ganz klar und scharf verurteilt werden. Was Trump hier an den Tag legt ist gelinde gesagt Schwachsinn. Ein guter erster Schritt? - so etwas kann nur ein Dummkopf behaupten.
kuac 20.10.2018
5. Warum verteidigt Trump SA?
Bei einem Faustkampf umgekommen? Nicht glaubwürdig. Warum berichtete SA denn nicht gleich von dem Vorfall und gab die Leiche zur Untersuchung durch einen Gerichtsmediziner nicht frei? Stattdessen kommt ein Spezialkommando aus Riad? Wofür? Wo iat die Leiche jetzt? Ich glaube eher, dass es ein Mord im Auftrag des Staates war um weltweit alle Kritiker zu warnen. Der Westen muss jetzt handeln und ein Zeichen setzen. Ansonsten wird das Morden an Kritiker weitergehen. Trump ist ein Heuchler und Lügner. Auf ihn sollte man nicht warten.
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