Getöteter Journalist Saudi-Arabien liefert Verdächtige im Fall Khashoggi nicht an Türkei aus

Die Türkei fordert von Saudi-Arabien die Auslieferung der Verdächtigen im Fall des getöteten Journalisten Jamal Khashoggi - Riad signalisierte jetzt deutliche Ablehnung.

Saudischer Außenminister Abdel al-Jubeir
REUTERS

Saudischer Außenminister Abdel al-Jubeir


"Sie sind in Saudi-Arabien inhaftiert, die Ermittlung findet in Saudi-Arabien statt und sie werden in Saudi-Arabien strafrechtlich verfolgt": Saudi-Arabiens Außenminister Abdel al-Jubeir hat der Forderung der Türkei eine Absage erteilt, die im Fall des getöteten Journalisten Jamal Khashoggi festgenommenen Verdächtigen der Türkei zu übergeben.

Die türkische Regierung hatte am Freitag eine Auslieferung der Verdächtigen gefordert, die im Zusammenhang mit Khashoggis Tötung im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul festgenommen worden waren. Der Regierungskritiker Khashoggi war Anfang Oktober in das Konsulat gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Danach verschwand er.

Türkische Ermittler gehen davon aus, dass ein Killerkommando aus Saudi-Arabien den regierungskritischen Journalisten am 2. Oktober im Konsulat in Istanbul ermordete. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht von einem "politischen Mord". Am Sonntag reist Saudi-Arabiens Generalstaatsanwalt Saud bin Abdullah al-Muajab nach Istanbul, um dort mit seinem türkischen Amtskollegen Irfan Fidan über den Fall zu sprechen.

US-Verteidigungsminister James Mattis sieht in der Tötung Khashoggis eine Gefährdung für die Stabilität in Nahost. Gleichzeitig kündigte er weitere Schritte der USA gegen die mutmaßlichen Täter an. Der Mord an Jamal Khashoggi in einer diplomatischen Vertretung müsse alle beunruhigen, erklärte Mattis in einer vorab veröffentlichten Rede, die er auf einer Sicherheitskonferenz in Manama, der Hauptstadt von Bahrain, halten wollte.

Wenn ein Staat darin scheitere, internationale Normen und rechtsstaatliche Prinzipien zu beachten, werde die regionale Stabilität in einer Zeit untergraben, in der sie besonders nötig sei, hieß es weiter. Im Redetext befand sich kein direkter Bezug zum saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, der im Verdacht steht, die tödliche Attacke auf den Journalisten angeordnet zu haben. Die USA hatten im Zusammenhang mit der Tötung 21 saudi-arabischen Staatsbürgern die Einreise verboten.

Am Donnerstag hatte die Staatsanwaltschaft in Saudi-Arabien erstmals erklärt, der Journalist sei im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul Anfang Oktober vorsätzlich getötet worden. Ursprünglich hatten die Behörden in Riad abgestritten, etwas mit dem Verschwinden Khashoggis Anfang Oktober zu tun zu haben. Später hieß es, der 59-Jährige sei bei einer Schlägerei in dem Konsultat ums Leben gekommen. Die Justiz in Saudi-Arabien gilt als nicht unabhängig.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt in einem Telefonat den saudischen König Salman aufgefordert, den Fall aufzuklären, und drohte internationale Strafmaßnahmen an. Im Lichte der laufenden Entwicklungen stehe Deutschland bereit, zusammen mit internationalen Partnern "angemessene Maßnahmen" zu ergreifen, erklärte Merkel ohne nähere Erläuterung weiter.

ulz/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 53 Beiträge
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fht 27.10.2018
1. Bei dem, was man
in der Türkei unter "Rechtsstaat" versteht, würden wohl viele andere Länder auch keine eigenen Staatsangehörigen ausliefern (dürfen).
Hermes75 27.10.2018
2. Klartext reden
Irgendwie ist es befremdlich zu lesen, dass Khashoggi bei seinem Besuch des saudischen Konsuats in Istanbul "verschwunden" sei. Warum ist es nicht möglich zu schreiben was passiert ist? Die saudische Regierung hat einen kritischen Journalisten in eine Fall gelockt, gefoltert, getötet, zerstückelt, die Leiche beseitigt und anschließend die Weltöffentlichkeit wochenlang darüber belogen bis die Last der Beweise es unmöglich machte das Verbrechen weiter zu leugnen. Das war keine spontane Tat von ein paar Geheimdienstlern, die auf eigene Faust gehandelt haben, das war auch kein "Unfall" - das war Mord - Mord im Auftrag einer Regierung die bei jeder Gelegenheit die Menschenrechte mit Füßen tritt. Eine Regierung die Kriegsverbrechen begeht und Hunger und Not über Millionen Menschen im Jemen gebracht hat. Es ist an der Zeit zu überdenken ob man mit diesem mörderischen Regime weiter Beziehungen haben will. Es gibt genügend Bespiele was man mit Staaten machen kann die Verbrechen dieser Größenordnung begehen.
abuyazid 27.10.2018
3. Harte Sanktionen
sind notwendig. Die Saudis denken die können problemlos wie der ISIS vor aller Welt Leute abschlachten. Das geht so nicht. Isolieren und bestrafen
mexani 27.10.2018
4. Fatallismus
Die Saudis werden wohl damit durchkommen. Sie haben einfach zu viel Geld. Der Kapitalismus zeigt immer mehr seine hässliche Fratze. Wer genug Geld hat(oder genug Arbeitsplätze schafft) ist nicht mehr zu belangen. So lange das Geschäft läuft ist jedes Mittel recht, quasi mafiös.
westin 27.10.2018
5. Wohin mit den Verdächtigen
Sie müssen nach Den Haag gebracht werden vor den internationales Gerichtshof. Dann erübrigt sich auch der Streit zwischen der Türkei und SA. Mit Morden an Journalisten ist nicht zu spassen.
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