Saudi-Arabien US-Präsident Trump will Bericht zum Khashoggi-Mord veröffentlichen

Der US-Geheimdienst hält den saudischen Kronprinzen bin Salman für den Auftraggeber am Mord des Kritikers Khashoggi. Nun will sich die US-Regierung dazu äußern - und Details verraten.

Donald Trump
JIM LO SCALZO/EPA-EFE/REX

Donald Trump


Der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA ist sich laut Medienberichten sicher, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman den Mord an Jamal Khashoggi beauftragt hat. Nun kündigten die USA an, bis Dienstag einen umfassenden Bericht zur Tötung des saudi-arabischen Journalisten zu veröffentlichen.

In dem "sehr umfassenden Bericht" würden "allgemeine Auswirkungen" angesprochen, sowie die Fragen "wer es (die Tötung) veranlasst hat und wer es getan hat", sagte US-Präsident Donald Trump. "Das war eine schreckliche Sache, diese Tötung eines Journalisten", fügte er hinzu. Dies "hätte nie passieren dürfen".

Die Affäre hat Mohammed bin Salman in den vergangenen Wochen international in die Defensive gedrängt. Trump hingegen hatte sich bislang unter Verweis auf die guten Geschäfte, Waffendeals und die Stabilität in Nahost zögerlich gezeigt, gegen den Thronfolger in Saudi-Arabien vorzugehen.

Die EU will unterdessen "angemessene Maßnahmen" gegen die Verantwortlichen prüfen. Nach einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes aus der Nacht zum Sonntag haben Außenminister Heiko Maas und seine EU-Kollegen eine Erklärung der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini vereinbart, nach der "weitere Klärung zu den Umständen des schrecklichen Verbrechens" notwendig sei.

CIA stellt Tötung anders dar als saudi-arabische Ermittler

US-Medien hatten zuvor berichtet, dass die CIA zu der Einschätzung gelangt sei, dass Kronprinz Mohammed bin Salman selbst die Tötung des Journalisten im Konsulat in Istanbul angeordnet habe. Dies gehe aus abgehörten Telefonaten hervor. Das Außenministerium in Washington stellte am Samstag klar, dass noch keine abschließende Bewertung im Fall Khashoggi getroffen worden sei.

Die Einschätzung der CIA steht in krassem Gegensatz zur jüngsten Darstellung der saudi-arabischen Ermittler. Demnach haben hochrangige Regierungsmitarbeiter ein 15-köpfiges Spezialteam zur Ausführung der Tat auf eigene Faust losgeschickt. Der saudische Generalstaatsanwalt forderte am Donnerstag für fünf Tatbeteiligte die Todesstrafe.

"Die jüngsten Berichte, wonach die US-Regierung eine finale Schlussfolgerung gezogen hat, sind falsch", sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, zu den Medienberichten über die Erkenntnisse der CIA. Es gebe in Bezug auf die Ermordung des Journalisten noch "zahlreiche unbeantwortete Fragen". Man sei entschlossen, alle Beteiligten zur Verantwortung zu ziehen.

Der im US-Exil lebende Khashoggi wurde am 2. Oktober in dem Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul umgebracht. Dort wollte er Dokumente für seine Hochzeit abholen. Unter immensem internationalen Druck gab Riad erst viel später den Tod des "Washington Post"-Kolumnisten zu. Nach bisherigen Kenntnissen wurde der Journalist gleich nach seiner Ankunft im Konsulat getötet. Seine Leiche ist bis heute nicht gefunden worden.

kha/dpa/Reuters

insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Poli Tische 18.11.2018
1. Und das Morden geht weiter.....
.... bevor der Täter Mohammed bin Salman fällt, werden noch Köpfe rollen..... Nun, da es nichts mehr zum Vertuschen gibt, bewegt sich Trump und mutiert zum "Anführer" gegen Salman. Europa und die Welt - es wird sich zeigen, was für Konsequenzen gegen Saudi Arabien gezogen werden.
kuac 18.11.2018
2. Ablenkung
Wozu sollen weitere Details für die Öffentlichkeit nützlich sein? Trump selbst kennt den Fall und wenn er wollte, hätte er längst ein Waffenembargo gegen Saudi Arabien fordern und einführen können. Das lehnt er aber ab.
okav 18.11.2018
3. Wo ist die Leiche
Das ist das mindeste, was die Saudische zur Aufklärung liefern müssen.
PeaceNow 18.11.2018
4. Spielt alles an sich keine Rolle
Denn auch bisher gab es für Saudiarabien keinerlei Konsequenzen , trotz weltweiter jahrzehntelanger Terrorismusfinanzierung, trotz Finanzierung und Bewaffnung diverser Terrorgruppen in Syrien, Irak und Libanon, trotz Finanzierung der 9-11 Attentäter, trotz milliardenschwerer Finanzierung und weltweiter Missionierung mit dem salafistisch wahabitischen Steinzeitislamismus, trotz Monarchendiktatur und pausenlosen Menschenrechtsverletzungen, sowie trotz des brutalen Krieges und Kriegsverbrechen im Jemen. Weil Saudiarabien bis heute der größte Waffenkäufer, Auslandsinvestor und Staatsanleihenkäufer in den USA ist. Dazu der stärkste Gegenpol zum Iran. Und bis heute erblöden sich dennoch neben Trump auch zahlreiche hochrangige europäische wie leider auch deutsche Politiker, Saudiarabien als Verbündeten und regionalen Stabilitätsgaranten zu bezeichnen. Das alles wird dazu führen das trotz aller bisherigen und wohl noch kommenden Verbrechen und Schweinereien der Saudis, es dennoch keine nennenswerten Konsequenzen für sie geben wird, mit Ausnahme einiger kosmetischer die man wegen Kashohgi aus Medienwirksamkeit wohl machen muss. Mammon und Interessen überwiegen wie so oft jeder Moral und Werten. Leider.
K:F 18.11.2018
5. Warum überhaupt Konsequenzen?
Trump hat doch als einziger ganz einfach erklärt was wichtig ist. Das Geschäft mit den Saudis. Da zählen Menschenrechte und Menschenleben nicht viel. Wieso darf sich die USA erdreisten, überhaupt Recht zu sprechen? Das läuft alles nach Gutdünken bei Trump besonders, und in der jeweiligen Regierung ab. Der Iran wird unter schärfste US Sanktionen gestellt, die Saudis morden ganz ungeniert. Die UNO und Den Haak schauen zu.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.