Nach Tötung in Istanbul Türkei erwägt Uno-Untersuchung von Mord an Khasoggi

US-Präsident Trump hält trotz der Tötung des Journalisten Khashoggi zur Führung Saudi-Arabiens. Die Türkei fordert derweil mehr Aufklärung - und will die Auftraggeber zur Verantwortung ziehen.

Mevlüt Cavusoglu mit Mike Pompeo
AP

Mevlüt Cavusoglu mit Mike Pompeo


Die Türkei hat von Saudi-Arabien mehr Kooperationsbereitschaft bei der Aufklärung des Mordes am Journalisten Jamal Khashoggi gefordert. "Wer auch immer den Auftrag gegeben hat, sollte zur Verantwortung gezogen werden", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu bei einem Besuch in Washington. Die Türkei habe in der Angelegenheit bislang noch keine ausreichenden Antworten von der Führung in Riad erhalten. Sollte dies nicht geschehen, könnte sein Land eine Untersuchung der Vereinten Nationen beantragen, sagte Cavusoglu nach einem Treffen mit seinem US-Amtskollegen Mike Pompeo.

Cavusoglu sagte, er habe über das Thema bereits auch mit Uno-Generalsekretär Antonio Guterres beraten. Zugleich betonte er, die Türkei wolle weiterhin gute Beziehungen zu Saudi-Arabien unterhalten.

Trump über MbS: Vielleicht hat er es gewusst, vielleicht nicht

Kurz zuvor hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, an den engen Beziehungen zu Riad festhalten zu wollen - auch wenn sich erweisen sollte, dass Kronprinz Mohammed bin Salman, kurz MbS, das Tötungskommando nach Istanbul entsandte. Trump teilte mit: "Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, ein unverbrüchlicher Partner Saudi-Arabiens zu bleiben."

Der US-Präsident schloss zwar nicht aus, dass Kronprinz Mohammed von dem Plan zur Tötung des Journalisten "Kenntnis gehabt" haben könnte, fügte aber sogleich hinzu: "Vielleicht hatte er dies und vielleicht auch nicht!"

Aus einem Bericht des US-Auslandsgeheimdiensts CIA soll dieser Tage hervorgehen, ob der in Saudi-Arabien als Opfer einer Verschwörung inszenierte MbS der Auftraggeber war. Die "Washington Post" berichtet unter Berufung auf mehrere Quellen bereits, dass die CIA den Kronprinzen als Drahtzieher hinter dem Mord an Khashoggi sieht.

Der regierungskritische Journalist war am 2. Oktober verschwunden, nachdem er das Saudi-arabische Konsulat in Istanbul betreten hatte. Erst nach wochenlangem internationalen Druck gab die Führung in Riad zu, dass der Journalist von Agenten des Königreichs getötet wurde. Das saudische Königshaus beteuerte aber, nichts von alldem gewusst zu haben.

"Saudi-Arabien first" oder "America first"?

Der Fall Khashoggi hat die USA in eine extrem schwierige Lage gebracht, da die engen Beziehungen zu Saudi-Arabien ein zentraler Baustein von Trumps Nahostpolitik sind. Das Königreich ist der weltweit größte Käufer von US-Rüstungsgütern und ein wichtiger Investor in den USA.

Trump warnte vor einem Bruch mit Riad. Auch die Ölpreise würden "durch die Decke gehen", sagte er kurz vor seiner Abreise zu einem verlängerten Thanksgiving-Wochenende. All das sei nicht im Interesse der USA, persönliche finanzielle Motive spielten dagegen keine Rolle. Er sagte: "Ich mache keinerlei Geschäfte mit Saudi-Arabien."

Für sein Bekenntnis zu Saudi-Arabien wird Trump auch aus der eigenen Partei kritisiert. Der republikanische Senator Bob Corker warf dem Weißen Haus vor, wie eine "PR-Firma" für MbS zu agieren. Senator Jeff Flake schrieb, "großartige Verbündete" würden nicht den Mord an Journalisten planen. Der republikanische Senator Rand Paul teilte mit: Er sei sich "ziemlich sicher", dass Trumps Erklärung "Saudi-Arabien first" bedeute, "nicht America first".

apr/AFP/Reuters/dpa



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