Getöteter Journalist Foleys Eltern sollen von US-Regierung unter Druck gesetzt worden sein

Hat die US-Regierung die Eltern von James Foley davon abgehalten, Lösegeld an die IS-Terroristen zu zahlen? Das behauptet die Mutter des getöteten Journalisten. Ein Sprecher von Präsident Obama weist den Vorwurf zurück.

Diane und John Foley am 20. August: "Lästige Angelegenheit" für US-Regierung
AP

Diane und John Foley am 20. August: "Lästige Angelegenheit" für US-Regierung


Washington - Die Mutter des im Irak von IS-Dschihadisten getöteten US-Journalisten James Foley macht der US-Regierung von Präsident Barack Obama massive Vorwürfe. Nach ihren Angaben wurde die Familie vor juristischen Maßnahmen gewarnt, sollte sie versuchen, Lösegeld für ihren Sohn aufzutreiben. Das sagte Diane Foley dem US-Sender CNN. Die Entführung ihres Sohnes sei für die US-Regierung eine "lästige Angelegenheit" gewesen.

Zudem sei der Familie mitgeteilt worden, dass keine Gefangenen im Austausch für Foley freigelassen würden und die US-Regierung auch keine militärischen Mittel einsetzen werde, sagte Diane Foley. Ihr Sohn habe bis zuletzt darauf vertraut, dass sein Land ihm zu Hilfe komme, sagte sie.

Die US-Regierung wies die Vorwürfe zurück, nicht alles für Foleys Befreiung getan zu haben. Die Rückkehr und Befreiung des Journalisten sei bis zuletzt eine Priorität für Washington gewesen, sagte ein Sprecher von US-Präsident Obama am Freitag. Auch Anschuldigungen, die Angehörigen seien mit der Androhung von rechtlichen Konsequenzen vor der Zahlung von Lösegeld gewarnt worden, bestritt eine Außenamtssprecherin.

Obamas Sprecher Josh Earnest sagte, es sei konsequente US-Politik, kein Lösegeld zu zahlen, weil dadurch mehr Menschen in noch größere Gefahr gerieten. Überdies habe Obama "jedes Mittel zu seiner Verfügung" genutzt, um den Journalisten zu befreien, darunter auch einen "hoch riskanten" Militäreinsatz.

Außenamtssprecherin Marie Harf sagte, ihr Haus habe nichts getan, was als Drohung betrachtet werden könne. US-Außenminister John Kerry sagte, er sei "bestürzt" über die Vorwürfe. Er habe mit seinen Regierungskollegen so hart wie möglich gearbeitet, um eine Befreiung Foleys zu erreichen.

Bewaffnete Männer hatten den 40-jährigen Foley im November 2012 im Norden Syriens verschleppt. Ein im August ins Internet gestelltes Video zeigt Szenen von Foleys Enthauptung durch einen vermummten Kämpfer der Dschihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS). Der Journalist war für die Website "GlobalPost", die Nachrichtenagentur AFP und andere Medien tätig.

Familie gründet Stiftung

Foleys Eltern Diane und John gaben am Freitag zudem in ganzseitigen Zeitungsanzeigen und auf einer Website die Gründung des James W. Foley Legacy Fund bekannt - einer Stiftung, die Entführungsopfer und US-Krisenreporter unterstützen soll. Sie riefen zu Spenden auf, um zu unterstützen, wofür sich ihr Sohn sein Leben lang eingesetzt habe.

"Jim ist nicht umsonst gestorben. Bitte helfen Sie uns, auf seinem Vermächtnis etwas aufzubauen", erklärten die Eltern. Auch dort wiederholten sie ihre Kritik an der US-Regierung. Sie hätten wie die Familien vieler anderer US-Geiseln "die verheerenden Folgen einer inkonsistenten, undurchsichtigen und unverantwortlichen Politik von Regierungen bei Geiselnahmen erfahren", hieß es auf der Website. "Das muss sich ändern."

yes/AFP

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wolle0601 13.09.2014
1. Den Schmerz kann ich verstehen
aber er macht wohl auch blind. In einem haben die Eltern recht: Es sollte eine weltweit konsistente Politik sein, bei Entführungen nichts oder höchstens mit Kugeln zu zahlen. Alles andere bestätigt nur das Geschäftsmodell und erzeugt neues Leid.
Linus Haagedam 13.09.2014
2. ...und wenn, wäre es sehr bitter für die Eltern - aber richtig
mit jedem Lösegeld können die Terroristen entsprechend ihren Kampf noch ausweiten. Und als Signal, dass so etwas klappt, wäre es verheerend gewesen: Ergebnis: Noch mehr Entführte, noch mehr Leid, noch mehr Tote. So bitter es ist: Aus Sicht der Regierung eines Landes müssen solche Zahlungen falsch sein. Zu recht wird in Deutschland noch heute die Regierung Schmidt für ihre harte Position gegenüber den RAF-Terroristen gelobt - in jedem Einzelfall eine Tragödie für die Entführten und die Angehörigen. Für die Allgemeinheit aber die einzig mögliche Vorgehensweise: Keine Verhandlung mit Terroristen, kein Geld für Terroristen.
schmusel 13.09.2014
3. So schlimm der Verlust ist
Und so nachvollziehbar der Schmerz, Wut und Enttäuschung der Familie auch ist, mir kommt es so vor als werfe die Familie mit dem im letzten Absatz zitierten Satz den US-Regierungen die jahrzehntelange Politik des nicht verhandelns mit Geiselnehmern vor - was falsch ist. Wenn man sich nur mal die Zahl der Geiselnahmen US-Bürger anschaut und mit denen Europäischer vergleicht, wo grundsätzlich Lösegeld bezahlt wird, dann sieht man welcher Ansatz der richtige ist. Foley wäre so oder so nicht freigekommen. Diese Monster hatten von Abfang an vor ihn zu ermorden. Es geht hier um Terror nicht um fairness. Und das es einen militärischen Befreiungsversuch gab, das ist ja wohl klar. Verstehe nicht wieso die Familie was anderes behauptet. Natürlich werden sie nicht konsultiert wenn so eine Aktion durchgeführt wird.
gneitzel 13.09.2014
4. Die Geschichte lehrt uns vieles.
Helmut Schmidt gab die Doktrin aus: "Der Staat bleibt hart!" - Das ist rational betrachtet absolut richtig, auch wenn es hart für die Betroffenen ist. Deswegen ist z.B. HMS gestorben. Nur lehrt uns die Geschichte, dass der Staat nicht rational und auch sehr inkonsiquent handelt, wie ein kleines Kind! - So hat die Bundesregierung später vielfach Lösegeld bezahlt und viele weitere Menschen in Gefahr gebracht, ebenso wie die USA. Es scheint also "darauf anzukommen" welche Linie man gerade vertritt. Ob es z.B. politisch hilfreich ist durch Lösegeldzahlungen als Held dazustehen oder man die Bevölkerung auf kommende Militäraktionen einschwären will! Wurde nicht vor kurzem ein US-Soldat gegen gegen gefangene Taliban ausgetauscht? http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-sergeant-bowe-bergdahl-frei-im-austausch-gegen-taliban-a-972701.html
Galik 13.09.2014
5.
Ich sehe es auch so wie die Poster über mir, dass ein Staat kein Lösegeld zahlen sollte. Die Gründe wurden bereits genannt. Ich finde es allerdings auch unerhört, wenn es der Staat auch den Angehörigen verbietet, wenn diese das Lösegeld privat bezahlen wollen. Klar, auch das hat dann die gleichen negativen Effekte, wie wenn der Staat selbst bezahlen würde. Trotzdem halte ich es für ethisch bedenklich, wenn es Eltern verboten sein soll, ihre Kinder zu retten. In dem Moment werden nämlich die Eltern in eine Schuldsituation gebracht: Sie müssen sich zwischen ihrem Kind und dem Gesetz entscheiden. Entweder sie werden juristisch belangt oder sie müssen sich vorwerfen lassen, ihr Kind nicht gerettet zu haben, weil sie sich ein Verfahren sparen wollten. Die Eltern in so einer Situation noch unter Druck zu setzen ist unverschämt.
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