Mitgründer der Weißhelme Was über den Tod von James Le Mesurier bekannt ist

Als Mitgründer der Weißhelme rettete James Le Mesurier Zehntausenden Syrern das Leben. Nun wurde der ehemalige britische Offizier tot in Istanbul aufgefunden. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

James Le Mesurier war Gründer der syrischen Rettungsorganisation Weißhelme (Archivbild)
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James Le Mesurier war Gründer der syrischen Rettungsorganisation Weißhelme (Archivbild)


James Le Mesurier, 48, wurde am Montagmorgen tot auf der Straße vor seinem Istanbuler Büro aufgefunden. Der frühere britische Militäroffizier half bei der Gründung der Weißhelme, einer syrischen Zivilschutzorganisation, die in den vergangenen Jahren laut eigenen Angaben 114.000 Menschenleben gerettet hat.

Das Auswärtige Amt hat den Angehörigen am Montag kondoliert. Die deutsche Regierung unterstützt die Weißhelme bereits seit längerer Zeit. Drei Tage vor seinem Tod hatte das russische Außenministerium behauptet, Le Mesurier sei ein ehemaliger Mitarbeiter des britischen Geheimdiensts MI6 gewesen.

Wer war James Le Mesurier?

Geboren in Singapur und aufgewachsen in Großbritannien, trat Le Mesurier wie zuvor sein Vater ins britische Militär ein. Die angesehene Royal Military Academy Sandhurst schloss er als Klassenbester ab. Als Infanterist nahm er an Einsätzen in Nordirland und dem Kosovo teil. Auf dem Balkan habe er begriffen, dass humanitäre Hilfe besser geeignet sei, Kriege zu verhindern, als bewaffnete Einsätze. Er quittierte daraufhin seinen Militärdienst.

Einige Jahre lang arbeitete er dann in den humanitären Sparten privater Sicherheitsfirmen, bevor er 2013 mithilfe der türkischen Katastrophenschutzorganisation AKUT und 300.000 US-Dollar Spenden verschiedener Staaten die ersten 25 Syrer darin ausbildete, Kriegsopfer zu bergen.

Juli 2019: Weißhelme bergen Kriegsopfer in der syrischen Stadt Ariha
Omar HAJ KADOUR/ AFP

Juli 2019: Weißhelme bergen Kriegsopfer in der syrischen Stadt Ariha

Welche Rolle spiele Le Mesurier bei den Weißhelmen?

James Le Mesurier war Gründer und Direktor der Organisation Mayday Rescue, die die Weißhelme ausbildet und unterstützt. Es gibt inzwischen rund 3000 Weißhelm-Mitglieder.

Die Kurzdoku "The White Helmets" gewann 2017 einen Oscar. Der 40-minütige Film zeigt, wie die freiwilligen Retter Verletzte aus eingestürzten Häusern bergen, die zuvor von russischen und syrischen Militärs bombardiert worden waren.

Bei einem dieser Einsätze trafen die Weißhelme auf Spuren chemischer Kampfstoffe. Ihre Videoaufnahmen sowie Gewebe- und Bodenproben wurden in einer Untersuchung der Vereinten Nationen genutzt, die zu dem Schluss kam, dass das syrische Regime das Nervengift Sarin eingesetzt hatte. Die Regierungen in Damaskus und Moskau starteten daraufhin eine Propaganda-Kampagne gegen Le Mesurier und die Weißhelme.

Die Vorwürfe gingen so weit, dass die Gruppe beschuldigt wurde, die im Film gezeigten Angriffe inszeniert zu haben, um einen Vorwand für westliche Interventionen zu bieten. Ein weiterer Vorwurf lautete, die Weißhelme unterhielten Verbindungen zur radikalislamischen al-Qaida.

Der syrische Präsident Bashar al-Assad sagte: "Das Schicksal der Weißhelme wird das gleiche sein, wie das jedes anderen Terroristen. Entweder sie legen ihre Waffen nieder, oder sie werden liquidiert."

Le Mesurier war Träger des hochrangigen britischen "Order of the Empire"-Ordens, die Weißhelme, offiziell auch als Syria Civil Defense anerkannt, bekamen 2016 den Alternativen Friedensnobelpreis zugesprochen. Eine Vielzahl von Regierungen, darunter die deutsche, unterstützt die Weißhelme finanziell.

Was ist bekannt über seinen Tod?

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, dass mehrere Menschen Le Mesuriers Leiche in den frühen Morgenstunden nahe seiner Wohnung in Istanbul gefunden haben, als sie auf dem Weg zu einer Moschee waren. Laut Medienangaben wies seine Leiche Rippen- und Beinbrüche auf, vermutlich sei er vom Balkon gestürzt. Nach Angaben von Anadalou war der 48-Jährige vor vier Jahren mit seiner Ehefrau in die türkische Metropole gezogen.

Istanbul: Le Mesuriers Leiche wurde am Montag vor dessen Wohnhaus aufgefunden
Bulent Kilic/ AFP

Istanbul: Le Mesuriers Leiche wurde am Montag vor dessen Wohnhaus aufgefunden

Welche Gerüchte gibt es?

Die türkische Nachrichtenagentur Demioren berichtet, dass auf Le Mesuriers Gesicht Spuren eines scharfen Gegenstands festgestellt worden seien. Seine Leiche befindet sich derzeit in forensischer Untersuchung, bevor sie an die britischen Behörden übergeben wird.

Laut Medienberichten gehen türkische Sicherheitsbehörden davon aus, dass Le Mesurier vom Balkon im zweiten Stock gestürzt ist.

Seine Frau habe angegeben, dass die beiden gegen vier Uhr morgens Schlafmittel genommen hätten. Die Auswertung von Kameraaufnahmen habe ergeben, dass sich niemand außer Le Mesurier und seiner Frau in dem Gebäude aufgehalten habe, die Tür sei nur durch ein Schloss mit Fingerabdrucksensor zu öffnen.

Hamish de Bretton-Gordon, ein ehemaliger Armeeoffizier, der mit Le Mesurier zusammengearbeitet hat, sagte gegenüber dem britischen "Telegraph", dass Le Mesurier einen guten Eindruck gemacht habe, als er ihn vergangenen Monat traf.

"Er nahm Sicherheitsfragen sehr ernst", so de Bretton-Gordon. "Er war Soldat und wusste um die Risiken, die es mit sich brachte, in so einer Welt zu operieren, und er tat alles, was er konnte, um diese Gefahren zu minimieren."

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