John McCain über Trumps Presseschelte "So fangen Diktaturen an"

Donald Trump bezeichnete Medien wie die "New York Times" oder CNN als "Volksfeinde". Sein Verteidigungsminister teilt diese Ansicht nicht: "Ich habe keine Probleme mit der Presse." Auch Senator John McCain wurde deutlich.


Sein Spitzname ist "Mad Dog", doch so mancher Beobachter hält den Verteidigungsminister für eine Stimme der Vernunft im US-Kabinett. Bei seiner Weiterreise von der Münchner Sicherheitskonferenz in den Mittleren Osten wurde James Mattis von mitreisenden Pressevertretern auf die jüngsten Äußerungen seines Präsidenten Donald Trump angesprochen.

Trump hatte in einem Tweet von der "New York Times" und den Fernsehsendern NBC News, ABC, CBS und CNN als "Fake-News-Medien" gesprochen, die nicht seine Feinde seien, sondern Feinde des amerikanischen Volks.

Ex-General Mattis antwortete, er habe einige strittige Zeiten mit der Presse gehabt, aber: "Nein, so wie ich das sehe, ist die Presse ein Gegenüber, mit dem wir umgehen. Und ich persönlich habe keine Probleme mit der Presse."

Zuvor hatte sich der republikanische Senator John McCain auf die Seite der kritisierten Presse gestellt. Aus München zugeschaltet, sagte der ehemalige Präsidentschaftskandidat in der NBC-Sendung "Meet the Press", dass "eine freie und häufig auch feindliche Presse" für den Bestand einer Demokratie nötig sei. Ihre Einschränkung sei "wie Diktaturen anfangen", so McCain. Womit er aber nicht sagen wolle, der Präsident sei ein Diktator - nur, "dass dies die Lehren aus der Geschichte seien".

Verteidigungsminister Mattis hatte sich am Mittwoch beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel zum Bündnis bekannt und den Partnern den Beistand der USA versichert. Aber der 66-jährige Viersternegeneral drohte den Verbündeten auch direkt: Zahlt mehr für die Nato, oder wir zahlen weniger! Seine Drohung wiederholte er auf der Münchner Sicherheitskonferenz nicht - aber die US-Forderung nach höheren Militärausgaben bekräftigte er.

feb/Reuters/dpa



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Seite 1
sven2016 19.02.2017
1.
Bei der neuen US-Politikelite kommt zur Zeit wohl niemand so richtig klar: es wird eine Mischung aus Drohungen und Beschwichtigungen, aus Unwahrheiten und Gesprächsangeboten dargestellt. Und im Hintergrund der Verwirrung legt man die Grundlagen für eine Retro-Politik wie Genehmigung von Wasserverunreinigung von Gewässern durch Kohle- und Ölfirmen, Rücknahme von Regulierungen, die die Großindustrie beeinträchtigen und so weiter. Wer mag die Richtlinien der Politik wirklich bestimmen? Echt beunruhigend und diskutiert wird nur über den Frontmann
Radlermass 19.02.2017
2.
ui, da wird er es nicht lange machen auf seinem Posten
felix_tabris 19.02.2017
3. Ok, das ist mal ein Wort ...
da scheint ja wirklich ein Mann sich Mühe zu geben, den Trump irgendwie in die Spur zu bekommen. Und ich frag mich schon, wie lange er noch seinen Job machen wird. Dennoch: Um die us-amerikanische Medien in dieser harten Konfrontation mit dem Lügen-Präsidenten beizustehen, erscheint es mir sehr sehr sinnvoll, dass jedes mal wenn dieser irgendein Fake verbreitet; wie gestern zu Schweden, dann dann postwendend AUCH und GERADE eine Richtigstellung in den us-amerikanischen medien erfolgt (auf amerikanisch): Ms. Präsident - das ist FAKE! So erfahren einerseits die Medien die Unterstützung die sie verdienen und andererseits erfährt der Präsident ( das "amerikansiche Volk") dass die ausländischen Orgainsationen und Parteien! sich nicht vom Lügen-Präsidenten weiter instrumentalisieren lassen. Dazu braucht es aber auch MUT - wie Steinmeier als Motto ankündigte. Politiker - Parteien - Regierungen muss klar sagen: Hören Sie auf zu Lügen! das ist Fake, was Sie sagen! usw. Ich halte dies aktuell für das wichtigste im Widerstand gegen die versuchte Ent-legitimierungen der Presse und der Meinungsfreiheit.
hugahuga 19.02.2017
4.
Dass es Probleme mit der Presse gibt - und zwar nicht nur in USA sondern auch bei uns - sollte unstrittig sein. Das hat mMn mit der Abhängigkeit von politischen Parteien, von Lobbyisten, Verbänden etc zu tun. Hinzu kommt, dass bei uns fast alle Journalisten von vornherein in eine bestimmte Denkrichtung gelenkt werden. "Ausreisser" gibt es selten, weil es sich die wenigsten aus wirtschaftlichen Gründen leisten können. Der letzte wirklich freie Journalist war mMn Peter Scholl-Latour. Aber auch das mögen manche ganz anders sehen, denn der Gegenwind, den PSL in den letzten Lebensjahren im ÖR des öfteren erfuhr, war peinlich, da man versuchte, diesem Mann die Kompetenz abzusprechen und sie durch politisch angepasste Meinungen zu ersetzen. Daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert.
ApuMichael 19.02.2017
5. Dann ist ja alles gut
Der Herr General hat keine Probleme mit der Weltpresse. Nun müssen wir nur noch die paar Milliarden für unsere schimmernde Wehr locker machen und alle Probleme lösen sich wie von selbst.
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