Trumps Ex-Verteidigungsminister Das Rücktrittsschreiben von James Mattis - im Wortlaut

James Mattis hat seinen Rücktritt angekündigt. In seinem Schreiben an Donald Trump erklärt er, ihre jeweiligen Ansichten über die Verbindungen mit anderen Staaten seien zu verschieden. Der Brief in Auszügen.

James Mattis
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James Mattis


Dear Mr President,

es ist mir eine Ehre, unserem Land als der 26. Verteidigungsminister gedient zu haben. Es hat mir erlaubt, gemeinsam mit den Männern und Frauen des Verteidigungsministeriums unsere Bürger und Ideale zu verteidigen.

Ich bin stolz auf den Fortschritt, den wir in den vergangenen zwei Jahren in manchen der in unserer Verteidigungsstrategie festgehaltenen, wichtigsten Ziele gemacht haben: der Behörde eine bessere finanzielle Grundlage zu geben, die Bereitschaft und Leistung unserer Truppen zu verstärken und die Geschäftspraktiken der Behörde zu reformieren, um ihre Leistungen zu verbessern.

Eine Überzeugung, die ich schon immer hatte, ist, dass unsere Kraft als Nation unlösbar verbunden ist mit unserem umfassenden und einzigartigen System von Allianzen und Partnerschaften. Während die USA die unentbehrliche Nation bleibt in der freien Welt, können wir unsere Interessen nicht schützen oder unserer Rolle gerecht werden, ohne diese starken Verbindungen aufrechtzuerhalten und unsere Partner zu respektieren. Wie Sie habe ich von Anfang an gesagt, dass die Truppen der Vereinigten Staaten nicht die Weltpolizei sein dürfen. Stattdessen müssen wir all unsere Werkzeuge amerikanischer Macht dazu nutzen, eine gemeinsame Verteidigung sicherzustellen, einschließlich unserer Führungsrolle gegenüber unseren Partnern. Die 29 demokratischen Staaten der Nato haben diese Stärke in ihrer Bereitschaft bewiesen, nach dem 11. September an unserer Seite zu kämpfen. Die Koalition aus 74 Staaten im Kampf gegen den "Islamischen Staat" ist dafür ein weiterer Beweis.

Ein Teil des Rücktrittsschreibens von Verteidigungsminister James Mattis an Präsident Trump
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Ein Teil des Rücktrittsschreibens von Verteidigungsminister James Mattis an Präsident Trump

Ebenso glaube ich, dass wir resolut und eindeutig in unserem Versuch der Annäherung an die Länder sein sollten, deren strategische Interessen immer stärker mit unseren in Konflikt geraten. Es ist deutlich, dass etwa China und Russland eine Welt schaffen wollen, die ihrem autoritären System entspricht - indem sie Veto-Autorität über wirtschaftliche, diplomatische und sicherheitspolitische Entscheidungen anderer Nationen erlangen - um ihre eigenen Interessen durchzusetzen auf Kosten ihrer Nachbarn, den USA und unseren Verbündeten. Das ist der Grund, warum wir alle Werkzeuge amerikanischer Macht dazu nutzen müssen, die gemeinsame Verteidigung sicherzustellen.

Meine Ansichten, Verbündete mit Respekt zu behandeln und gleichzeitig schädlichen Akteuren und strategischen Gegnern mit offenen Augen zu begegnen, resultieren aus über vier Jahrzehnten der Vertiefung in diese Themen. Wir müssen alles tun was möglich ist, um eine internationale Ordnung voranzutreiben, die unserer Sicherheit, unserem Wohlstand und unseren Werten dienlich ist und wir werden in diesem Bestreben von der Solidarität unserer Partner bestärkt.

Video: Differenzen mit Trump - Mattis tritt zurück

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Weil Sie das Recht darauf haben, einen Verteidigungsminister im Amt zu haben, dessen Ansichten zu diesen und anderen Themen besser zu den Ihren passen, glaube ich, dass es für mich richtig ist, von meiner Position zurückzutreten. Das Enddatum meiner Dienstzeit ist der 28.Februar 2019. Ein Datum, das genug Zeit lässt, um einen Nachfolger für mich zu nominieren und zu bestätigen und auch sicherzustellen, dass die Interessen der Abteilung bei künftigen Ereignissen, wie der Kongressanhörung der neuen Kandidaten und dem Treffen der Nato-Verteidigungsminister im Februar, korrekt vorgebracht und geschützt werden können. Der Übergang kann so außerdem vor dem Wechsel des Vorsitzenden des Stabschefs im September vollzogen werden, um die Stabilität im Ministerium sicherzustellen.

Ich verspreche, all meine Kraft in einen reibungslosen Übergang zu stecken. (...)

Ich schätze die Chance, der Nation und unseren Männern und Frauen in Uniform gedient zu haben.

James Mattis

mfh



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StefanZ.. 21.12.2018
1. Größenwahn und Egoismus
Schon gruselig, wenn man schwarz auf weiß lesen kann wie arrogant US-amerikanische Militärs meinen auf den Rest der Welt hinabblicken zu können.
vulkaneifler 21.12.2018
2. Schade um den mann
Es wäre malinterresant zu wissen ob Trump den rüctrittsbrief über Haube ganz gelesen hat er war ja sehr lang und ob er ihn verstanden hat wer weis es ich denke wenn der Schreiber schon gesagt hat das er die Auffassungsgabe eines 5 klässler hat
hollowman08 21.12.2018
3. richtig schauderhaft
wie jemand mit solcher Machtposition auf Milliaraden von Mitmenschen auf dieser Erde scheisst und sich nur um die Macht der USA überall dass tun zu können was sie wollen. Gedanken eines Global Kilers der auch nur die Möglichkeit einer Opposition ( er nennt es "Veto" ) keiner anderen Nation zugesteht. In China Leben z.B. über eine Milliarde Menschen die nach Mattis in der Welt natürlich kein Veto Recht haben dürfen, er träumt wohl auch Menschen in China und Russland jederzeit mit Drohnen umbringen zu können je nach Gusto der USA.
thenormalone 21.12.2018
4. Man kann das Thema Trump
mittlerweile kaum mehr hören. Ein Unglaublichkeit reiht sich an die nächste, ohne dass was gegwn ihn passiert. Wie kann das sein. Ich bin entsetzt über die, die ihn immer noch gut finden und enttäuscht über die andere Hälfte, die viel zu wenig aufbegehrt. Vielleicht passiert ja das Wunder, dass dieser Clown seines Amtes enthoben wird. Dann hätte die Welt ein großes Problem (von denen sie mehr als genug hat) weniger.
Watschn 21.12.2018
5. Der Rücktrittsgrund Mattis ist wohl eher Afghanistan als Syrien.....
Die US-Truppen in Syrien von eher lächerlichen 2000 Mannstärke, welche die Kurden unterstützten um den irakisch-syrischen IS zu besiegen, sind wohl kaum der Auslöser; ...es ist wohl mehr der richtigerweise ebenfalls geplante Afghanistan-Etappen-Rückzug von zuerst 7000 der dort stationierten 14'000 US-Soldaten, welcher Mattis wahrscheinlich nicht schmeckte, u. wohl seinen Ausweg zur Demission legte.. Ein richtigerweise u. längst fälliger etappierter Abzug aus Afghanistan deshalb, weil man endlich aus dieser Dauer-Misere raus muss, nach fast 20 Jahren sinnloser - vom Westen durch militärische Besetzung (Okkupation) entfachten - , und auf der Stelle tretenden Bürgerkrieg, mit beidseitig hohen Verlustzahlen. Durch diesen US-Truppenabzug entzieht man nicht zuletzt die Argumentation der islam. Terroristen ('westl. Besetzung' u. sog. 'Schändung der islam. Welt'), und senkt dadurch auch die Terrorgefahr erheblich, sondern macht zudem auch 'den Westen' wieder beliebter. Man kann also zu Trumps Entscheidung nur gratulieren. Hut ab...Mr. Trump, well done... Der einzige erfolgreiche Weg zur Wiederherstellung eines nachhaltigen Friedens - welcher nun offensichtl. auch Trump einschlagen will, ist die Befriedung Afghanistans durch Einbezug aller Bürgerkriegskräfte, insbes. der Taliban, u. auch der angrenzenden Nachbarstaaten....Pakistan, der ehem. GUS-Nachfolgestaaten u. evtl. gar des Irans. Mit an Kraft einer begleitenden regionalen Aufbauhilfe (internat. Hilfe durch Selbsthilfe), welche aber zwingend durch die massgebl. afghan. Kräfte und erwünschte Aufbauhilfe aus evtl. Nachbarland Pakistan ausgeführt werden sollte (zugunsten der dortigen umsetzenden, ansässigen afghan. Kleinbetriebe u. Unternehmen)... Mit einem bewussten Abseitsstehen von westl. Hilfsorganisationen direkt an Ort würde auch eine -aus afgh. Sicht - wieder neu einsetzende 'westl. Besatzerattitüde' vermieden.
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