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02. Dezember 2016, 08:28 Uhr

Designierter US-Verteidigungsminister Mattis

Der verrückte Hund

Von , New York

Donald Trump hat Ex-General James Mattis - genannt "Mad Dog" - als US-Verteidigungsminister nominiert. Einen kampferprobten Krieger, der sich durch harte Aktionen und Sprüche profiliert hat.

Das war mal wieder typisch. Da stand der designierte US-Präsident Donald Trump, voll in seinem Element, vor Tausenden grölenden Anhängern in einer Sporthalle in Ohio. Es war die erste Etappe seiner "Dankestournee" - sprich: Siegestournee - durch mehrere Staaten, die er gewonnen hatte. Dort also benannte er am Donnerstagabend seinen künftigen Verteidigungsminister: James Mattis.

Seine Rede begann Trump mit einer improvisierten Erklärung: "Wir werden 'Mad Dog' Mattis zu unserem Verteidigungsminister ernennen", rief er und ignorierte den Teleprompter mit dem offiziellen Text seiner Ansprache. "Aber wir werden das erst am Montag bekanntgeben, also sagt es bloß keinem." Dabei zeigte er auch auf die Kameras der TV-Sender, die alles live übertrugen.

Und damit schaffte es Trump erneut, eine kaum überraschende Nachricht im Handumdrehen zum Gesprächsthema zu machen - und zugleich die "unehrlichen Medien", die er auch in Ohio beschimpfte, in spätabendliches Chaos zu stürzen.

Denn dass er den Vier-Sterne-General a.D. James Mattis zum neuen Pentagon-Chef machen würde, war seit Tagen klar - auch wenn sein Sprecher Jason Miller das gerade noch dementiert hatte. Doch Trump weiß auch diesen Routinevorgang zu einer schrillen Realityshow zu machen, in der er allein im Mittelpunkt steht.

Wer bei diesem Theater schnell in den Hintergrund rückte, war Mattis selbst. Der 66-Jährige ist nicht unumstritten, was vor allem an seiner knallharten Haltung zum "politischen Islam" und zum Iran-Deal liegt. Trotzdem dürfte er, nicht zuletzt auch dank seiner illustren Militärlaufbahn, einer der weniger kontroversen Kandidaten Trumps werden - und einer, der letztendlich einen realitätsbezogeneren Einfluss haben könnte in einem sonst eher kompromisslosen Nationalen Sicherheitsteam.

In Soldatenkreisen wird Mattis respektiert wie gefürchtet, Trump verglich ihn mit dem legendären Weltkriegsgeneral George Patton. Der Name Mattis taucht bei fast jeder US-Militäroperation der letzten Jahrzehnte auf - egal, wie politisch vertretbar diese war. Nach den 9/11-Anschlägen führte der Marineinfanterist seine Truppen erfolgreich gegen die Taliban in Afghanistan. 2003 war er an der Irak-Invasion beteiligt. Im Jahr darauf machte er sich beim blutigen Kampf um Falludscha einen Namen. Dort bekam er den Spitznamen "Mad Dog" - tollwütiger Hund.

Sein zweiter Spitzname ist "Warrior Monk", der Kriegermönch: Denn auch abseits vom Schlachtfeld profilierte sich Mattis. So verfasste er gemeinsam mit dem später durch einen Sex- und Geheimnisverratsskandal diskreditierten General David Petraeus - der nun als neuer Außenminister im Gespräch ist - die erste umfassende Strategie zur Niederschlagung sektiererischer Aufstände wie im Irak.

Wie so viele Soldaten redet Mattis gerne frei Schnauze. So bekannte er einmal: "Es macht Spaß, auf manche Leute zu schießen." Trotzdem wurde er 2010 als Nachfolger von Petraeus zum Oberkommandierenden des US Central Command (Centcom) befördert, das den Nahen Osten, Nordafrika und Zentralasien umfasst - darunter auch Afghanistan und den Irak, die jüngsten Kriegsschauplätze der USA; sowie Syrien, Iran und der Jemen.

Der scheidende US-Präsident Barack Obama hielt allerdings nicht viel von Mattis - hauptsächlich, weil der General zu scharf auf eine Konfrontation mit Iran war. Er kritisierte Obamas Atom-Deal mit Teheran offen: Das dortige Regime sei "die größte, dauerhafteste Bedrohung für Stabilität und Frieden im Nahen Osten". Nach nur 954 Tagen - nicht mal drei Jahren - wurde Mattis in den Ruhestand versetzt.

Damit und mit seiner aggressiven Kritik am "politischen Islam" hat sich Mattis bei Trump empfohlen, der den Deal "zerreißen" will. Ein Wahlversprechen, das politisch kaum praktikabel ist.

Das dürfte Mattis dem neuen Präsidenten also wohl ebenso ausreden wie sein Faible für Folter und Waterboarding. "Ich fand das nie nützlich", sagte er Trump, wie dieser neulich im Interview mit der "New York Times" berichtete. "Gib mir eine Schachtel Zigaretten und ein paar Bier, und ich schaffe mehr als mit Folter."

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