Journalistenmord in der Slowakei Vier Verdächtige bleiben in Haft

Drei Männer und eine Frau gelten im Zusammenhang mit dem Mord an dem Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten als tatverdächtig. Nun verfügte ein Spezialgericht: Sie müssen im Gefängnis bleiben.
Polizisten führen eine der Tatverdächtigen ab

Polizisten führen eine der Tatverdächtigen ab

Foto: VLADIMIR SIMICEK/ AFP

Im Mordfall um den slowakischen Enthüllungsjournalisten Ján Kuciak müssen vier Tatverdächtige im Gefängnis bleiben. Das verfügte am Sonntag ein Spezialgericht für organisierte Kriminalität, wie es in TV-Berichten hieß. Demnach bestehe Flucht- und Verdunkelungsgefahr sowie das Risiko der Zeugenbeeinflussung. Ohne diese Gerichtsentscheidung hätten die drei Männer und eine Frau spätestens am Montag trotz laufender Mordanklage wieder freigelassen werden müssen.

Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren am 21. Februar in ihrem Haus im westslowakischen Dorf Velka Maca erschossen worden. Der 27-Jährige hatte über die Verbindungen von Politik und Geschäftemacherei recherchiert. Seine unvollendete Reportage über mögliche Verbindungen italienischer Mafia-Clans zu slowakischen Regierungsmitarbeitern wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht. Sie löste Massendemonstrationen gegen Korruption und den Missbrauch von EU-Fördergeldern aus. Als Folge der Proteste traten die slowakische Regierung und der Polizeipräsident zurück.

Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft, die die Haft beantragt hatte, bestätigte, dass es sich bei der inhaftierten Frau um eine Italienisch-Übersetzerin handle. Sie war lokalen Medienberichten zufolge am Freitag im südslowakischen Komarno festgenommen worden. Medienspekulationen, wonach sie die unmittelbare Auftraggeberin der Bluttat gewesen sein sollte, kommentierte der Vertreter der Anklage jedoch nicht.

Der Anwalt Daniel Lipsic, der die Familie Kuciak vertritt, sagte hingegen, es handele sich vielmehr um eine Art Mittelsfrau, denn "der Mörder konnte absolut nicht wissen, wer das Verbrechen angeordnet hat".

aar/dpa/AFP
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