Japan Abe zum Nachfolger Koizumis gewählt

Erster Schritt des personellen Wechsels in Japan: Die regierende liberaldemokratische Partei LDP hat den Rechtskonservativen Abe zum Nachfolger von Parteichef Koizumi gewählt - Abe soll auch schon bald das Amt des Ministerpräsidenten annehmen.


Tokio - Shinzo Abe dürfte Junichiro Koizumi bereits in der kommenden Woche als Ministerpräsident ablösen. Wegen der Mehrheit der Liberal-Demokratischen Partei hat deren Vorsitzender den Posten traditionell praktisch automatisch sicher. Abe, der morgen 52 Jahre alt wird, wäre Japans erster Ministerpräsident, der nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde.

Parteichef und künftiger Ministerpräsident Japans: Shinzo Abe
REUTERS

Parteichef und künftiger Ministerpräsident Japans: Shinzo Abe

Abe setzte sich bei der Wahl zum LDP-Präsidenten deutlich gegen Finanzminister Sadakazu Tanigaki und Außenminister Taro Aso durch. Abe erhielt 464 Stimmen, Aso kam auf 136 und Tanigaki auf 102.

Abe wird als noch konservativer als Koizumi eingeschätzt. Er will die pazifistische Nachkriegsverfassung durch eine neue ersetzen, um dem Land wieder ein reguläres und flexibel einsetzbares Militär zu ermöglichen. Abe strebt zudem eine durchgreifende Erziehungsreform an und wünscht, dass an Schulen wieder ein stärkerer Patriotismus vermittelt wird. Er hat stets die Besuche von Koizumi am Yasukuni- Schrein für Japans Kriegstote verteidigt, in dem auch Kriegsverbrecher geehrt werden. Auch zweifelt Abe die Legitimität des Tokioter Kriegsverbrecher-Tribunals an.

Wie Koizumi hält er in verteidigungspolitischer Hinsicht an der Allianz mit dem Sicherheitspartner USA fest. Zugleich spricht sich Abe angesichts des Machtstrebens Chinas für eine Intensivierung des strategischen Dialogs mit Australien und Indien im Verbund mit den USA aus. Die voraussichtliche Wahl eines als Hardliner geltenden Patrioten wie Abe zum neuen Ministerpräsidenten erfolgt zu einer Zeit erhöhter Spannungen in Nordostasien. Japan fühlt sich einerseits durch das Raketen- und Atomprogramm Nordkoreas bedroht. Zugleich stockt das benachbarte China seine Militärausgaben rapide auf.

hen/AP/dpa



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