Japan Bürgermeister von Nagasaki im Wahlkampf erschossen

In der japanischen Großstadt Nagasaki hat ein Bewaffneter auf den Bürgermeister Iccho Ito geschossen. Der Politiker erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Der mutmaßliche Täter soll zum Umfeld der japanischen Mafia-Organisation Yakuza gehören.


Tokio - Bürgermeister Iccho Ito wurde vor dem Bahnhof der südwestjapanischen Stadt von zwei Kugeln im Rücken getroffen, als er gerade im Straßenwahlkampf für die Kommunalwahl aktiv war. Fernsehbilder zeigten ihn blutverschmiert und bewusstlos. Rettungssanitäter brachten den 61-Jährigen ins Krankenhaus, wo er einen Herzstillstand erlitt. Wenige Stunden nach dem Attentat starb der Politiker.

Attentat auf offener Straße: Polizisten untersuchen den Tatort
REUTERS

Attentat auf offener Straße: Polizisten untersuchen den Tatort

Der mutmaßliche Täter wurde kurz nach dem Anschlag festgenommen. Er gab die Tat nach Informationen des Fernsehsenders NHK zu, nannte aber kein Motiv. Der verdächtige Mann soll ein ranghohes Mitglied eines Verbrechersyndikats sein. Den Nachrichtenagenturen Jiji und Kyodo zufolge gab er an, zum Umfeld der japanischen Mafia-Organisation Yakuza zu gehören. Die amtliche Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, der 59-Jährige habe sich mit dem Bürgermeister um Aufträge für öffentliche Bauprojekte gestritten.

Ito wurde von der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) unterstützt und steht schon seit 1995 an der Spitze der Verwaltung von Nagasaki. In jüngster Zeit war er nach einem Bericht der Zeitung "Nagasaki" wegen mehrerer Skandale in die Kritik geraten. Dabei sei es um geheime Konten und die Vergabe von öffentlichen Aufträgen gegangen. Der Bürgermeister sei aber mit keinem der Vorfälle direkt in Verbindung gebracht worden.

Ministerpräsident Abe sagte zu dem Vorfall: "Ich hoffe, dass die Behörden den Fall gründlich untersuchen und die Wahrheit herausfinden." In Japan, wo strenge Waffengesetze gelten, sind bewaffnete Angriffe selten. 1990 war jedoch der frühere Bürgermeister von Nagasaki, Hitoshi Motoshima, von Rechtsextremen angegriffen worden, nachdem er den früheren Kaiser Hirohito für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich gemacht hatte.

ler/AFP/AP



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