Deal für Entführungsopfer Japan will Sanktionen gegen Nordkorea lockern

Seit Jahrzehnten vermutet Japan zahlreiche seiner Bürger als Entführungsopfer in Nordkorea - nun will das kommunistische Land die Fälle neu aufrollen. Im Gegenzug hebt Tokio einige seiner Sanktionen wieder auf.
Japans Premier Shinzo Abe: Zeichen der Entspannung

Japans Premier Shinzo Abe: Zeichen der Entspannung

Foto: JIJI PRESS/ AFP

Tokio/Pjöngjang - Zwischen Nordkorea und Japan zeichnet sich nach Jahren der diplomatischen Funkstille eine leichte Entspannung ab. Tokio will sogar einige Sanktionen gegen den kommunistischen Staat lockern. Das gab Ministerpräsident Shinzo Abe am Donnerstag bekannt.

Geplant sind demnach unter anderem die Aufhebung von Reisebeschränkungen sowie zusätzliche Möglichkeiten von Geldtransfers in das verarmte Land. Die Regierung in Tokio reagiert damit darauf, dass das nahezu komplett abgeschottete Nordkorea eine Untersuchung zu mehreren entführten Japanern wieder aufgenommen hat.

Die Regierung in Tokio will das Schicksal der in den Siebziger- und Achtzigerjahren entführten Personen klären - womöglich könnten einige noch am Leben sein. Pjöngjang hatte 2002 eingeräumt, dass seine Agenten japanische Staatsbürger entführt hatten. Die Verschleppten sollten Spionen Pjöngjangs beibringen, Japanisch zu sprechen, und ihnen helfen, sich wie Japaner zu verhalten. Fünf von ihnen wurden später freigelassen. Ermittler in Japan gehen jedoch davon aus, dass die Zahl der Entführungsopfer in die Hunderte gehen könnte.

Eine ähnliche Absprache zur Freilassung von japanischen Bürgern war 2008 vom Regime in Pjöngjang nicht eingehalten worden. Seitdem gab es praktisch keine diplomatischen Beziehungen mehr zwischen beiden Ländern.

Es wird zwar nicht mit größeren wirtschaftlichen Auswirkungen der Sanktionslockerungen gerechnet. Sie könnten aber ein erster Schritt sein, die Beziehungen zu verbessern. Unter anderem könnte der Tourismussektor in Nordkorea profitieren - einer der wenigen Devisenbringer des Landes. Das allgemeine Handelsverbot soll aber laut Medienberichten vorerst beibehalten werden.

Nordkorea steht immer wieder wegen seines Atom- und Raketenprogramms sowie seiner Drohungen gegen Südkorea in der Kritik.

jok/AFP/dpa
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