Jared Kushners Nahost-Friedensvorstoß Prinz ohne Plan

Jared Kushner will in Bahrain für seinen Nahost-Friedensplan werben. Aber es sieht schlecht aus - Trumps Schwiegersohn überschätzt sich, wie bei so vielen Prestigeprojekten, von denen nur er selbst profitierte.

Vernetzt, aber planlos: Jared Kushner
Joshua Roberts/REUTERS

Vernetzt, aber planlos: Jared Kushner

Eine Analyse von , New York


Jared Kushner kann charmant sein, wenn er will. Der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump hat ein entwaffnendes Lächeln. Doch viele, die mit dem oft wesentlich jünger wirkenden 38-Jährigen schon zu tun hatten, warnen davor, ihm zu trauen.

Kushner selbst ficht das nicht an. Er ist von sich selbst überzeugt - und will mit seinem Nahost-Plan den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern ermöglichen. Ein Jahrhundertvorhaben. An diesem Dienstag wird es konkret. Kushner wirbt in Bahrains Hauptstadt Manama für die erste Etappe dieses zweistufigen Vorhabens. Zimperlich ist er dabei nicht.

"Ob man mir vertraut, ist mir egal", sagte Kushner unlängst. Man möge seinen Plan "anhand der Fakten" bewerten. Die Palästinenser haben seinen Plan bereits im Vorfeld der Tagung abgelehnt - wegen der Fakten, doch wohl auch wegen Kushners mangelnder Vertrauenswürdigkeit. Ein Flop der Friedenskonferenz hätte gravierende Folgen für die gesamte Region.

"Jared ist ein sehr kluger Kerl"

Nur einer scheint zuversichtlich: Donald Trump. Der Nahostkonflikt, prahlte er, sei nicht mehr als "ein Immobiliendeal", für den sein Schwiegersohn der beste Mann sei: "Jared ist ein sehr kluger Kerl."

Donald Trump, Jared Kushner und Israels Premier Benjamin Netanyahu
REUTERS

Donald Trump, Jared Kushner und Israels Premier Benjamin Netanyahu

Dieser Sound ist nicht neu. Trump verspricht oft Megadeals, ohne dass am Ende viel von ihnen übrig bleibt. Etwa sein "neues" Handelsabkommen mit Mexiko und Kanada. Das ist im Kern nicht mehr als eine Nafta-Modernisierung, die gegenwärtig im US-Kongress verkümmert. Auch Kushner ist nicht der Dealmaker, für den er sich hält:

  • Seine Immobilienfirma wackelt,
  • seine Tageszeitung "New York Observer" ist kaputt,
  • aus seinem sogenannten White House Office of American Innovation, das "frisches Denken" und Wirtschafts-Know-how in die Politik bringen sollte, ist bis heute keine einzige Initiative hervorgegangen.

Nun also der Nahe Osten als neues Prestigeprojekt. Dort verknüpft Kushner das Politische mit dem Geschäftlichen: Er will den Palästinensern ihr Land mit wirtschaftlichen Anreizen in Höhe von 50 Milliarden Dollar quasi abkaufen. (Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen)

Kushners Weg in das Weiße Haus - Vetternwirtschaft

Was ihn dazu befähigen sollte, einen dauerhaften Frieden zwischen Israelis und Palästinensern auszuhandeln, ist offen. Der Enkel von Holocaust-Überlebenden ist praktizierender Jude, am Handgelenk trägt er ein rotes Kabbala-Armband. Er fühlt sich mit dem jüdischen Staat Israel verbunden. Nicht mehr und nicht weniger. Qualifikationen hat er keine.

In seine neue Rolle ist Kushner wohl eher hineingeschliddert. Genauso wie er und seine Ehefrau, Trumps älteste Tochter Ivanka, an ihre Top-Beraterposten im Weißen Haus kamen - durch Vetternwirtschaft.

Anfangs hat sich der Secret Service US-Medienberichten zufolge sogar lange geweigert, Kushner eine Sicherheitsbescheinigung auszustellen, unter anderem wegen seiner unklaren Verbindungen zu ausländischen Geldgebern. Doch Trump habe den ablehnenden Bescheid persönlich überstimmt, heißt es. Und ihn anschließend zum Konfliktmanager für den Nahen Osten bestimmt.

Mischung aus Naivität und Überheblichkeit

Mit der Dauerkrise zwischen Israel und Palästina machte sich Kushner angeblich erst mal vertraut wie mit einer Business-Transaktion: Er listete Daten und Zahlen auf und las Geschichtsbücher. Das Ergebnis dieses Lernprozesses sind nun blumige PR-Phrasen, kaum Konkretes. Der politische Teil seines Nahost-Friedensplans soll zudem erst nach den israelischen Neuwahlen im Herbst folgen.

Diese Mischung aus Naivität und Überheblichkeit findet sich bei manchen, die sich zeitlebens in einer Blase aus Privilegien und Wohlstand bewegen. Die Kushners seien ein Musterbeispiel für den "Dunning-Kruger-Effekt", schreibt Kolumnistin Michelle Goldberg in der "New York Times".

Was komplex klingt, ist ganz einfach. Es handelt sich dabei um eine Faustregel, erdacht von zwei Psychologen der Universität Cornell. Der Effekt, so Goldberg, "verleitet inkompetente Personen dazu, ihre Fähigkeiten zu überschätzen, weil sie nicht verstehen, wie viel sie nicht wissen".

Oft rettet solche Leute die Nähe zu Macht und Geld. Die Parallelen zu Kushner, der planlos an der Zukunft des Nahen Ostens arbeitet, sind offenkundig. Dessen verschuldeter Konzern bekam neulich eine Geldspritze von einer Firma mit Verbindungen in das Emirat Katar.

Eine Hand wäscht die andere: Die Kushners in Saudi-Arabien (2017)
DPA

Eine Hand wäscht die andere: Die Kushners in Saudi-Arabien (2017)

In ein weiteres Unternehmen, an dem Kushner beteiligt ist, flossen nach Recherchen des "Guardian" bisher 90 Milliarden Dollar aus Offshore-Quellen. Und aus Saudi-Arabien.

Kushner scheint selbst nicht überzeugt von seinem Plan

In Palästina hat man Kushner bislang immer freundlich empfangen - aber maximal reserviert auf seine Vorschläge reagiert. Die Führungsriege um Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas traut Kushner ebenso wenig wie dessen Schwiegervater.

Der hat seit seinem Amtsantritt immer wieder einseitige Aktionen zugunsten Israels vorangetrieben:

  • Er hat die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem angeordnet,
  • ebenso die Annullierung der Wirtschaftshilfe für die Palästinenserhilfsorganisation UNRWA
  • und die Anerkennung der Golanhöhen als israelische Staatsgebiet. Die Regierung in Jerusalem bedankte sich dafür mit einer Siedlung namens "Trump Heights" bei ihm, die auf den Golanhöhen entstehen soll.

In Ramallah glaubt deshalb niemand an einen fairen Frieden durch die Vermittlung von Kushner. Und auch er selbst ist offenbar nicht hundertprozentig überzeugt vom Erfolg seines Nahostplans. Es könnte auch gut sein, dass er scheitere, lässt er mittlerweile unbekümmert verbreiten. Es wäre ein weiteres Prestigeprojekt, das der Schwiegersohn leger zur Seite legt.



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apfeldroid 25.06.2019
1. Nur eine Frage
Wie kann ein radikaler Zionist einen unabhängigen Friedensplan schmieden, und zwar einer der mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurde? Das ist ähnlich wie wenn ein Wolf die Schaafe mit seinem Rudel versöhnen würde, wer fragt denn da die Schaafe? Der Junge ist ausgesorgt, soll seine zeit auf der Yacht verbringen im indischen Ozean als sich in die Sachen einmischen, von denen er nic versteht
cipo 25.06.2019
2.
Was von dem "genialen Plan" zu halten ist, verdeutlich diese Stellungnahme von zwei israelischen Sicherheitsexperten: Unmoralisch, unpraktisch - und könnte den Nahen Osten in die Luft jagen. https://www.politico.com/magazine/story/2019/06/24/trump-peace-plan-middle-east-227209
s.l.bln 25.06.2019
3. Die Situation könnte kaum ...
...zynischer werden. Nachdem Trump einseitig in Israels Interesse Tatsachen geschaffen und jede menge Öl ins Feuer gegossen hat, und man dort inzwischen annektierte Regionen nach ihm zu benennt, präsentiert sein jüdischer (ausdrücklich wertungsfrei) Schwiegersohn einen "Friedensplan", welcher den Verlust der Selbstbestimmung und Rechtssicherheit der Palästinenser für immer zementieren soll. Im Gegenzug verspricht man ihnen Geld, welches bei nicht näher benannten Investoren eingesammelt werden soll. Vorhersehbarerweise ist bislang keine der beteiligten Parteien hervorgetreten, um diesen "Plan" zu unterstützen. Was qualifiziert Kushner eigentlich dazu, die Zukunft der Palästinenser zu organisieren, von der Legitimation dazu ganz zu schweigen?
funkstörung 25.06.2019
4. planänderung
machen wir uns nichts vor, solange die palästinenser nicht laut und für alle vernehmbar das existenzrecht israels anerkennen wird sich an der situation der palästinenser im israelischen machtbereich und im gazastreifen nichts ändern. unter dieser voraussetzung wird sich an der situation auch bei einem gelingen von kutchers plan nichts ändern, aber man hätte 50 milliarden dollar in der tasche.
marcanton80 25.06.2019
5.
Der Dunning Kruger Effekt ist meiner Meinung nach nicht nur bei manchen sondern bei beunruhigend vielen Menschen aus diesen Kreisen zu beobachten,und das der smarte Herr Kushner ne Luftnummer ist das könnte jeder wissen der sich etwas näher mit diesem Mann beschäftigt
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