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05. Dezember 2016, 17:52 Uhr

Schwiegersohn Jared Kushner

Der Trump-Flüsterer

Von , New York

Mit seinem Schwiegersohn versteht Donald Trump sich bestens. Denn der ist diskret, loyal und clever: Hinter den Kulissen war Jared Kushner sein wichtigster Wahlkampfberater. Auch im Weißen Haus behält er großen Einfluss.

Es war ein schwarzer Tag für Donald Trump im Wahlkampf. Alle Welt sprach an diesem 8. Oktober von einem fünf Jahre alten Video, auf dem er mit der sexuellen Belästigung von Frauen prahlte. Der US-Präsidentschaftskandidat, so schien es, war am Ende.

An jenem Tag verschanzte sich der Milliardär mit seinen engsten Gefährten im Trump Tower, um einen Weg aus der Krise zu finden. In einer Pause fuhr er nach unten, um sich auf der Fifth Avenue von rund hundert Anhängern bejubeln zu lassen. Als er wieder oben in seinem Penthouse ankam, sprach ihm besonders einer Mut zu.

"Das sind die Leute, die dich zum Präsidenten wählen werden", beruhigte ihn Schwiegersohn Jared Kushner voller Zuversicht. "Lass dich von den anderen nicht unterkriegen."

Der von der "New York Times" kolportierte Moment ist bezeichnend: Im Trump-Chaos ist Kushner der Ruhepol - und der, der den richtigen Riecher hat. Trump liebt es, mit Tweets und seinem Kabinetts-Casting Verwirrung zu stiften. Hinter den Kulissen zieht Kushner längst als mächtigster Berater des designierten Präsidenten die Strippen - mit zielgerichteter Präzision.

Anfangs hielt sich Kushner, der mit Trumps ältester Tochter Ivanka verheiratet ist, im Wahlkampf noch zurück. Knallharte Politik lag ihm nicht, zumal er selbst bisher meist nur Kandidaten der Demokraten unterstützt hatte.

Doch als Trump immer neue Skandale anzettelte, immer mehr Strategen verschliss und die Chance seines Lebens zu verspielen drohte, stieg Kushner in der Trump-Hierarchie auf. Inzwischen nennen sie ihn nicht nur wegen seiner zarten Stimme den "Trump-Flüsterer". Im Weißen Haus dürfte der 35-Jährige, dem Loyalität über alles geht, bald beispiellosen Einfluss haben.

Loyalität bewies Kushner, lange bevor er zur Trump-Dynastie gehörte. 2004 war das, als sein Vater, der Immmobilienmagnat Charles Kushner, zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde. Er hatte Steuern hinterzogen, illegale Parteispenden vertuscht und seinen Schwager, der mit der Justiz kooperierte, mittels einer Prostituierten erpresst. Der Staatsanwalt, der ihn hinter Gittern brachte: Chris Christie, der spätere Gouverneur von New Jersey.

Jared Kushner besuchte seinen Vater jeden Sonntag im Gefängnis. Zugleich musste der frischgebackene Harvard-Absolvent das Familiengeschäft vor dem Untergang bewahren - ein Milliardenimperium mit Zehntausenden Liegenschaften.

Wirbel machte Kushner, als er 2006 für zehn Millionen Dollar den "New York Observer" übernahm, eine bei der Finanz- und Medienelite beliebte, doch defizitäre Wochenzeitung. Im zarten Alter von 25 Jahren wurde er so zum Verleger.

Kushner baute das Blatt um, investierte in den digitalen Auftritt und stellte die Print-Ausgabe kürzlich ganz ein - am Tag nach der Präsidentschaftswahl. Heute ist der "Observer" profitabel, hat seinen Stellenwert in der Gesellschaft aber verloren.

Den Weg in die Society fand Kushner anderswo: 2009 heiratete er Ivanka Trump, die er bei einem Business-Lunch kennengelernt hatte. Sie konvertierte dafür zum Judentum und erzog ihre gemeinsamen Kinder nach Kushners Religion.

Zu "Donald Trumps Mini-Me" ("Vanity Fair") wurde Kushner aber erst, als der Präsidentschaftswahlkampf dieses Jahr in Fahrt kam. Als Trump rassistischer und antisemitischer Rhetorik beschuldigt wurde, verteidigte ihn der orthodoxe Jude und Nachfahre polnischer Holocaust-Überlebender Kushner in einem "Observer"-Essay: "Trump ist kein Antisemit und kein Rassist."

Kushners diskreter Stil war ein wirksamer Kontrast. Er schrieb Reden, arrangierte Treffen mit düpierten Republikanern, vermittelte. Während sich Trump auf kontroverse Massenveranstaltungen konzentrierte, arbeitete Kushner unbemerkt an einer Datenstrategie, die am Ende mit zum Wahlerfolg führte. In Trumps Privatjet wurde er oft beobachtet, wie er seinem Schwiegervater ins Ohr wisperte.

"Kushner ist die größte Überraschung dieser Wahl", sagte Eric Schmidt, der frühere Chef von Google und ein Unterstützer der Trump-Gegnerin Hillary Clinton, dem Magazin "Forbes". "Er hat den Wahlkampf gemanagt, fast ohne Mittel." Ex-Außenminister Henry Kissinger nannte ihn Trumps wichtigsten Vertrauten.

Seine künftige Rolle im Weißen Haus ist umstritten. Das Gesetz verbietet ihm als Familienmitglied einen direkten Regierungsposten, auch wenn Trump das anfangs wollte. So wird Kushner als unbezahlter Berater agieren, als eine Art Schattenstabschef. Im Gespräch ist auch ein Auftrag als Nahostvermittler. Israel begrüßt das. So sagte Vize-Außenministerin Tzipi Hotovely: "Wir heißen ihn willkommen."

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